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Wie war’s im ... Museum der Langsamkeit des Literaturhaus Freiburg?

Anna Castro Kösel

Im Literaturhaus Freiburg findet seit Anfang Juni die Ausstellung "Museum der Langsamkeit" statt. Sie basiert auf eingeschickten Beiträgen von verschiedenen Autorinnen und Autoren zum Thema Langsamkeit und Zeit, inspiriert durch den Corona-Zeitrhythmus.

Die Ausstellung

Es ist keine gewöhnliche Vorstellung, die man im Literaturhaus vorfindet. Über den ganzen Raum sind 30 Meter lange Papierbahnen gespannt, die Auszüge aus Texten zeigen. Außerdem geht man nicht, wie man es von anderen Kunstmuseen kennt, von Werk zu Werk, sondern hört die von den Autorinnen und Autoren eingesprochenen Texte nacheinander an. Der Raum wird verdunkelt, ab und zu tauchen Fotografien oder Zeichnungen auf. Fünf Besucherinnen und Besucher dürfen an der Ausstellung teilnehmen und die Installation sowie die Texte auf sich wirken lassen. Jens Burde vom "Institut für Sagenhaftes" hat das Konzept zur Installation entworfen.

Die Texte

Nachdenklich, ungewöhnlich und philosophisch: Die eingesandten Texte, Tonspuren, Zeichnungen, Songs und Filmausschnitte verschiedener Autorinnen und Autoren regen dazu an, die Corona-Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen und sie aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Felicitas Hoppe schreibt über die Pandemie als "Meine unsichtbare kleine Freundin Corona ", während Judith Schalansky darüber sinniert, ob der Mensch lernfähig sei: "Ein Virus, das alle Menschen heimsuchen kann, lehrt uns einmal mehr, wie unerlässlich ja lebensnotwendig es ist, die Welt als einen Organismus zu begreifen."

Auch zeichnerische Elemente hat die Ausstellung zu bieten. Menschen, die alleine an Fenstern stehen, unüberwindbare Hindernisse, die zwischen zwei Personen liegen und Parfümwolken als letzte Kontaktaufnahme zu einer anderen Person – Elemente des Social Distancings, die Andreas Töpfer in seiner Zeichenserie "Kompost" darstellt. Auch eine "Anleitung zum Lachen auf Abstand" von Ulrike Almut Sandig ist Teil des Programms: " Wir werden die Heiterkeit zwischen den Bäumen ausbuchstabieren und das geht so: kurz bücken, Hände im Lauf waschen, dabei zweimal Happy Birthday singen".

"Wir wollten das Thema ’Langsamkeit’ aufgreifen, ohne das es abgedroschen klingt", sagt Frederik Skorzinski, Teil des Teams des Literaturhauses. "Wir wollten prüfen, ob der Eindruck, dass durch die Covid-19-Pandemie die Zeit langsamer vergeht, stimmt, und haben dann verschiedene Künstlerinnen und Künstler angefragt, zu dem Thema etwas zu schaffen, um verschiedene Blickpunkte zu erhalten." 15 Beiträge von 16 Künstlerinnen und Künstlern sind es insgesamt, die im Literaturhaus zum Hören ausgestellt sind, ausgewählt von Katharina Knüppel und Martin Bruch, der Leitung des Hauses.

Das Literaturhaus in Zeiten von Corona

So wie viele Veranstaltungsorte musste das Literaturhaus für einige Zeit schließen. "Zum Glück werden wir städtisch gefördert, das ermöglicht uns Planungssicherheit. Die Ausstellung ’Museum der Langsamkeit’ war für uns eine gute Möglichkeit, unsere Türen wieder zu öffnen", so Frederik Skorzinski. Am liebsten wäre dem Team ein volleres Haus, doch stelle die Ausstellung, die nur fünf Personen gleichzeitig besuchen können, eine Herausforderung dar, die gerne angenommen worden sei. Die besondere Situation macht es auch möglich, eine einmonatige Dauerausstellung im Literaturhaus zu haben, da die Räumlichkeiten nicht wie in "normalen" Zeiten noch von den studentischen Theatergruppen genutzt werden würden.

Fazit

Corona hat viele Dinge umgeworfen, in Frage gestellt und eine andere Sichtweise auf die Dinge eingefordert. Wer nach ein paar Erklärungsversuchen und Denkanstößen sucht, diese verrückte Zeit zu begreifen und einen anderen Umgang zu suchen, wird im Museum der Langsamkeit fündig. Die wenigen Besucherinnen und Besuchern, der abgedunkelte Raum und das Abspielen der Texte, die von den Autorinnen und Autoren mit ruhiger Stimme vorgetragen werden: Dies alles regt zum Nachdenken und Philosophieren an.

Was wird nach Corona sein? Wie wird sich unser Zeitgefühl und unser Verhältnis zu anderen Menschen verändern und wird die Menschheit aus Corona für zukünftige Herausforderungen lernen? Diese Fragen nimmt man mit nach Hause, während die Möglichkeit besteht, ein bisschen Hektik im Museum der Langsamkeit abzulegen.

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