Freiburg

Wir haben ausgerechnet, wie viele Pflastersteine in der Altstadt liegen

Florian Schmieder

Wer sich beim Schlendern durch die Freiburger Altstadt schon immer gefragt hat, auf wie vielen Steinen man da gerade unterwegs ist, kann nun aufatmen. Wie groß die Anzahl an verlegten Pflastersteinen in etwa ist, zeigen wir euch nun.

Das Kopfsteinpflaster in der Altstadt gehört für viele genauso zu Freiburg wie das Münster, die Bächle oder der Sport-Club. Touristen aus aller Welt reisen in den Breisgau, um durch die schmalen Gassen oder über den Münsterplatz zu flanieren und dieses gemütliche Gefühl der Straßen zu genießen.


Bevor wir aber zur Berechnung kommen, müssen wir etwas ausholen – ein Ausflug in die Vergangenheit. Denn wer denkt, dass bereits im Mittelalter die Fuhrleute über eine gepflasterte Kajo fuhren konnten, irrt sich gewaltig. Das typische Straßenbild entstand erst in den 1870er Jahren, als der Pflasterer Alois Krems diese – durch Reisen in Südfrankreich angeeignete – Methode großflächig in Freiburg anwandte. Zuvor waren die Bächle noch in der Mitte der Straße und wurden im Zuge der Arbeiten als Trennung zu den Gehwegen verlegt.

Täglich wird das Pflaster repariert

In Folge der beiden Weltkriege mussten viele Straßenabschnitte erneuert werden. Die letzte große Renovierungsaktion fand durch das Einrichten der Fußgängerzone in den 1970er und 1980er Jahren statt. Seitdem werden übrigens immer noch täglich Reparaturarbeiten verrichtet.

Und jetzt ins Detail. Die verwendeten Steine lassen sich nach unterschiedlichen Größen und Steinarten kategorisieren. So gibt es Rheinkiesel, Rheinwacken, Mosaik-, Klein- und Großpflastersteine. Die Seitenlängen variieren dabei von vier bis 24 Zentimetern und sie bestehen aus Granit, Basalt, Marmor, Moräne, Quarzit, Porphyr und Melaphyr. Keine Angst, die letzten beiden Gesteinsarten haben wir auch noch nie gehört, hat aber irgendwas mit Vulkanen zu tun.

Schön und gut, aber wie viele Steine sind denn in der Freiburger Altstadt verlegt? Um das zu erfahren, gibt es zwei Varianten. Die erste: Man berechnet die Gesamtfläche der Altstadt (circa 1 km² oder 1.000.000 m²), zieht davon die Wohnfläche ab und multipliziert dies mit der Anzahl an Steinen pro m². Natürlich verfügt die Stadt Freiburg nicht über die Zahl des Anteils der Wohnfläche in ihren Stadtteilen. Wäre ja auch zu einfach gewesen.

Variante 2 ist vermutlich genauer, aber auch aufwendiger. Dabei wird eine Verteilung von 50 Prozent der mittleren Gesteinsgrößen und je 25 Prozent der Mosaiksteine und Großpflastersteine angenommen. Ausgehend von berechneten 137 Pflastersteinen pro m² wird die Fläche jeder gepflasterten Straße berechnet und diese letztlich aufaddiert. Denn nicht alle Straßen und einige auch nur teilweise sind von Kopfsteinpflaster bedeckt.

Im Bereich zwischen Unterlinden, Siegesdenkmal, Schwabentor, Kartoffelmarkt und Stadttheater findet man circa 77.698 m² gepflasterte Fläche. Das sind immerhin etwa elf Fußballfelder oder 0,003 Prozent des Saarlands. Multipliziert mit der angenommenen Verteilung von 137 Pflastersteinen pro Quadratmeter kommen wir somit auf 10.779.773 Steine in der Freiburger Altstadt. Auf jeden Einwohner Freiburgs kommen somit mehr als 46 Steine.

Dieses Ergebnis deckt sich mit den Annahmen von Dieter Saier vom Garten- und Tiefbauamt der Stadtverwaltung, welcher besonders hinsichtlich der Geschichte und der Varianten der Pflastersteine mit Rat und Tat zur Seite stand. Natürlich sind diese Berechnungen mit Vorsicht zu genießen. Vermutlich kann uns niemand sagen, wie viel Pflastersteine genau in der Altstadt verlegt sind. Auch unsere Kalkulation beruht auf zu vielen Annahmen, obwohl diese durchaus plausibel sind.

Deshalb sollten 10 Millionen ein ziemlich guter Richtwert sein und gelten erst einmal so lange, bis jemand eine bessere Rechnung vorschlägt. Und wann wären wir auch sonst zu der schönen Gelegenheit gekommen, für die Berechnung der Steine pro Quadratmeter mit einem Zollstock über die Kajo zu kriechen?

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