Ehrenamt

Wieso die Feuerwehr mehr Frauen braucht

Sara Trötschler

Waldbrände sind in diesem Sommer häufiger denn je. Den Feuerwehren, die zum Löschen ausrücken, fehlt es oft an Mitgliedern. Fudder-Autorin Sara Trötschler plädiert dafür, dass auch mehr Frauen in die Feuerwehr eintreten.

Schon seit jeher dreht sich im Feuerwehrbusiness alles rund um den Mann. Sei es in Serien, Spielfilmen oder bei Feuerwehrmann Sam – überwiegend stehen die Männer im Fokus. Dass all diese Männer neben Helden auch Lebensretter sind, steht außer Frage. Doch wieso gibt es da so wenige Frauen auf der Bildfläche und im echten Leben – wieso braucht die Feuerwehr mehr Frauen?

Seit ich 14 Jahre alt bin, engagiere ich mich in der Feuerwehr Ibach. Zuerst in der Jugendfeuerwehr und anschließend seit nun sieben Jahren als erste Frau in der örtlichen aktiven Freiwilligen Wehr. Bis Mitte dieses Jahres war ich auch die Einzige. Tatsächlich bestand die örtliche Jugendfeuerwehr zu meiner Zeit ausschließlich aus vier jungen Mädels, die mit Spaß bei der Sache waren. Leider war ich dann aber auch die Einzige, die in die aktive Wehr wechselte und bin alleine auf die notwendigen Lehrgänge gegangen. Dort begegnete mir neben einem Männeranteil von gut 95 Prozent, aber doch immerhin auch eine kleine Gruppe junger Frauen. Schon damals stellte sich mir die Frage, weshalb hier nicht mehr Frauen zu finden waren und auch heute werde ich oft gefragt, was mich dazu bewegt hat, der Feuerwehr beizutreten.

Darum braucht die Feuerwehr mehr Frauen

Die Feuerwehr ist einfach unglaublich interessant. Die verschiedenen Löschmethoden, die unterschiedlichen Einsatzfahrzeuge, die vielseitigen Einsatzsituationen. Kein Einsatz ist wie der andere, keine Probe so wie die vorherige. Die gelernten Verfahren sind nicht nur im Einsatz anzuwenden, sondern können auch ins Private übertragen werden: Wie lösche ich eine brennende Pfanne, welche Stichpunkte muss ein Notruf enthalten, wie bediene ich einen Feuerlöscher. Zu viele Menschen hatten in ihrem Leben noch keinen Feuerlöscher in der Hand (natürlich auch gut, wenn sie es noch nicht mussten!), doch was ist wenn´s brennt?

Ein ganz pragmatischer Grund, weshalb die Feuerwehr mehr Frauen braucht sind auch ganz einfach die fehlenden Mitglieder in den Freiwilligen Wehren. Meist sind die Wehren auf zwei Generationen aufgebaut: die Generation 50+ und die Generation zwischen 18 und 35. Die Generation 50+ rückt der Altersgruppe immer näher und viele Mitglieder rutschen in die Altersabteilung. Diese beginnt bei uns mit 65 Jahren oder bei gesundheitlichen Einschränkungen und beendet den aktiven Dienst in der Wehr. Selten rücken für jedes ausgeschiedene Mitglied neue Mitglieder nach, was große Lücken in die Wehren reißt. Wenn sich nun auch mehr Frauen für die Feuerwehr interessieren würden, könnte die Lücke zumindest ein wenig geschlossen werden. Denn im Ernstfall wird jede Hand benötigt.

Einsatzbereitschaft und Kameradschaftlichkeit

Es ist unterdessen nicht nur die Einsatzbereitschaft im Ernstfall, sondern auch die kameradschaftliche Hilfsbereitschaft untereinander auch außerhalb vom Gerätehaus, die mich so an der Wehr fasziniert. Der Zusammenhalt, die gemeinsamen Abende und Ausflüge. Es kommen regelmäßig Menschen zusammen, die sonst nicht zusammen kommen würden. Man tauscht sich aus, erfährt Neuigkeiten vom Dorf und jeder verträgt es, wenn auch mal flottere Sprüche fallen. Es ist eine eigene Gemeinschaft, die gemeinsam unglaubliches schafft.

Die Karriereleiter der Feuerwehr kann auch jede Frau erklimmen.

Mann unterstützt Frau wenn es nötig ist, Aufgaben werden gemeinsam im Team erledigt und Mann hat auch mal Verständnis, wenn manche Frau nicht die Kraft in den Armen hat. Mann und Frau nehmen Rücksicht aufeinander. Und Frau kann, falls die körperliche Verfassung keine Kraftarbeiten zulässt, innerhalb der Feuerwehr auch andere Aufgaben übernehmen, die keinen großen Kraftaufwand erfordern und dennoch wichtig und essentiell sind. Selbstverständlich gibt es Kameradinnen, die ihren Kameraden in nichts nachstehen, weder in körperlicher, noch in ausdauernder Tätigkeit. Die Karriereleiter der Feuerwehr kann auch jede Frau erklimmen. Und jede kann diese empor klettern, wenn sie das möchte. Atemschutz, Maschinist, Gruppenführer, Stabsmitglied – alle Wege stehen ihnen offen.

Neue, weibliche Denkweisen für die Feuerwehr

Es ist eine Chance sich persönlich weiterzuentwickeln und dabei auch noch gutes für die Gesellschaft zu tun. Eine andere (weibliche) Denkweise einzubringen, eingefahrene Strukturen aufzusprengen und konservative Ansichten in Luft aufzulösen. Natürlich ist das kein Spaziergang, natürlich begegnen einem immer wieder Situationen die einen zweifeln lassen. Man muss sich seinen Platz in der Gruppe erarbeiten, aber wo muss man das nicht? Umso befriedigender ist es, wenn man Ideen, Vorschläge und Denkweisen einbringt, die angenommen werden und man sich gemeinsam als Wehr in neue Richtungen entwickelt.

Es ehrt mich, ein Teil der Freiwilligen Feuerwehr Ibach zu sein und es ehrt mich so gute Kameraden und so eine gute Kameradin zu haben. Ich bin froh, Teil dieser Gruppe zu sein, meinen Senf zu bestimmten Themen hinzugeben zu können und zu wissen, dass die Männer hinter mir stehen - und dass sie (auch wenn es natürlich keiner freiwillig zugeben würde) genauso froh sind, uns Frauen in der Wehr zu haben.

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