Protokoll

Wie war’s beim … Impfen im Impfzentrum auf der Messe Freiburg?

Marcia Hapig

Wie läuft das mit dem Impfen an der Messe Freiburg? Muss man mit Wartezeiten rechnen und wie sind die Nebenwirkungen danach? fudder-Mitarbeiterin Marcia Hapig ist impfberechtigt und hat einen Termin bekommen. Ein Bericht.

Dieser Text ist vor der Nachricht entstanden, dass Deutschland die Impfungen mit Astrazeneca aussetzt. Weil es unserer Autorin gut geht, es in dem Artikel vorrangig um die Erfahrungen im Impfzentrum und die dort vorherrschende Atmosphäre geht, haben wir uns entschlossen, ihn trotzdem zu veröffentlichen.

Nach dem Piks

Kurz und schmerzlos – jedenfalls fast, mein linker Oberarm zwickt und kribbelt noch. Ich sitze im "Beobachtungsbereich" des Corona-Impfzentrums, Neuer Messplatz 1, Freiburg. Die letzte Station. 15 Minuten warten unter medizinischer Aufsicht, ob nach der Impfung akute Reaktionen auftreten. Rechts an der Wand zeigen die riesigen roten Ziffern einer Funkuhr die Uhrzeit und damit die verbleibende Wartezeit an. Alle hier aufgestellten Stühle sind exakt anderthalb Meter voneinander entfernt, im Hintergrund läuft Musik und es gibt Kaffee. Flughafenähnlich; unpersönlich, aber doch entspannt.

Der erste Eindruck

Genauso würde ich den ganzen Impfbetrieb in den Freiburger Messehallen, der seit Wochen auf Hochtouren läuft, beschreiben. Mehr als 1000 Menschen werden hier pro Tag gegen COVID-19 immunisiert. Obwohl der Begriff "durchschleusen" negativ behaftet sein mag, zeichnet sich das Freiburger Impfzentrum meiner Meinung nach genau durch diese Vorgehensweise aus – ich bin positiv überrascht. Kaum eine Minute Stillstand, nach einer guten halben Stunde ist das ganze Prozedere abgehakt. Einlassbereich, Registrierung, Wartebereich, Impfbereich, Beobachtungsbereich. Systematisch, geordnet, routiniert. Es gibt kein Gedränge und keine Ungeduld, die "Impfscouts" sind freundlich und hilfsbereit. Nichts macht den Anschein, als gebe es Stress oder Sorge in irgendeiner Form.

Stimmung und Atmosphäre

Ich hatte mich auf lange Wartezeiten und Papierchaos eingestellt, ein Buch und viel Zeit mitgebracht, aber kaum dass ich mich in die Schlange vor dem Hauptgebäude einreihe, bin ich gefühlt auch schon wieder draußen. Alles in Bewegung, von Station zu Station, die Termine werden im wahrsten Sinne des Wortes abgearbeitet. Trotzdem bleibt dabei genug Zeit für eine kurze, eingehende Anamnese, ein nettes Gespräch mit dem zuständigen Arzt und für verbleibende Fragen. Eine lockere Atmosphäre, aufgeteilt auf 20 Impfkabinen.

Seit dem 27. Dezember 2020 wird an der Messe geimpft, die Stimmung heute ist optimistisch, wer aus den Messehallen tritt, wirkt sichtlich entspannt und erleichtert. Einen Termin zu bekommen ist weit mehr Aufwand als hier einmal alle Stationen zu durchlaufen. Ich zähle aufgrund meiner derzeitigen Tätigkeit als Sozialpädagogin zu den Impfberechtigten.
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Draußen vor der Tür

Vor dem Gebäude unterhalte ich mich mit drei ebenfalls frisch Geimpften, die die AstraZeneca-Impfung sogar als vergleichsweise angenehm empfunden haben. Als "historischen Moment" - sie schlagen mir vor, meinen Artikel "ein kleiner Piks für mich, aber ein großer Schritt für die Menschheit" zu nennen, wenn auch nicht ganz ernsthaft.
Wir überlegen, wie lange es wohl dauert, bis die bereits bekannten Nebenwirkungen von AstraZeneca einsetzen könnten und wünschen uns gegenseitig Glück, möglichst wenig davon mitzunehmen. Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost – warten auf etwas, was man eigentlich nicht bekommen will.

Der Tag nach der Impfung

Wüsste ich es nicht besser, könnte man nach dem Aufwachen am nächsten Morgen direkt meinen, nicht bei einem Impftermin, sondern einer guten Party gewesen zu sein – eigentlich keine schlechte Vorstellung. Über Nacht spontan um 30 Jahre gealtert. Die Prognose der um zwölf Stunden verzögert einsetzenden Nebenwirkungen kommt bei mir ziemlich genau hin, heißt, ich verschlafe die ersten Stunden Fieber und Kopfschmerzen. Die Paracetamol-Packung auf meinem Nachttisch bleibt bis auf eine Tablette irgendwann gegen 5Uhr morgens unangerührt.

Bei Nebenwirkung fragen Sie Ihren Arzt...

Das Paul-Ehrlich-Institut beziffert die Häufigkeit der auftretenden Nebenwirkungen des COVID-19-Impfstoffes AstraZeneca wie folgt: in klinischen Prüfungen berichteten mehr als 60 Prozent aller Geimpften anschließend über Schmerzen an der Injektionsstelle, mehr als 50 Prozent litten an Kopfschmerzen und Ermüdung, Muskelschmerzen und Krankheitsgefühle traten bei über 40 Prozent auf. Ich reihe mich bei Kopf- und Muskelschmerzen, wie auch Ermüdung ein und zähle noch Gelenkschmerzen dazu.

Eine gute Freundin erkundigt sich morgens, ob ich schon am "schüttelfrosten" sei, aber nein, tatsächlich scheine ich ein Positivbeispiel, zumindest bezüglich der ernsteren Nebenwirkungen zu sein. Nicht topfit, aber auch nicht sterbensschlecht – nur die Kopfschmerzen halten sich hartnäckig. Nach den Erzählungen und Erfahrungen von Freunden und Bekannten hatte ich Schlimmeres erwartet. Ein Tag hauptsächlich im Bett zu verbringen, wenn es draußen stürmt und nachmittags anfängt zu regnen, ist eindeutig erträglich. Erträglicher jedenfalls, als an COVID-19 zu erkranken.



Fazit

Schon allein die Tatsache, dass ich den sonst gewohnten Sport heute nicht vermisse und alles lieber ruhig und sehr langsam angehe, ist wahrscheinlich meine Art "krank zu sein". Zusammengefasst bin ich gut durch die zwei Tage gekommen und erleichtert, dass alles fast reibungslos abgelaufen ist. Sowohl der Impftermin selbst, als auch der Tag danach. Ich hoffe, dass die Impfzahlen bald noch deutlich schneller steigen, sodass Kopfschmerzen irgendwann tatsächlich wieder Folgen einer richtigen Party, mit Freunden und Freiheit, sind. Meiner Meinung nach gibt es zur Corona-Schutzimpfung keine Alternative.

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