Theater

Wie war’s beim Theaterstück "I need some space" im E-Werk?

Anna Castro Kösel

Am Wochenende zeigte die 23-jährige Regisseurin Marie Töpfer das Theaterstück "I need some space" im Freiburger E-Werk. Von den Vorgaben des klassischen Theaters gelöst, taucht man ein in eine Welt der Gefühle.

Das Theaterstück

Aus dem Off ertönt eine Stimme: "I need some space to see that this life is mine". Auf der Leinwand bahnt sich kleines Mädchen den Weg durch das Dickicht im Wald. Das Thema des Theaterstücks "I need some space" von Marie Töpfer ist genau dies: Suchen und Finden. Und die Erkenntnis, dass das eigene Leben aus Höhen und Tiefen besteht, es aber in unserer Hand liegt, es zu gestalten. Es gibt nicht vier Akte oder ein klassisches Bühnenbild. Der Zuschauer wird in elf Szenen hineingeworfen, die es in sich haben. Erst geht es um das Ausbrechen aus und Befreien von etwas Altem, Engem. Ein Kokon wird von dunklen Gestalten hin und her gerissen – im Hintergrund auf der Leinwand türmen sich Wellen auf. Dann, plötzlich wird es hell und ein Schmetterling entschlüpft.

Eine andere Geschichte erzählt von dem Mädchen "Nova", dass sich einsam und traurig fühlt, weil sie die Zerstörung der Welt nicht verstehen kann. Allein an einer Haltestelle trifft sie auf den Jungen Tom, der ihr zeigt, wie man Wolken bunt anmalt und die Hoffnung bewahrt. Eine weitere Geschichte erzählt die Liebe zweier Männer, die nicht sein darf. Nach einem Kuss, der im Zerwürfnis der beiden endet, erscheint der Teufel auf der Bildfläche. Er bestraft Menschen, die ihren Impulsen gefolgt sind. Auch er leidet unter Schuld und an seinem strafenden Wesen. In der Szene "Cold as hell" erkennt auch er, dass er und jeder Mensch dunkle Seiten hat, die zu ihm dazugehören.

"I need some space" erzählt nicht nur vom Individuum, das seinen Raum sucht, sondern auch von menschlichen Abgründen und tabuisierten Themen wie heimliche Homosexualität oder der Klimakrise. In der "Peal Performance" werden junge Mädchen reingeführt, um das oft vergessene Thema Menschenhandel in den Fokus zu rücken. Im Hintergrund des Theaterstücks spielen sich die facettenreichen Fragen und Gefühle junger Menschen ab: Wie weit darf ich gehen? Wie und wo finde ich meinen Platz? Wie kann ich in einer Welt mit Vorurteilen und Problemen bestehen und etwas verändern?

Gestaltung und Schauspiel

Das Bühnenbild des Theaterstücks ist schlicht und besteht je nach Szene nur aus ein paar Stühlen oder Tischen. Die Lebendigkeit des Stücks lebt von Szenen, die nur auf der Leinwand stattfinden oder durch viel Lichttechnik und Musik untermalt werden. Die 19 bis 24-jährigen Schauspielerinnen und Schauspieler, fast alle von der Freiburger Schauspielschule, spielen einfühlsam und in einer Heftigkeit, dass die Emotionen der Zuschauenden in Wallung geraten. "Es war ein schöner Ausflug in mich selbst", erzählt Elisa Helferich, 19 Jahre, die die Rolle des Mädchens "Nova" spielt. Luis Roether, 20 Jahre, in der Rolle des Teufels, lernte sein Herzblut und Mitgefühl in das Theaterstück hineinzulegen. "Ich wurde von dem Stück insofern berührt, dass ich mir bewusster bin, welches Leid auf der Welt existiert und dass ich versuchen möchte, anderen Menschen kein Leid mehr zuzufügen".

Das Making-Off

Die Freiburgerin Marie Töpfer, 23 Jahre, ist Autorin und Regisseurin des Stücks. Sie spielt Theater, seit sie neun Jahre alt ist. "Das Stück war so gedacht, dass man es mit nach Hause nimmt und darüber reflektiert". Seit 2017 arbeitet sie an "I need some space", 2020 sollte es aufgeführt werden. Nach zwei Jahren Corona-Pause konnte es endlich gezeigt werden. Oft hat Marie damit gehadert, ob sie ein Stück schreiben kann, das sich von den Vorgaben des klassischen Theaters löst. "Ich bin zu der Lösung gekommen: Ja, ich kann das. Denn, Theater ist für mich Freiheit".

Mit ihrem Stück will Marie berühren: "Wenn man es ganz runterbricht, geht es um eine Person, die einen Raum voller Menschen sieht, mit ganz vielen Geschichten und unterschiedlichen Charakteren, die aber doch alle ähnliche Dinge fühlen".

Fazit

"I need some space" ist ein verstörendes und aufwühlendes Stück und geht unglaublich nahe. Die Szenen spiegeln das gesamte Spektrum menschlicher Gefühle wider, was einem Hollywood-Blockbuster wohl kaum gelingen dürfte. Schuld, Hoffnung, Trauer, Scham, Freude: Beim Zuschauen konnte man sich auf eine Reise zu ihnen begeben. Ein Erlebnis, an das alle Zuschauenden von Zeit zu Zeit noch denken dürften.