Musik

Wie war´s beim... A-Cappella-Konzert von "anders"?

Carolin Johannsen

Sie sind fünf junge Männer mit Stimmen, die beeindrucken. Die A-Cappella-Band "anders" hat am Samstag im ausverkauften E-Werk ihr Publikum bezaubert. Ganz ohne Instrumente, dafür mit eingängigen Melodien und viel Enthusiasmus sorgten sie für Stimmung.

Die Vorband

Humorvoll und mit Anekdoten aus seiner Kindheit stimmt Lukas Mak am Piano das Publikum auf den Abend ein. Drei Songs präsentiert der erst kürzlich mit dem Freiburger Kleinkunstpreis für Studierende ausgezeichnete Sänger. Sein Programm ist unterhaltsam, aber die Spannung bei den Zuhörern ist eher auf das kommende Konzert von "anders" gerichtet.

Die Band

In Hemd und Jeans stehen sie auf der Bühne als das Licht angeht: Johannes Berning, Adrian Goldner, Fabian Weithoff, Moritz Nautscher und Johannes Jäck. Sobald ihre Stimmen erklingen, wird klar: Die fünf gehören einfach zusammen und haben genauso viel Spaß daran was sie tun, wie das Publikum beim Zuhören. Sie sind authentisch und witzig, mitreißend und gefühlvoll und transportieren all diese Emotionen einzig und allein durch ihre Stimmen. Zwischen den Songs nimmt sich Johannes Berning, der den Abend über moderiert, Zeit für Anekdoten aus dem Band-Leben, über die Entstehung der Band und selbstironische Kommentare – die Wirkung verfehlt er nicht und die Zuhörer sind begeistert. Ihren Namen "anders" haben sich die fünf, deren Konstellation in den vergangenen Jahren immer mal wieder gewechselt hat, aus ganz pragmatischen Gründen gegeben. Als die Jungs damals in der achten Klasse mit dem Singen begannen, "waren wir einfach anders", erklärt Johannes Berning unter Lachen der Zuhörer.

Das Publikum

Alterstechnisch sehr gemischt, aber gefühlt überwiegend weiblich ist das Publikum. Dabei distanziert sich die Band eigentlich davon, eine klassische Boygroup zu sein. Schwierig nur, wenn man dann gerne gefühlvolle Liebeslieder singt und umwerfende Stimmen hat – natürlich sehr zur Freude des Publikums. Mehr als einmal belohnt es die Band mit minutenlangem Applaus, lauten Rufen und Pfiffen. Für die humorvollen Teile gibt es die gewünschten Lacher – die Zuhörer sind dabei und haben Spaß.

Die Musik

Los geht’s mit Liedern aus ihrem Programm "Viel Lärm um dich". Romantisch, gedankenvoll, humoristisch – jeder Song hat seinen eigenen Charakter, den die fünf ganz genau hervorzulocken wissen. Als Johannes Jäck an der Beatbox richtig loslegt, fragt man sich schon erstaunt, wo denn die Percussion-Instrumente versteckt sind, so faszinierend realistisch sind die Klänge, die er mit seinem Mund erzeugen kann. In einem Solo zeigt er einmal sein ganzes Können – eine klangliche Faszination.

Da die Band – konkret Johannes Berning – die meisten Texte selbst schreibt, können die fünf ihre Stärken vielfältig präsentieren. Mit ihren perfekt harmonierenden Stimmen und ihren authentischen Texten sorgen sie für Gänsehaut und viel Applaus. Ob frisch und dynamisch mit "Jungs, die singen", gedankenvoll mit "Kommen und Gehen" oder erotisch mit "Nachts nackt baden" – die fünf wissen, wie sie ihr Können zeigen. Nur das Boygroup-Image können sie nicht wirklich ablegen.

Nach der Pause steht die Band plötzlich in Bademänteln auf der Bühne, die dann von einem kleinen Weihnachtsbaum geschmückt wird. "Wir waren kurz in der Sauna", scherzt Johannes Berning bevor es mit "Let it snow" losgeht. Sie singen ihre Lieblings-Weihnachtslieder auf ihre eigene Art und Weise. Da klingt auch "Es kommt ein Schiff geladen" plötzlich nicht mehr langweilig. Eines der vielen Highlights: "Dann wird es still" – das selbstgeschriebene Weihnachtslied der Band, zu dem die fünf auch ein Musikvideo produziert haben. Passend zum Konzert und vor Weihnachten ist nun auch ihre neue EP verfügbar. Darauf: vier Weihnachtslieder, ganz wie gewohnt ohne Instrumentalbegleitung und trotzdem stimmungsvoll.

Die Show

Sie beginnen im Dunkeln und enden mit einem Feuerwerk aus Lichtern. Wie das ganze Programm ist auch die Lichttechnik bei "anders" genau durchdacht. Nachdem nach dem ersten Song auch die Gesichter der Jungs angestrahlt werden, bewegen sie sich die Show über durch die ganze Farbpalette. Das Ganze ist aber nicht übertrieben, sondern passt genau.

Ganz authentisch und witzig ist auch die Choreografie der Band. Große Begeisterung bekommen die fünf mit ihrer Interpretation eines Fernsehers. Sie "zappen" durch das Programm und imitieren Sandmännchen, Tagesschau, Pretty Woman ebenso wie Naturdokumentationen oder Werbung und bekommen einen Lacher nach dem anderen. Auch ihre Hüftschwünge bei "Viel zu lang nicht mehr getanzt" sorgen für Euphorie durch die Selbstironie.

Fazit

Auch nach drei Zugaben ist es viel zu schade, dass das Konzert schon wieder vorbei ist. So erfrischend, so witzig, so gefühlvoll und so musikalisch herausragend hat "anders" sich präsentiert. Und all das nur mit ihren Stimmen.