Covid-19

Wird Südbaden Corona-Risikogebiet?

Sebastian Wolfrum

Das Coronavirus zirkuliert im Elsass frei – und die Verknüpfung mit Deutschland ist eng. Behörden können inzwischen nicht mehr ausschließen, dass die deutsche Seite auch zum Risikogebiet wird.

Corona in Südtirol habe der Raum Freiburg noch verkraftet – aber die aktuelle Lage im Elsass ändert alles. "Wir können nicht ausschließen, dass wir nicht auch Corona-Risikogebiet werden", sagt Martin Barth. "Wir müssen von stark steigenden Fallzahlen in der Region ausgehen."


So sieht man die Lage auch im Freiburger Rathaus. Nach Einschätzung von Ordnungsbürgermeister Stefan Breiter werden auch Freiburg und Südbaden zum Risikogebiet werden: "Die Frage ist nur: Wann", sagte er im Interview mit der Badischen Zeitung. Die Dynamik der Entwicklung im Elsass habe für eine neue Bewertung der Situation auch auf der anderen Seite des Rheins gesorgt.

Martin Barth, der Erste Landesbeamte des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, leitet den Koordinierungsstab, ein Gremium, das zusammenkommt, wenn es gilt, auf Krisen zu reagieren. Je nach Krise wird es unterschiedlich besetzt. Der Stab tagt selten, zuletzt beim Sturm "Sabine", davor bei einem Zugunglück 2013.

Im Elsass werden die Infektionsketten nicht mehr verfolgt

Die jetzige Krise heißt Corona. Das Virus breitet sich weltweit aus. Im Elsass hat es sich in den vergangenen Tagen rasant verbreitet. Inzwischen können dort Infektionsketten nicht mehr nachverfolgt werden. Das Virus zirkuliert frei. "Das Elsass liegt direkt vor der Haustür", sagt Barth. Die Verknüpfungen in die Region sind eng, Tausende pendeln über den Rhein zur Arbeit, gehen einkaufen, machen Urlaub.

"Die einzig wirklich wirksame Maßnahme wäre wohl, die Grenze zu schließen." Landrätin Dorothea Störr-Ritter
Am Montag gab das Regierungspräsidium Freiburg bekannt, dass das Elsass wie ein Risikogebiet behandelt werden soll. Risikogebiete sind per Definition des Robert-Koch-Instituts Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann. Dazu werden Kriterien wie die Dynamik der Fallzahlen, exportierte Fälle in andere Regionen oder die Erkrankungshäufigkeit zugrundegelegt.
Wann wird eine Region oder ein Ort zum Risikogebiet?

Das Robert-Koch-Institut stuft eine Region oder einen Ort als Risikogebiet ein, wenn die Vermutung besteht, dass dort das Coronavirus SARS-CoV-2 fortgesetzt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Die Einstufung erfolgt auf Grundlage mehrerer Daten. Dazu zählen unter anderem
  • die Häufigkeit der Erkrankungen
  • die Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen
  • exportierte Fälle in andere Regionen und Länder
Feste Schwellenwerte gibt es allerdings nicht. Das Robert-Koch-Institut erfasst die Lage fortlaufend. Es entscheidet von Tag zu Tag und im Einzelfall.

Die Einstufung als Risikogebiet ist jedoch keine Reisewarnung. Sie ist eine Orientierungshilfe für Ärzte, ob und wann ein Test auf das Coronavirus SARS-CoV-2 besonders sinnvoll erscheint.


Bereits in einer Sitzung am Montag hatte Landrätin Dorothea Störr-Ritter gesagt: "Die einzig wirklich wirksame Maßnahme wäre wohl, die Grenze zu schließen. Wahrscheinlich wird es aber nicht dazu kommen." Solche Entscheidungen werden auf Bundes-, nicht auf Kreisebene getroffen.

Im Landkreis und der Stadt Freiburg hält man an der bisherigen Taktik fest. Infizierte und Kontaktpersonen sollen ermittelt und isoliert werden. So soll die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. In Baden-Württemberg sind bis Dienstagabend insgesamt 277 Corona-Infektionen gemeldet worden.
Verhaltenstipps des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald:
  • Von anderen Abstand halten, ein bis zwei Meter.
  • Unnötige Besuche in Krankenhäusern und Altenheimen bleiben lassen.
  • Behördengänge nur erledigen, wenn sie zwingend notwendig sind.
  • Wer aus Risikogebieten zurückkommt, soll keine anderen Personen besuchen.
  • Wer Grippe-Symptome hat, soll unbedingt zu Hause bleiben – und den Hausarzt erst anrufen.
  • Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sollen von den Kommunen entsprechend der Empfehlung des Landes-Sozialministeriums abgesagt werden – so wie jetzt in Freiburg.
  • Auch unbedingt prüfen, ob kleinere Veranstaltungen und Meetings tatsächlich notwendig sind. Im Zweifel: absagen.
  • Wer nicht ins Elsass muss, bleibt besser weg: Besuche, Fahrten und unnötige Kontakte sollten unterbleiben.
  • In jedem Fall den Hygiene-Empfehlungen folgen: Keine Hände schütteln, oft Hände mit Seife waschen, in die Armbeuge husten und niesen, benutzte Tempos gleich wegwerfen.
Weitere Infos zu Symptomen, Verhalten im Verdachtsfall, Hinweise für Schulen und Kitas: Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – Informationen zum neuartigen Coronavirus



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