Fotoprojekt

Wie war’s beim … Shooting der "Kulturgesichter" mit Felix Groteloh?

Gina Kutkat

Denjenigen ein Gesicht geben, die es gerade schwer haben – das möchte das Fotoprojekt "Kulturgesichter 0761". Beim zweiten Shooting im Konzerthaus mit Felix Groteloh kam Speed-Date-Feeling auf.

Der erste Eindruck

Eintreten, Formular ausfüllen, Hände desinfizieren, zum Warten platznehmen. Kurz kommt man sich vor wie auf dem Amt, dann geht’s eine Etage höher im Freiburger Konzerthaus. Auf den Treppenstufen hört man schon das Klicken der Kamera und leise Gespräche. Hier, im Foyer, ist ein Fotoshooting des Freiburger Fotografen Felix Groteloh voll im Gange. Für die Aktion "Kulturgesichter 0761" fotografiert er den ganzen Tag lang Vertreterinnen und Vertreter der Kulturbranche. Und zwar im Fünf-Minuten-Takt. "Ich fühle mich wie beim Speeddating", sagt Groteloh.

Shooting und Shootinggebaren

Ein Check mit dem Ellenbogen, das ist in Zeiten von Corona die Begrüßung von Felix Groteloh. Und während er sein Gegenüber kurz mit Small Talk ablenkt, zückt er die Kamera und gibt seine Standard-Anweisung des Tages: "Du stehst da, ich steh hier. Maske bitte ab." Und während sich der oder die Fotografierte noch eine Pose überlegen will, ist das Bild meistens schon im Kasten. "Schneller Propeller", sagt der Fotograf dazu. Schnelligkeit war schon immer ein Markenzeichen von Groteloh, das zweite trägt er auf dem Kopf: "Gotcha" –"Hab’dich", steht auf seiner Cap.

Set-List

Schnell muss Felix Groteloh heute wirklich sein: 86 Vertreterinnen und Vertreter der Freiburger Kulturbranche haben sich für das Konzerthaus-Shooting angemeldet – deshalb gibt’s pro Shooting auch nur fünf Minuten. Die Kulturmenschen, die bei dem Projekt mitmachen, sind direkt oder indirekt von der Corona-Krise betroffen und möchten mit der Aktion ihre Gesichter zeigen. So wie DJ Jens Galler, dem sämtliche Auftrittsmöglichkeiten weggebrochen sind. "Mir geht’s gesundheitlich gut, aber innerlich ist das schon deprimierend. Weil niemand weiß, wann wir wieder eng in Clubs stehen werden."

Ob Musiker, Theaterschauspieler, ZMF-Projektmanagerin, Dragqueen Betty BBQ, Veranstaltungstechniker oder Konzertbooker: Das Fotoprojekt will spartenübergreifend arbeiten und auch die Menschen vor die Linse holen, die sonst eher hinter den Kulissen arbeiten. "Kulturgesichter 0761" wurde von Alexander Hässler und Felix Groteloh nach Freiburg geholt, um auf die Nöte der Kulturlandschaft aufmerksam zu machen. Damit sind sie Teil der bundesweiten Initiative "Ohne uns ist’s still".

Bei einem ersten Shooting am 11. November waren bereits dabei: DJ Rainer Trüby, Schauspieler Bernd Lafrenz, Kabarettist Jess Jochimsen, die Musikerin Stefanie Schirmer und das Barockorchester; Spielstätten, Messen, Macher von Jazz- und Vorderhaus, E-Werk, Stadttheater, Internationale Kulturbörse, IG Subkultur bis Multicore; Dienstleister wie der Kartenverkäufer Reservix, die Securityfirma Eloo oder Weißhaar Veranstaltungstechnik, Konzertagenturen wie Vaddi oder Karo, dazu Soloselbständige aus allen Feldern der Branche.

Die Plakataktion

"Wir wollen zeigen, wie viele wir sind", sagt Alexander Hässler, Booker und Projektleiter und bei Vaddi Concerts festangestellt. Seit Mai ist er zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Würde ein Konzert abgesagt, wisse der Großteils das Publikum gar nicht, wer alles dahintersteht: Vom Catering-Service über die Garderobendame bis hin zum Tontechniker oder der Stagehand. "Es sind so viele Menschen beteiligt, die jetzt alle keine oder wenig Arbeit haben." Mit der Aktion "Kulturgesichter 0761", die ihre Vorbilder in Mannheim oder Karlsruhe hat, soll ein Bewusstsein geschaffen werden.

Ab dem 18. Dezember werden in Freiburg 180 Plakate auf Litfaßsäulen zu sehen sein, die Druckkosten übernimmt die Oberle-Stiftung aus Staufen. Die Kulturgesichter werden außerdem auf Facebook und Instagram gepostet und geteilt.

Die Spende

Wer das ehrenamtliche Projekt mit einer Spende unterstützen will, kann das über die Kampagne bei BetterPlace.me tun.
Bester Dauerwitz

"Wir sehen uns an der Bar, wunderbar." Diesen Satz gibt’s zum Abschied und es ist zu spüren, wie sehr sich jeder nach diesem Szenario sehnt.

Was in Erinnerung bleibt

Das überraschte Lächeln der Fotografierten, wenn sie merken, dass sie es schon geschafft haben. Und der unermüdlich arbeitende und quatschende Felix Groteloh.

Mehr zum Thema: