Kritik

Wie war’s beim... Konzert von Das Blanke Extrem im E-Werk?

Martha Martin-Humpert

Die Freiburger Band das Blanke Extrem spielte am Samstag im Rahmen der Cordiale ein ausverkauftes Konzert im E-Werk. fudder-Autorin Martha Martin-Humpert war dabei und freute sich über die "Katharsis durch Krach".

Endlich wieder Lärm! In der letzten Zeit hatte sich eine bedenkliche Stille über Freiburgs Musiklandschaft gelegt, denn Clubbetreiber und Konzertveranstalter leiden besonders unter dem Corona-Auflagen. Da leuchtet das Konzert der Freiburger Deutsch Punk Band im E-Werk wie ein Hoffnungsschimmer am Horizont.


Die Atmosphäre

Sitzkonzert, das klingt nach Fernsehgarten oder klassischer Musik, auf jeden Fall nicht nach Pogo und Party. Doch egal, im Moment geht eben auch beim Post-Punk nicht der Punk ab und man merkt dem einströmenden Publikum – mehrheitlich jung und unaufgeregt lässig im Alternative Chic - eine gewisse Dankbarkeit an, dass es überhaupt mal wieder möglich ist, sich abseits der heimischen Anlage beschallen zu lassen. Für den heutigen Termin ist auch ein Videodreh angesetzt, weswegen gruselige Gestalten mit biederen Anzügen und großen kahlen Pappmaschee-Köpfen an den Wartenden entlangstreifen. Der Plebs hat Bock und platziert sich mit biergewärmten Gesichtern auf den Rängen. Heiteres Tuscheln, viele freundschaftliche Begrüßungen und allgemeine Ausgelassenheit.

Die Optik

Sobald man von hinten aufsteigend das obere Ende der Tribüne erreicht, bietet sich ein weiter Blick über den Saal. In Grüppchen oder allein sitzen Menschen in den Stuhlreihen, die Abstandsregeln sorgen dafür, dass man ausreichend Beinfreiheit hat. Die Bühne macht einiges her und auch die Band zeigt sich humble anhand der professionellen Anlage und der guten Lichttechnik, die perfekt aufeinander abgestimmte Farbspiele in den Nebel wirft. Die große Fläche lässt den vier Musikern genug Platz, um sich auszutoben und sich richtig ins Zeug zu legen.

Vor der Bühne

Schon bei den ersten Songs strömen immer mehr Menschen vor die Bühne, um sich, natürlich mit Maske und gebührendem Abstand, im Klang zu baden. "Tanzen ist heute haram" hat Mitorganisator Cezar Gholam gleich in der Begrüßungsansprache scherzhaft betont, zum Glück bleibt sanftes Schunkeln am Platz erlaubt. Gelegentlich wird daraus sogar virtuoses Wippen. Aber so viel Spaß muss sein, der bassbegründete Bewegungsdrang ist nach Monaten der akustischen Abstinenz nur nachvollziehbar. Für so manchen aus dem Publikum scheint das auch nicht das erste "Extremerlebnis" zu sein, denn einige tragen bereits Fanshirts der Band.

Der Sound

Los geht’s mit einer Radioansprache vom Band zum Tag der deutschen Einheit, die großköpfige Gestalt vom Eingang fungiert als Nachrichtensprecher. Zu Talkshow-Einlassgedudel hüpfen die vier Jungs im Anschluss auf die Bühne und schmettern gut gelaunt gitarrenlastig ihre Lieder in den Raum. Sänger David ist im positivsten Sinne sprunghaft und kratzt die Texte mit heiserer Härte ins Mikro, unterstützt von rauen Vokalbeisteuerungen durch den Bassisten und Gitarristen. Der Schlagzeuger drischt derart energiegeladen auf sein Werkzeug ein, dass ihm in den Ansagen fast der Atem ausgeht.

Das geht gut nach vorne, dem Publikum fällt es sichtlich schwer, sich nicht an die vorgegeben Tanzbeschränkungen zu halten. Die Texte klopfen krachend an die Behäbigkeit des Alltags und bewegen sich zwischen Kritik an der Freiburger Stadtentwicklung, dem Widerstand gegen rechte Tendenzen und Strömungen und der oberflächlichen Zufriedenheit der Wohlstandsgesellschaft. Denn wenn man genauer hinschaut ist eben nicht - wie ihr Albumtitel ironisch verspricht -"Alles in schönster Ordnung".

Fazit

Katharsis durch Krach tut gerade in schwierigen Zeiten gut und funktioniert auch mit ein paar Einschränkungen. Live Streams sind zwar als notwendige Zwischenlösung sinnvoll, doch erst der direkte Kontakt von Mensch, Musik und Masse macht das Konzerterlebnis aus. Das E-Werk und "Das blanke Extrem" haben an diesem Abend bewiesen, dass das trotz Coronabeschränkungen möglich ist. Gerne mehr davon!

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