Frauenbild

Wie war’s beim... Vortrag über die preisgekrönte Serie "Fleabag" im Carl-Schurz-Haus?

Nora Ederer

Cool, schräg und wütend: Am Freitag ging es in der Vortragsreihe "Televisionary" um das Frauenbild der britischen Erfolgsserie "Fleabag". fudder-Autorin Nora Ederer hat einen Blick hinter die Fassade der Protagonistin geworfen.

Der Anlass

Welche Serien sind bei US-Amerikanerinnen und US-Amerikanern gerade hoch im Kurs? Wie spiegeln sie den Zeitgeist der USA? Und was können wir daraus lernen? Diesen Fragen widmet sich die Reihe "Televisionary: Amerika in Serie" am Carl-Schurz-Haus, dem deutsch-amerikanischen Institut Freiburg. Noch bis März organisiert Sabine Pawletta einmal pro Monat einen Vortrag über Serien, die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner gerade begeistern. So war im Dezember zum Beispiel die Journalistin Alice Hasters zu Gast und besprach Rassismus im US-amerikanischen Justizsystem anhand von "When They See Us". Auch zu "Stranger Things" und "Girls" gab es schon Veranstaltungen. Am Freitag ging es bei "Televisionary" um Frauenbilder – und zwar anhand von "Fleabag".



Die Serie

Fleabag ist eine Co-Produktion von BBC und Amazon. Erfunden hat sie die Britin Phoebe Waller-Bridge. Die Handlung spielt in London. "Und trotzdem war Fleabag ganz weit oben auf meiner Liste von Serien, die ich in unserer Vortragsreihe zur amerikanischen Serienkultur besprechen wollte", sagt Sabine Pawletta. "Denn Fleabag ist in den USA durch die Decke gegangen." Elf Emmys, zwei Golden Globes, zahlreiche weitere Fernsehpreise.

Fleabags Erfolg sagt auch einiges über den amerikanischen Zeitgeist aus – "und es ist natürlich toll, dass die Serie in den USA zu einer Art europäischem Exportschlager wurde", so Pawletta. In Deutschland ist Fleabag auf Amazon Prime zu sehen.



Die Handlung

Fleabag (auf deutsch etwa "Schmuddelkind") ist Cafébesitzerin, Millennial, Single, Schwester und sozial isoliert. Ihre Mutter und ihre beste Freundin Boo sind vor kurzem gestorben. Das Verhältnis zu ihrem Vater und ihrer Schwester Claire ist unterkühlt, sie verabscheut ihre Stiefmutter. Fleabag gibt sich cool und sarkastisch, aber eigentlich ist das alles nur Fassade. Sie weiß nicht, wo sie in ihrem Leben gerade steht, und trauert um ihre Mutter und Boo. Gleichzeitig sucht sie Bestätigung bei Männern, hat viel Sex und schreckt auch vor Diebstahl nicht zurück, um an Geld zu kommen.



Der Vortrag

Die Expertin des Abends ist Dr. Sophie Rudolph von der Universität St. Gallen. Sie ist Filmwissenschaftlerin und beschäftigt sich mit der Frage, wie Frauen in Filmen und Serien dargestellt werden. Etwa eine Stunde lang nimmt sie ihr Publikum mit auf eine Zeitreise durch die verschiedenen Wellen des Feminismus, die auch in Filmen wie Breakfast at Tiffany, Sex and the City und Bridget Jones deutlich werden. Anfangs tauchten Frauen in Filmen vor allem als junge, attraktive Konsumentinnen auf.

Wie herrenlose Tiere flanieren sie durch die großen Kaufhäuser der goldenen 1920er, um sich mit Schuhen, Schmuck und Schminke einzudecken. Erst später, zwischen den 1930er und 1960er Jahren, aber auch noch in den 1990ern und 2000ern, spielen Frauen traditionellere Rollen – und wollen etwa unbedingt Ehefrau und Mutter werden. Gerade sind "Precarious-Girl-Comedies" beliebt, bei denen Frauen ohne äußerliche Attraktionen im Mittelpunkt stehen. Sie zeigen sich in unvorteilhaften Situationen, etwa auf der Toilette oder beim Masturbieren, und schaffen es nicht, in der Gesellschaft um sie herum Fuß zu fassen. Sie scheitern im Beruf und auch privat, sind eklig, leiden und begehren – genau wie Fleabag.

Das Drumherum

Im Anschluss an den Vortrag zeigten die Veranstalterinnen eine typische Fleabag-Folge aus der ersten Staffel. Dazu gab es salziges Popcorn und Cola. Danach hatte das überwiegend junge und überwiegend weibliche Publikum die Möglichkeit, Fragen an die Expertin zu stellen. Und auch, wenn viele der Besucherinnen und Besucher Fleabag bereits kannten, machte der Abend Lust auf mehr. Auf mehr Fleabag, auf mehr Serien von und über Frauen und auf mehr "Televisionary" im Carl-Schurz-Haus.
Die nächste Veranstaltung der Reihe "Televisionary: Amerika in Serie" findet am Do, 13. Februar 2020 statt.
Thema: Hexing the Patriarchy: Gender, Power and Feminism in Netflix’s Chilling Adventures of Sabrina
Expertin: Eleonora Sereni, Doktorandin an der Universität Freiburg
Veranstaltungssprache: Englisch
Beginn: 19 Uhr
Ort: Carl-Schurz-Haus, Konferenzraum, Eisenbahnstraße 62, Freiburg
Der Eintritt ist frei.