Internationaler Frauentag

Wieso die Frauen der Kita im Glacisweg ihre Arbeit niedergelegt haben

Lisa Discher

Zum Frauenstreiktag haben die Erzieherinnen der Kita im Glacisweg ihre Arbeit niedergelegt und gestreikt: Für mehr Anerkennung ihrer Arbeit und eine bessere Bezahlung. fudder hat sie vor dem Streik getroffen.

Heute sieht man nur Männer in der Kita im Glacisweg, denn die Frauen streiken: Für gerechtere Bezahlung und generell mehr Gleichberechtigung von Männern und Frauen – gerade in den so genannten "Care-Berufen", wozu auch Erzieher und Erzieherinnen gehören. Die männlichen Mitarbeiter unterstützen die Erzieherinnen: Sie kümmern sich heute alleine um die Kinder, damit die Frauen ihre Arbeit niederlegen können.

Bis es zum Streikposten auf dem Platz der Alten Synagoge geht, sitzen die Erzieherinnen der Kita im Glacisweg Heike Scharbach, ihre Tochter Niouma N'Diaye, Astrid Eschwe und Laila Weber gemütlich im Garten und sind bereit über ihre Erfahrungen und den heutigen Tag zu sprechen.

Demokratie schon im Kita-Alter

Die Sonne scheint, Kinder lachen im Hintergrund und das Ambiente könnte besser nicht sein. "Hier zu arbeiten ist fantastisch", sagt Heike. Auf die Frage, ob sie die Leiterin der Kita sei, gibt es ein klares Nein, verbunden mit einem Schmunzeln: Bei ihnen sei jeder gleichberechtigt, es gibt keine Leitung in diesem Sinne. Die Kita lebt Demokratie und gerade heute am "feministischen- und Frauenkampftag" werden auch die Kinder in der Kita aufmerksam. Was Heike denn noch im Kindergarten mache, fragt ein Kind. Sie soll heute doch streiken. Schon die Kleinsten haben also vollstes Verständnis und auch die Eltern seien natürlich auf der Seite der Kita, die für die Erzieherin Heike Scharbach "nicht nur eigentlich", sondern "tatsächlich" ein zweites Zuhause darstellt.

Das Mindeste einfordern

Der heutige Tag sei im Kern eine gute Sache, schade nur, dass man diesen noch brauchen würde. "Es ist erbärmlich, dass man den 8. März überhaupt noch braucht, um daran zu erinnern, dass Frauen die gleichen Rechte haben sollten wie die Männer", sagt Heike. Denn wieso erinnern an etwas, das doch selbstverständlich sein sollte. "Ich wollte eigentlich nicht mehr auf die Straße gehen müssen, um das Mindeste einzufordern." Die Runde ist sich einig, dass noch viel passieren muss, um Gleichberechtigung generell – aber auch in der Care-Arbeit herzustellen. Die Kita im Glacisweg geht mit Vorbild voran: Der Anteil von männlichen und weiblichen Mitarbeitenden ist ausgewogen. Vor allem liege das wahrscheinlich am Konzept der Kita. "Wir sind hier natürlich in einer privilegierten Position – wir sind relativ frei in unserer Arbeit", sagt Heike und alle nicken verständnisvoll. Trotzdem sei es wichtig für die Rechte von Frauen, nicht nur von Freiburgerinnen, auf die Straße zu gehen.

Anerkennung und Gehalt

Doch der 8. März kommt nicht ohne das Thema Gehalt aus. "Es kann nicht angehen, dass Frauen im 21. Jahrhundert noch immer 19,2 Prozent weniger verdienen als Männer – für die gleiche Arbeit", sagt Astrid Eschwer "Das ist ein Unding." Anerkennung sei gut und wichtig, aber der finanzielle Aspekt dessen sei nicht bei den Mitarbeitenden angekommen. "Einmalig haben wir einen Betrag bekommen, das war vor Weihnachten", wirft Heike ein. Doch die Stadt Freiburg hat angekündigt die Tariferhöhung nicht an die Erzieherinnen und Erzieher weiterzugeben. "Da hat sich Herr Horn dagegen ausgesprochen", sagt sie. Die Begründung? Die Krise verschlucke nun einmal viel Geld. Niouma ergänzt, dass der Betrag nicht viel gewesen sei "Aber nicht einmal das wird bei uns ankommen."

Ein harter Job und noch lange nicht alles erreicht

Einiges sei schon passiert, aber noch lange nicht genug. "Es ist zu früh, um zu sagen, wir hätten jetzt alles erreicht", sagen die Erzieherinnen. Die Anerkennung des Erzieherinnen-und Erzieher-Berufs sei bei den Eltern, die selbst Kinder in der Kita im Glacisweg haben, auf jeden Fall angekommen, meint Laila. "Viele sehen gerade jetzt noch einmal mehr, was das für ein harter Job ist," ergänzt auch Niouma. Doch ob das die Gesellschaft auch so sehe, da zweifle man noch.

Es müsse mehr Geld fließen, die Verteilung müsse anders sein – gerade in der Pandemie, die so vieles im Arbeitsalltag der Kita verändert hat: Feste könnten nicht mehr gefeiert werden und die Eltern könnten nicht mehr so viel am Geschehen teilhaben wie früher und das obwohl die Eltern einen so wichtigen Bestandteil der Kita darstellten. "Die Gemeinschaft wurde zerstört," sagt Laila Weber. "Es war sowohl für die Eltern schwer, als auch für uns", sagt Heike zum Thema Corona und den Hygieneregeln. Notbetreuungen wurden eingerichtet, dann wechselte man wieder zum normalen Ablauf, nur um dann wieder Notbetreuungen einzurichten. Es sei ein dauernder Wechsel gewesen in der Pandemie. "Nicht zu wissen was passiert", Heike zögert "es war und ist schon eine schwierige Zeit einfach."