Kultur

Wie zwei Freiburgerinnen den Jugendkunstparkour erlebt haben

fudder-Redaktion

An diesem Freitag und Samstag feiert der Jugendkunstparkour 2021 sein Finale Grande im Freiburger Artik. Seit April haben junge Menschen sich in Ateliers zu Beton, Maskenbau oder Holz kreativ ausgelebt. Wir haben zwei Teilnehmerinnen gebeten, ihre Erfahrungen zu beschreiben.

Der Jugendkunstparkour hat in diesem Jahr zum neunten Mal stattgefunden und richtet sich an Menschen zwischen 15 bis 27 Jahren. Seit April haben sie sich in verschiedenen Ateliers beteiligt und stellen ihre Werke bei einer Abschlussveranstaltung, dem Finale Grande, an diesem Freitag, ab 18 Uhr, und Samstag, ab 17 Uhr, im Artik aus.

Madeleine Müller, Lehramtsstudentin im Fach Bildende Kunst (Orga-Gruppe JugendKunstParkour)

"Der Jugendkunstparkour neigt sich dem Ende zu und ich blicke zurück auf eine aufregende und spannende Zeit. Ich durfte mit inspirierenden Menschen zusammenarbeiten und neue Aspekte von Kunst und Kunstpädagogik kennenlernen. Unsere Vorbereitungen starteten im Oktober und beinhalteten zunächst organisatorische Planungen und kreative Überlegungen für ein geeignetes Motto. Die damaligen Corona-Verordnungen waren natürlich ein Hindernis und schränkten uns manchmal ein, wir kreierten aber ein Konzept, hinter dem wir alle standen und welches für uns die Stimmung zu diesem Zeitpunkt am besten zum Ausdruck brachte. "Abwarten" konnten wir nicht mehr, wollten wir nicht mehr. Es wurde Zeit, endlich Kunst zu schaffen. Das "Abwarten" hatte ein Ende und so schufen wir ein neues Konzept des Jugendkunstparkours, welches uns unter der damaligen Corona-Verordnung erlaubte, Kunst schaffen zu können.

Ich assistierte im April dem Künstler Max Siebenhaar in dessen Kunstatelier im Delphi_Space, in welchem wir mit Beton arbeiteten. Ein Material, mit dem ich mich selbst noch nie befasst hatte. An den zwei Wochenenden im April lernten wir zum einen, wie man Schalungen baute, um den Beton gießen zu können und zum anderen, wie man mit diesem Material umgehen muss, damit die Textur stimmt. Im Verlauf des Ateliers entstand eine Reihe verschiedener Plastiken, welche beim diesjährigen Finale Grande 2021 ausgestellt werden. Ich lernte also nicht nur, wie man ein Projekt plant und leitet, sondern auch Lösungen für Probleme zu finden und spontan auf Änderungen zu reagieren. Dies ist es, was ich für mein Studium und für mich als kunstinteressierte Person mitnehmen kann und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Jugendkunstparkour."

Lara Biermann, Masken- und Theateratelier

"Nach einem halben Jahr der Planung des diesjährigen Jugendkunstparkours über Zoom ging das Masken- und Theateratelier der Bildhauerin Teresa Miguel und des Schauspielers Marcello Miguel endlich los. Meine Aufgabe war zuvor, Teilnehmende anzuwerben und den Kontakt zwischen den Veranstalter*innen, den Künstler*innen und den Teilnehmenden herzustellen. Und das in real Life, man glaubt es kaum. Nach Monaten der Begegnungen von Bildschirm zu Bildschirm stehen sich die Teilnehmenden von Angesicht zu Angesicht gegenüber. An das Erahnen der Gesichter hinter den Masken hat man sich schon gewöhnt. Bald sollten jedoch nicht die medizinischen Masken unsere Gesichter zieren, sondern unsere selbst gebauten Masken würden uns beim Schauspiel die Mimik verleihen. Der aufwändige Maskenbau beginnt mit dem Anfertigen eines Abgusses unseres Kopfes. Am Ende stehen wir alle neben uns und sind ganz erstaunt über uns in Komplett-Ansicht.

Dank der Abgüsse unserer Köpfe können wir nun mit dem passgenauen Anfertigen der Masken beginnen. Dabei entstehen groteske Gesichter, die aber doch in ihrer Art zu jedem Einzelnen von uns passen. So werden die Masken zu Karikaturen unseres Inneren. Das zeigt sich auch in den Schauspielübungen, die wir mit den Masken durchführen. Zwar nehmen wir mit den Masken unterschiedliche Rollen ein, doch etwas von einem selbst spielt immer mit. Zugleich helfen uns die Masken dabei, unsere Hemmungen fallen zu lassen. Der Kopf bleibt verborgen und der Körper kann sich dafür umso freier bewegen.

Höhepunkt ist der Dreh eines Musikvideos der Freiburger Band "Das Blanke Extrem", bei dem wir mit unseren Masken mitspielen dürfen. Im Laufe des Tages verschmelzen wir mit unseren Rollen und am Abend ist es schon fast seltsam, sich nicht mehr in übertriebener Manier zu bewegen.

Bis zum Finale Grande haben wir noch ein kleines Stück eingeprobt. Ich bin sehr gespannt, was unseren Köpfen entspringen wird und wie wir unsere Ideen auf die Bühne bringen werden. Für uns alle war auf jeden Fall der Weg bis zur Bühne schon spannend genug. Interessant war, wie wir alle ein bisschen zu Karikaturen unserer selbst wurden und wie durch das überspitzte Darstellen die ein oder andere verborgene Seite von uns hervortrat. Wer hätte gedacht, dass man sich durch das Maskieren neu entdecken kann."
Was: Finale Grande vom JugendKunstParkour 2021
Wann: Freitag, 9. Juli, ab 18 Uhr, Samstag, 10. Juli, ab 17 Uhr
Wo: Artik, Haslacher Straße 43
Infos: Web & Instagram & Facebook