Musik

Wie war’s beim… Konzert von Svavar Knutur im Alten Klavierdepot?

Lucia Bramert

Der Isländer Svavar Knutur verzaubert das Publikum mit Worten und Musik: Berührende Akustiksongs treffen auf absurd witzige Geschichten über das Leben auf Island, kulturelle Differenzen und Sprachphilosophie.

Die Location

Es ist das erste Konzert nach einer langen Pause für die Veranstalter des Kulturaggregats und Kommode 1. Spontan verlegt ins Alte Klavierdepot, hätte es keinen besseren Ort für das Konzert von Svavar Knutur geben können. Kurz vor Beginn haben sich am Eingang kleine Grüppchen gebildet, die sich leise unterhalten. Was sie heute Abend wohl erwarten wird? Es dämmert – Zeit reinzugehen. Der Veranstaltungsraum wirkt wie eine Mischung aus Weinkeller und Wohnzimmer. Mehrere Klaviere stehen dort, auf den bunt verteilten Stühlen liegen Decken und Kissen, ein rot-goldener Vorhang markiert die Bühne. Einige Kerzen verbreiten gemütliches Licht.

Das Publikum

Die Stühle sind fast voll besetzt, als Svavar Knutur mit ein paar Minuten Verspätung die Bühne betritt. "I think I know half of you", freut sich der Sänger und lacht. Einige sind tatsächlich angereist, um den Isländer, der bekannt ist für seine treue Fangemeinde, nochmal live zu erleben. Aber auch andere Neugierige aller Altersklassen sind gekommen, um sich von ihm verzaubern zu lassen.

Der Sound

Svavar Knuturs Stimme geht direkt ins Herz. Klare, harmonische Töne gepaart mit oftmals zarten, gezupften Gitarrenmelodien transportieren bei jedem Song unglaublich viel Gefühl. Isländische und englischsprachige Texte wechseln sich ab, sogar ein deutsches und ein französisches Lied sind dabei. Mit seinen Texten und Melodien zeichnet Svavar Knutur Bilder im Kopf. Vor jedem Stück erklärt er, worum es geht und oftmals wie es entstanden ist. Bei zwei Songs fordert er zum Mitsingen auf – für ein Gefühl von Verbundenheit, wie er sagt. Das funktioniert: Man wird Teil eines spontanen, aber dennoch melodisch klingenden Chors, der den ganzen Raum erfüllt. Einer der Höhepunkte des Abends ist, als der Sänger eine gute Freundin, Helena Kästner, auf die Bühne bittet und die beiden gemeinsam zwei Duette singen. Gänsehaut pur!

Das Besondere

Zwischen den Songs erzählt Svavar Knutur immer wieder kleine Geschichten und teilt seine Gedanken. Er spricht vom Leben auf Island und kulturellen Differenzen, von Freundschaft und Hoffnung, von Wortneuschöpfungen und vom Räuber Hotzenplotz (seinem Lieblingskinderbuch). Svavar Knutur ist unglaublich witzig, bringt das Publikum mindestens genauso oft zum Lachen wie sich selbst. Das tut richtig gut, um sich von den emotionalen Songs zu erholen. Dabei sprudeln die Worte oft nur so aus ihm raus. Und das Publikum hängt an seinen Lippen, gespannt, womit er sie als nächstes mitreißen wird.

Gegen Ende wird es nochmal fetziger mit vollen, lauten Gitarrenakkorden. Wippende Füße, Hände und Köpfe zeigen, dass sie Lust haben aufzustehen und zu tanzen. Seinen letzten Song spielt Svavar Knutur auf der Ukulele, die Zugabe auf einem der herumstehenden Klaviere. Dann ist das Spektakel vorbei und Svavar Knutur verabschiedet sich mit einem sympathischen, isländischen "Prost" in die Runde – nichtwissend, was er da gerade für einen faszinierenden, bewegenden Auftritt hingelegt hat.

Das Fazit

Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sich das anfühlt, ein Konzert von Svavar Knutur mitzuerleben. Seine Musik ist berührend und mitreißend, er selbst authentisch, sympathisch und unglaublich witzig. Die besondere Mischung aus Musik und Entertainment machen seinen Auftritt im Alten Klavierdepot zu einem absoluten Highlight und mehr als gelungenen Auftakt für das Konzertprogramm des Kulturaggregats.