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Wieso ein Australier in Freiburg eine Tanzschule eröffnet hat

Johannes Breuninger

Australische Lebensfreude trifft afroamerikanischen Tanz: Stephen Kellett kam wegen der Liebe aus Down Under nach Freiburg und hat seine eigene Tanzschule gegründet. Dort vermittelt er seine Liebe zum Lindy Hop.

Zwei Minuten und 21 Sekunden dauert das schwarz-weiße Tanz-Video aus dem Film "Hellzapoppin" auf Youtube, aber beim Betrachten verliert sich jedes Zeitgefühl. Die Darsteller vollführen halsbrecherische Wurffiguren und rasante Drehungen. Aber kein Move raubt ihnen ihr breites Grinsen. Stephen Kellett, der in Adelaide (Australien) geboren wurde und nun in Herdern lebt, fand den Weg zu seinem heutigen Beruf, als er dieses Video sah.

Aber von vorne: ein Auslandssemester brachte den heute Vierzigjährigen 2005 zum ersten Mal nach Freiburg. Dort verliebte sich der Australier in Moni aus Alpirsbach. Das bewog ihn dazu, an der Dreisam zu bleiben. Beim Sprechen mit Stephen bemerkt man schnell die Energie, die ihn durch sein Tanzlehrerdasein trägt. Er wollte sich schon immer bewegen und ausprobieren. Als Teenager versuchte er sich in Kampfkunst, später in Akrobatik.



Als er das Video auf Youtube entdeckte, sei er gleich wie besessen gewesen. Erneut begann eine Reise, diesmal durch Europa, um an Lindy-Hop-Workshops teilzunehmen und möglichst viel über den Tanz zu erfahren, der seine Wurzeln in der afroamerikanischen Tanzszene im New York der Zwanziger Jahre hat. Er wurde erst Lehrer beim Uni-Sport. 2014 dann gründete er mit Moni die Tanzschule Lindy Corner. Das Team wird komplettiert von Fernando aus Alicante, den aus Baden stammenden Nina und Emilia sowie Piret aus Tallinn.

Aus einem Termin pro Woche wurde ein Programm

Dabei legen alle die gleiche Verve an den Tag, um die Begeisterung für Swing-Musik und ihre verschiedenen Tänze zu teilen. Mit der stetig wachsenden Freiburger Szene ist aus einem Termin pro Woche ein Programm geworden, das an jedem Abend eine Vertiefung der Tanzfähigkeiten ermöglicht. Moni und Stephen, selbst inzwischen Eltern, wollen dabei insbesondere junge Familien ansprechen und bieten Tanzkurse mit integrierter Kindesbetreuung an. Aus dem besessenen Schüler ist ein Tanzlehrer in Vollzeit geworden. Stephen versucht dabei, zunächst die Stimmung im Tanzsaal in der Markgrafenstraße zu lösen. "Ich will, dass die Leute sich wohl fühlen, mit allem, was ich habe", resümiert er mit breitem australischem Akzent.

Elli, 26, ist seit mehreren Jahren treue Kursteilnehmerin und freut sich jede Woche aufs Tanzen: "Die Stunde Lindy Hop in der Woche ist für mich gebuchte Lebensfreude", sagt sie. Beschwingt verlassen alle Kursteilnehmer nach 75 Minuten den Raum. Denn schon der Anfängerkurs mit seinen vorsichtigen Drehungen hat im Lindy Corner etwas von der rasanten Lebensfreude Hellzapoppins.
Kontakt:

TanzHalle

Markgrafenstr. 38