Gleichberechtigung

Wie war’s beim … Frauenstreik zum Weltfrauentag?

Alisa Lang

An dem Tag steht die Gleichberechtigung im Vordergrund: der 8. März. In Freiburg haben trotz Coronavirus bis zu 3000 Frauen, Männer und Queers für Frauenrechte demonstriert. Der Frauenstreik fand erst zum zweiten Mal statt.

Der Anlass

Am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag, kämpfen Frauen weltweit für Gleichberechtigung. Neben der alljährlichen Demonstration stand dieses Jahr vor allem der Frauenstreik, den es in dieser Form zum zweiten Mal gab, im Fokus. fudder traf sich mit der 28-jährigen Politikwissenschaftsstudentin Maria Eitel vom Organisationsteam Feministischer und Frauenstreik Freiburg, um über den Tag zu sprechen.

Die Organisatorinnen

Der Frauen*streik ist eine FLINT-Organisation, das heißt, er wurde von Frauen, Lesben, Intersexuellen, Non-binary und Transmenschen auf die Beine gestellt. Dazu hat man sich immer am 8. eines Monats in der Basler Straße 8 getroffen. Auf die Frage, was der politische Grundkonsens der Gruppe sei, erklärt Maria, dass sich die Organisatorinnen des Frauen*streiks geschlossen gegen jede Form von Diskriminierung gegenüber Frauen* und Queers stelle. Dabei gebe es die unterschiedlichsten theoretischen und praktischen Schwerpunkten, die allerdings nicht zu hitzigen Debatten führten, sondern sich sogar eher ergänzen. Abgesehen von der politischen Ausrichtung sind die Organisatorinnen auch im alltäglichen Leben in unterschiedlichen Bereichen tätig.

Das Konzept

Dass der 8. März auf einen Sonntag fällt, hindert die Frauen nicht am Streiken, sondern verdeutlicht, dass Ungleichheit und Diskriminierung auch am Sonntag keine Pause machen: Durch das Motto des Streiks "Wir streiken auch sonntags – because we care!" wird ein spezieller Fokus auf die Care-Arbeit gelegt. Auch sonntags leisten Frauen und Queers weltweit Arbeit, ob als Pflegekraft im Krankenhaus oder beim Hausaufgaben machen mit den Kindern. "Arbeitsfelder, die eher dem weiblichen Tätigkeitsbereich zugeschrieben werden, werden immer noch nicht entsprechend geschätzt oder bezahlt", erklärt Maria. Die Idee, einen Tag lang "die Arbeit niederzulegen", soll in erster Linie sichtbar machen, wo die (oft ungesehene) Arbeit von Frauen stattfindet und wie elementar sie ist.


Eine zentrale Forderung ist es, sagt Maria, eine gerechte Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern zu schaffen und der Doppelbelastung von Frauen ein Ende zu setzen. Von schlechten Bedingungen am Arbeitsplatz bis zu sexistischen Strukturen in der Kleinfamilie – der Streik soll Ungleichheitsdimensionen einerseits sichtbar machen und andererseits zeigen: "Uns reicht’s!".

Das Besondere

Mit der Aktion "Es ist 5 vor 12!" sollte genau darauf hingewiesen werden. Eine Gruppe fand sich zum kollektiven Sitzstreik im Bermudadreieck zusammen. Um 11.55 Uhr haben sich Frauen dort versammelt. Dazu wurde über Flyer sowie den Internetauftritt der Organisation hingewiesen. Im Jos Fritz (all genders) und im Strandcafé (ausschließlich Frauen und Queers) haben sich Interessierte außerdem ab 10 Uhr morgens ausgetauscht. "Keine mehr!"

Symbolisch wurde der Augustinerplatz um 13 Uhr in den "Ni una menos!"-Platz umbenannt, um auf Femi(ni)zide aufmerksam zu machen und Opfern zu gedenken. Um 15 Uhr haben sich Frauen und Queers zu der aus Chile stammenden Performance "Un Violador en tu Camino" (deutsch: Ein Vergewaltiger auf deinem Weg) am Hauptbahnhof versammelt. Diese Aktion wurde als explizite FLINT-Aktion geplant, um die betroffenen Personen in den Vordergrund zu rücken. Cis-Männer konnten sich vor allem in Form von Hintergrundtätigkeiten engagieren und beispielsweise durch Unterstützung bei der Kinderbetreuung solidarisch zeigen.

Der Abschluss

Ab 16 Uhr wurde sich am Stühlinger Kirchplatz zur Demonstration eingefunden, zu der nicht nur vom Feministischen und Frauen*streik, sondern in Form eines Aktionsbündnisses von vielen weiteren Gruppen aufgerufen wurde. Beispielhaft sind der kurdische Frauenrat Freiburg, die Feministische Linke Freiburg und Pro Familia Freiburg zu nennen. Der Demonstrationszug endete an der Johanneskirche.
"Es war stark zu sehen, wie energiegeladen und kraftvoll wir waren!" Maria Eitel, Feministischer und Frauen*streik Freiburg
Zu Beginn der Demo, um 16 Uhr, hat ein einminütiger "globaler Aufschrei" stattgefunden, bei dem Frauen und Queers, egal von wo, alle Wut und Kraft in die Welt hinausrufen sollten. Maria erklärt, dass sich die Frauen und Queers über die gegenüber zum letzten Jahr gesteigerte Teilnahme sehr gefreut haben. Das Gefühl gemeinsam etwas bewegen zu können, habe den Tag zu einem Erfolg gemacht. Das Ziel und die Hoffnung, sei es nun, den Druck von der Straße mit in die Politik zu nehmen.
Info: Wer Interesse hat, sich an Aktionen des Feministischen und Frauen*streik Freiburgs zu beteiligen, kann zu den für FLINT-Personen offenen Plena am jeweils 8. eines Monats um 19 Uhr in der Basler Straße 8 kommen.