Wie war’s beim... Film "Freedom fields" im Kommunalen Kino?

Eyüp Ertan

Frauen, Fußball und Freiheitskämpfe: Unter diesem Motto hatten die Frauenrechtsorganisation Amica und die "Supporters Crew" zu einem Gespräch mit Filmvorführung ins Kommunale Kino eingeladen. Es war ein spannender, informativer Abend.

Die Gesprächsrunde

"Ich denk’", ihr versteht alle Badisch." Birgit Bauer, Managerin der Frauenabteilung des SC Freiburg, hatte früh am Abend ein paar Lacher auf ihrer Seite – und sorgte schnell dafür, dass die Gesprächsrunde Fahrt aufnehmen konnte. Auf ihren Gleichberechtigungskampf in Freiburg angesprochen, sagte die SC-Managerin: "Wir in Deutschland sind privilegiert." Auch speziell die Rahmenbedingungen beim SC Freiburg seien einfacher gewesen, als an anderen Standorten, doch auch sie betonte: Einfach war es nicht. Ihre Sitznachbarin, Sportwissenschaftlerin Petra Gieß-Stüber, verwies darauf, dass der öffentliche Raum für Mädchen und Frauen gesellschaftlich betrachtet, begrenzt sei: "Jungs können vor die Tür und Fußball spielen, bei Mädchen sieht das anders aus", sagte sie.

Auch mit Blick auf die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland sagte sie: "Immer wieder wurden Frauen mit fadenscheinigen Gründen zurückgedrängt. Auch heute sind viele Vereine ausgelastet und kommen bei den Ressourcen für Mädchen und Frauen immer wieder an ihre Grenzen." Sylvia Rombach, Referentin für Libyen der Frauenrechtsorganisation Amica, sagte, dass der "Frauenfußball ein Symbol dafür ist, gegen welche Windmühlen Frauen weiterhin ankämpfen müssen." Sie hob ebenso wie Petra Gieß-Stüber hervor, dass es Persönlichkeiten geben müsse, die Impulse setzen und vorangehen.

"In Teheran spielen sie Fußball, in Afghanistan spielen sie Fußball, sogar in Saudi-Arabien spielen sie Fußball – nur wir dürfen nicht." Hamila

Der Film

Als "beeindruckender Dokumentarfilm" wurde "Freedom fields" vorab angepriesen – er sollte dieses Versprechen halten. Prägende Gestalt des Films war unter anderem Fadwa El-Bahi, Kapitänin des libyschen Fußballteams, welches nach Ausbruch der libyschen Revolution über einen Zeitraum von fünf Jahren begleitet wurde. Immer wieder reflektierte sie die Situation ihres Teams, damit einhergehend aber auch die Situation von Frauen in ganz Libyen. "Wir sind wie ein Samen. Aber wenn sie uns nicht pflegen, wird nichts aus diesem Samen", sagte sie bei einer Sitzung mit Verbandsoffiziellen, die öffentlichem Druck nachgegeben und eine Turnierteilnahme wegen fadenscheiniger Begründung untersagt hatten.

Ihre Freundin Hamila, Torhüterin des Teams, war ebenso prägende Protagonistin des Films: "In Teheran spielen sie Fußball, in Afghanistan spielen sie Fußball, sogar in Saudi-Arabien spielen sie Fußball – nur wir dürfen nicht", sagte sie bei einer Autofahrt. Szenen wie diese verdeutlichten die – zurückhaltend formuliert – frustrierende Situation libyscher Frauen in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen eines Landes, in dem seit Jahren bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen – Frauen, die mehr wollen, als lediglich erwachsen zu werden, um dann zu heiraten. Doch der Film bot auch schöne Szene, die immer wieder Lachen im Publikum hervorriefen: So etwa, als Fadwa von ihrer Geschäftsreise in die USA erzählt: "Die Menschen dort gehen im Schlafanzug in den Supermarkt und niemand schaut sie dafür komisch an."

Das Publikum

Die Verbindung der Themengebiete Frauenrechte und Fußball sorgte dafür, dass sich ein bunt gemischtes Publikum einfand, über 60 Leute fanden sich für das Werkstattgespräch ein, über 100 füllten den Kinosaal. Unter ihnen auch Volker Finke, langjähriger Trainer des SC Freiburg, der den Weg ins Kommunale Kino fand. Auch nach der Filmvorstellung bildeten sich Grüppchen, in denen man sich über den Film austauschte. Das von den Organisatorinnen – Amica und Supporters Crew hatten den Abend mit dem Kommunalen Kino auf die Beine gestellt – offen formulierte Ziel, beide Gruppe zu verbinden, war also aufgegangen.

Überraschungsmoment

Dass der Film mit deutschem Untertitel gezeigt werden konnte, ist insbesondere der Supporters Crew zu verdanken. Fünf Mitglieder des Interessenverbandes verschiedener SC-Fans hatten sich an mehreren Nachmittagen (und in einer Nachtschicht) zusammengefunden, um die Kosten – "mehrere tausend Euro", so Helen Breit von der Supporters Crew – einzusparen. Die vorab ausgesprochene Entschuldigung, die Untertitel könnten an manchen Stellen nicht perfekt passen, stellten sich im Nachhinein als überflüssig heraus: Die Übersetzerinnen und Übersetzer hatten sehr gute Arbeit geleistet, sodass der Film mühelos verstanden wurde.

Fazit

Die Stimmung trübte ein wenig, dass das Werkstattgespräch nur knapp 40 Minuten dauerte – die Konstellation der drei Expertinnen hätte gerne ein längeres Gespräch vertragen. Alles in allem aber hatten die Organisatorinnen einen sowohl spannenden als auch informativen Abend auf die Beine gestellt – am Ende sagten sowohl Amica als auch die Supporters Crew über etwaige gemeinsame Zukunftsprojekte: "Gerne wieder."

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