Wie werde ich Fluglehrer?

Lena Stang

Jonas Harter arbeitet in 2500 Metern Höhe: Der 30-jährige Freiburger ist Fluglehrer an der FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule, die sein Großvater vor gut 50 Jahren gegründet hat. Wie man zum Fahrlehrer der Lüfte wird:



Der Beruf

Jonas Harter beschreibt das Fliegen als „die zweitschönste Sache der Welt“ und sagt, dass es in seinem Job für ihn persönlich keine Nachteile gibt. „Es ist spannend, mit so vielen verschiedenen Charakteren zusammenzutreffen. Meine größte Motivation ist aber die Leidenschaft, die die Schüler jeden Tag aufs Neue in ihre Ausbildung stecken. Und das ist das Wichtigste.“

Sein Job als Pilot bei einer Fluggesellschaft sei ein Traumberuf gewesen. Man sieht Orte, die, wie Jonas Harter sagt, „anderen verwehrt bleiben“, und wird dafür auch noch bezahlt. Aber was nach außen so schön scheint, hat nach innen einen Nachteil:

„Man ist dauernd von zu Hause weg. Ich habe mit 21 Jahren bei jener Airline angefangen, das Alter, in dem man sich eigentlich mit seinen Freunden trifft und feiern geht. Jetzt, als Fluglehrer, ist das anders."

Voraussetzungen

Das Wichtigste für einen Fluglehrer ist, dass seine Flugschüler unbedingt fliegen lernen wollen - sonst haben sie an der Schule nichts verloren. Pilot und Fluglehrer sind keine Berufe, die man nach dem Abi macht, weil man nicht weiß, was man sonst machen soll. Es hat nichts mehr mit der Schule zu tun, wo man morgens manchmal dachte "Och, nee, heute habe ich keine Lust, zur Schule zu fahren".

Außerdem ist Fluglehrer kein Einsteigerberuf. Auch Jonas Harter war zuerst Pilot, bis er sich dafür entschied, auch anderen Schülern das Fliegen und Piloten das Unterrichten beibringen zu wollen.



Man kann es sich wie in der Fahrschule vorstellen. Nach drei Jahren ist man aus der Probezeit raus, und so ähnlich ist es auch beim Fliegen. Man muss eine gewisse Anzahl von Jahren geflogen sein, bevor man seine Ausbildung als Fluglehrer beginnen kann, da ein Fluglehrer für sich und andere Menschen die volle Verantwortung übernehmen muss. Im Schnitt beträgt das Alter der angehenden Fluglehrer 25 Jahre. Es kommt aber natürlich ganz darauf an, in welchem Alter er mit dem Fliegen begonnen hat.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zum Verkehrspiloten dauert circa zwei Jahre. Für den Beruf des Piloten gibt es kein staatlich anerkanntes Studium, die einzige deutsche Fluggesellschaft, die Frauen und Männer zu Piloten ausbildet, ist die Lufthansa. Deshalb machen Frauen und Männer, die Pilot werden wollen, den Flugschein oft privat in einer Flugschule wie der FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule. Hier unterrichtet Jonas und bildet Schüler zu Piloten und Piloten zu Fluglehrern aus.

Die Schule bietet an unterschiedlichen Standorten in Baden-Württemberg und Bayern vier Kurse im Jahr an, in denen unter anderen Jonas die angehenden Piloten oder Fluglehrer unterrichtet. In diesem Kurs sind die ersten sechs Monate Theorie, bis die erste Prüfung vom Luftfahrtbundesamt durchgeführt wird, und nach bestandener Prüfung geht es weiter mit der Praxis. Der Unterricht findet Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr statt. Jeder Schüler hat insgesamt 30 Stunden pro Woche; eine Unterrichtsstunde entspricht 60 Minuten.

Insgesamt müssen 750 Unterrichtsstunden besucht werden.

Die Kosten

Die Ausbildung kostet rund 65.000 Euro. Als Schüler einer staatlich anerkannte Schule sind Schüler der FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule BAföG-berechtigt. Die Ausbildung kostet also viel Geld, dafür kann man danach aber auch ganz okay verdienen. „Es kommt natürlich immer darauf an, wie viel man schult", sagt Jonas. "Je mehr Schulungen, desto höher der Verdienst." Aber man könne damit rechnen, ungefähr 3000 Euro Netto zu verdienen.



Der Flugsimulator

In Flugsimulatoren trainieren Piloten für den Alltag in echten Flugzeugen. Am Computer simulieren Hunderttausende tagtäglich Flüge in alle Welt. Wie im echten Flugzeug werden auf dem „Primary Flight Display“, dem wichtigsten Bildschirm im Cockpit, zum Beispiel Geschwindigkeit, Steigrate und Höhe angezeigt.

Aber ist der Flugsimulator wirklich so cool, wie immer gesagt wird? „Ja!“, sagt Jonas und erklärt, dass er viel kostensparender ist als ein Flugzeug. Außerdem wird das Gefühl, in einem Flugzeug zu sitzen und zu fliegen wirklichkeitsgetreu nachgestellt und ist komplett risikofrei.

Gefahren und Risiken

Jonas: „Eigentlich gibt es keine Gefahren oder Risiken, die die Schüler oder ich eingehen. Es bestehen gewissen Parallelen zwischen einem Fahrschulauto und einem Flugschulenflugzeug. Der Lehrer hat jederzeit die Möglichkeit, in eine heikle Situation einzugreifen. Allgemein birgt das Fliegen aber nicht mehr Gefahren als der normale Verkehr auf der Straße.“

Die Zukunft

Jonas spielt oft mit dem Gedanken, hauptberuflich wieder Pilot zu werden. „Man hat mehr Freiheiten, und wenn man bei einer renommierten Fluggesellschaft arbeitet, ist auch das Einkommen gesichert.“ Mittlerweile gehöre die FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule aber zu den fünf größten Flugschulen Deutschlands. "Deswegen mache ich mir momentan auch keine Sorgen um meine Existenz."

Tipps

Laut Jonas gibt es drei Dinge, die ein angehender Pilot oder Fluglehrer mitbringen muss: 1. Ein gutes Abitur; 2. Gesundheit; 3. Leidenschaft beziehungsweise überdurchschnittlich große Motivation. Was noch wichtig ist: Man sollte sich durch eine Absage nicht unterkriegen lassen und den Glauben an sich selbst nicht verlieren - solange es das ist, was man wirklich will.

Zur Person



Jonas Harter ist 30 Jahre alt und kommt aus Freiburg. Nach seinem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Piloten und arbeitete sechs Jahre lang für eine Fluggesellschaft. Dann ließ er sich zum Fluglehrer ausbilden; in diesem Beruf arbeitet er seit zweieinhalb Jahren. Das Besondere: Er unterrichtet an der FFH Südwestdeutschen Verkehrsfliegerschule, die sein Großvater vor gut 50 Jahren gegründet hat.

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