Debatte

Wie war’s beim... "The Roast of" zur Bundestagswahl

Anna Castro Kösel

Es wurde gelacht, gejohlt, ausgebuht und diskutiert – beim "The Roast of" vom jungen Kollektiv "We talk Freiburg" ging es hoch her. Die fünf Freiburger Bundestagskandidierenden traten in der Talkshow gegeneinander an – einen Eklat gab es auch.

Unter den Stühlen der Kandidierenden sind kleine Feuerchen aufgebaut. Das "We talk Freiburg"-Team hat die Bühne des Jazzhaus zu einem Grill umdekoriert. Die 190 Plätze im Jazzhaus sind voll – die Veranstaltung ist ausverkauft. Auch von zu Hause kann man mitschauen und abstimmen. Zum Beispiel, welche Fragen besprochen werden sollen und welcher Kandidat am überzeugendsten war. Beim Livestream schauen mehr als 1200 Menschen zu.

Eskalation zu Beginn

Für erste Lacher sorgt die Einlaufmusik, die für jeden Kandidierenden ausgewählt wurde. So läuft Tobias Pflüger von den Linken zur russischen Nationalhymne ein, Claudia Raffelhüschen von der FDP zu "Money, Money" von Abba. Julia Söhne von der SPD bekommt den Song "Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten" von Marc-Uwe Kling verpasst, bei Matern von Marschall von der CDU ertönt Darth-Vader-Musik. Bei der Vorstellungsrunde kommt es zum Eklat: Der Name vom CDU-Bundestagsabgeordneten klinge "so schön nach Nazi-Erbe", so Moderator Jonathan Löffelbein. Es wird erst kurz still, dann folgen empörte Zwischenrufe – und von Marschall steht auf und protestiert: "Mich hier mit Nazis in Verbindung zu bringen, lasse ich nicht zu, dann müssen sie ohne mich klarkommen." Das Publikum und einige Kandidierenden applaudieren. Von Marschall setzt sich wieder. Der Moderator fährt mit seiner Vorstellung fort. Es dauert etwas, bis die Stimmung wieder lockerer wird – vor allem, nachdem Moderatorin Maya Rollberg Claudia Raffelhüschen mit ihrem "echt beschissenen Namen" vorstellt. Später entschuldigt sich das Veranstalter-Team für den Nazi-Kommentar mit dem Verweis auf das gewollt über Grenzen gehende "Roast"-Format.

Zu viele Themen für zu wenig Zeit

Weiter geht es mit diversen "Roast"- Formaten. So zum Beispiel, was die Kontrahenten bei ihren Mitbewerbern besonders peinlich fanden. Hier roasten auch die Kandierenden mal: Julia Söhne nennt das Cristiano-Ronaldo-T-Shirt von Claudia Raffelhüschen, mit dem sie die Initialen teilt: "Es liegt vor allem daran, dass ich Ronaldo nicht leiden kann", sagt die SPD- Kandidatin. "Nicht ganz passend" findet es Chantal Kopf, dass von Marschall oft nicht an Podiumsdiskussionen teilnehme. Raffelhüschen und von Marschall halten sich zurück: "Ich find die alle nett", sagt die Kandidatin der FDP. Besonders herausfordernd ist, dass die Kandidaten oft innerhalb von 30 oder 60 Sekunden eine Frage beantworten oder einen Satz vervollständigen müssen. Hier geht es dann oft hektisch zu: Komplexe Themen müssen in eine Minute gequetscht werden. Mietendeckel? Schwarze Null? Kohleausstieg? Die Rolle Deutschlands in der Welt? Tempolimit? CO2-Preis? Ist der Kandidat über der Zeit, wird gnadenlos mit einem lauten "Meh!" unterbrochen. Diskussionen können nur entstehen, wenn eine der Senftuben, die bereitliegen, eingelöst wird. Die Publikumsfrage, ob Nebeneinkünfte offengelegt werden müssen, wird besonders hitzig diskutiert: "Ich bin zufrieden damit, was wir im Bundestag beschlossen haben", so der CDU-Kandidat. Er begrüße es, dass nicht nur Politikerinnen und Politiker im Bundestag zugegen seien, sondern auch Menschen, die in ihrem Leben "schon etwas geschafft haben". Raffelhüschen ist für eine Offenlegung der Nebeneinkünfte. Kopf spricht sich für mehr Transparenz aus: "Die Bürgerinnen und Bürger müssen wissen, mit wem sich Abgeordnete treffen". Söhne und Pflüger kritisieren, dass die Einführung eines Lobbyregisters an der CDU gescheitert sei. Beim Online-Publikums Voting überzeugen am meisten Julia Söhne und Tobias Pflüger.

Ein emotionaler Diskussionsabend

Viel Lachen, sowie betretenes Schweigen: Beim "The Roast of" sind nicht nur die Kandidierenden gefordert. Hier fliegt Konfetti, dort wird unterbrochen: Langweilig war es beim Kandidatengrill nicht. Die Meinungen über den Abend decken die volle Bandbreite ab. Von empörten Kommentaren, wie "unterirdische Moderation" über "kontrovers", zu "gut, dass die Kandidierenden dazu gezwungen wurden, die Wahrheit zu sagen", ist alles dabei. Bemängelt wird jedoch, dass unter anderem das Klimathema zu kurz kam. Vielen Teilnehmenden ging der Nazi-Kommentar zu weit. Lucas Keller vom Orga-Team sieht das ähnlich. "Das war von uns nicht gut gemacht", sagt der 23- jährige Jura-Student, "ich hoffe, die Entschuldigung ist bei Herrn von Marshall angekommen". Gut sei gelaufen, dass der Livestream funktioniert habe. Schade finde er es auch, dass nicht alle Themen abgedeckt werden konnten. "Woran wir arbeiten müssen, ist Zeitmanagement", sagt Lucas. Auf Youtube kann die Veranstaltung nachgeguckt werden.