Auftakt

Wie war’s beim … ersten Profi-Fußballspiel in Freiburg vor Publikum?

Johannes Breuninger

Gleich zwei Premieren auf einmal: Am Montagabend spielte der SC Freiburg II zum ersten Mal in der dritten Liga, zugleich fand im Dreisamstadion das erste Profispiel vor Publikum statt. Johannes Breuninger war dabei.

Am Montagabend fand im Dreisamstadion der erste Spieltag der neuen Saison der dritten Liga statt. SC Freiburg II empfing den SV Wehen Wiesbaden. Dies war zugleich die Premiere der zweiten Mannschaft des SC in dieser Spielklasse und das erste Profispiel in Freiburg seit Oktober letzten Jahres, bei dem Zuschauer ins Stadion durften. fudder-Autor Johannes Breuninger war einer der 4000 Glücklichen, die diesem Spektakel bei strahlendem Sonnenschein bewohnen durften.

Der erste Eindruck

Es waren nur eine Handvoll mitgereiste Wehener, die sich um 17 Uhr an der Haltestelle Schwabentor umschauten und schließlich feststellten, dass die 1 die richtige Linie ist, um sie zum Dreisamstadion zu bringen. Ihre selbstgemachten Fanpullis und Schals offenbarten dabei ihren Status aus Auswärtsfans. Diese wenigen aber reichten, um in der Stadt das zu versprühen, was seit letzten Oktober nicht mehr da war. Denn der Anblick der Schlachtenbummler, derjenigen die für ihren Verein die Reise zu Auswärtsspielen auf sich nehmen, gehört fest zum Inventar der elektrisierenden Atmosphäre, die einen Spieltag in einer Stadt ausmacht.

Vom Möslestadion ins Dreisamstadion

Die dritte Liga ist für die U23 des SC Freiburg in Abenteuer. Zum ersten Mal verlässt die zweite Mannschaft des Vereins die Regionalliga Südwest nach oben und misst sich auf einmal bundesweit mit Gegnern wie Kaiserslautern, 1860 München oder Eintracht Braunschweig. Der Aufstieg in die dritte Liga ging für das Team des neuen Trainers Frank Stamm auch mit einem Umzug einher. Anstatt im Möslestadion spielt die Mannschaft nun im altehrwürdigen Dreisamstadion.

Dies ist kurios, wenn man bedenkt, dass in der Fanszene des SC die Sorge besteht, dass sich wegen des Umzugs der ersten Mannschaft ins neue Stadion kein richtiger Abschied vom Dreisamstadion ergeben könnte. Nun aber spielt hier die Zweite. Immerhin die Kulisse hat sich damit schon mal höherklassig bewährt. Nun ist es an der Mannschaft, dies ihrer Spielstätte auch sportlich gleichzutun.

Das Spiel

Die jungen Freiburger machten es zum Auftakt gegen drittligaerprobte Wehener, die ganz in grauen Trikots aufliefen, nicht schlecht. Auch wenn in der ersten halben Stunde mit der Offensive nicht recht klappen wollte, so war der SC erfolgreich darin, gegen das Anlaufen der Hessen nicht der Verlegenheit eines langen Balles nach vorne zu erliegen, sondern eine spielerische Lösung für den Druck des Gegners zu finden. An diesem Bemühen war selbst Torwart Noah Atubolu eingebunden, der einmal so risikoreich wie gekonnt seinen Pass als letzter Mann über den anlaufenden Wehener Stürmer lupfte. Die Fans reagierten mit Beifall.

Die Atmosphäre

Überhaupt war überraschend viel von der Stimmung zu spüren, die ein Fußballspiel im Stadion auszeichnet. Das ohnehin gutmütige Freiburger Publikum, unter das sich auch SC-Trainer Christian Streich gemischt hatte, legte für die nächste Generation der Eigengewächse des SC noch einmal mehr Wohlwollen an den Tag. Es bedachte jede Aktion, der man als Zuschauer etwas abgewinnen konnte, mit einem warmen Applaus.

Besonders kurz vor der Halbzeit brachte Guillaume Furrer die Fans zum Raunen, als er bei einem Konter zunächst einen Wehener Verteidiger an der Torauslinie mit einem Beinschuss ausspielte, aber dann etwas zu ambitioniert den Abschluss suchte und dabei seinen Schuss verzog. Die Freude des Dreisamstadions über diese Aktion zeigte aber, dass es sich einen seiner Markenkerne erhalten hatte.

Die Kulisse

Zudem fand das Spiel in einer Größe statt, wie es für die Fußball in Freiburg unüblich ist: Die 4000 Fans reichen zwar bei weitem nicht für eine volle Auslastung der 24.000 Plätze. Für die zweite Mannschaft, deren Zuschauerschnitt in den letzten Saisons zwischen 300 und 500 schwankte, war diese Anzahl abstandhaltender Fans jedoch eine außergewöhnliche Kulisse, zumal man das Stadion unter den gegenwärtigen Bedingungen sogar als ausverkauft bezeichnen konnte. Vereinzelt wehte der Duft einer Stadionwurst oder Zigarette durch das Rund. Die Mischung aus Nostalgie um das alte Stadion, die Lust auf die neue Liga und der monatewährende Entzug von Live-Fußball haben ein neues Setting kreiert, um sich im Freiburger Osten der schönsten Nebensache der Welt zu widmen. Und selbst die Gesänge der Nordtribüne waren laut genug, um im Stadion zu hallen, wenn auch doch zu leise, um die Gespräche mit der einen Begleitperson, die einem jeden Fan zugestanden wurde, nicht zu unterbrechen.

Das Drumherum

Aber nicht nur die Gesänge schafften dies nicht, sondern auch ein anderer heilsamer Effekt ging mit der Tatsache einher, dass wir keinen Bundesligafußball sehen. Während zwar die Zahl der Zuschauer für die Zweite in die Tausenden ging, so war das Rahmenprogramm noch auf die wenigen Hunderte ausgelegt. Das bedeutete, dass vieles fehlte, was sonst als notwendige Ablenkung des Erlebnis Profifußball in Kauf genommen werden muss. Erst bei der zweiten Ecke bemerkte ich, dass kein Sponsor das Eckenverhältnis präsentiert. Auch die Bandenwerbung war nicht digital überfrachtet, sondern verkündete statisch ihre Botschaft und während der Halbzeit ertönte nur einmal Sweet Caroline von DJ Ötzi. Meine Augen ruhten auf dem Spielfeld, im besten Sinne des Wortes. SC Freiburg II in der dritten Liga verspricht – um ein Modewort zu verwenden – ein Detox-Erlebnis für Fußballfans zu werden.

Während sich im Hintergrund des Blickes auf das Spielfeld auch weiterhin der Schwarzwald malerisch auftat, kamen die Hessen besser aus der Halbzeitpause zurück. Sie waren während der zweiten Hälfte die etwas drückendere Mannschaft. Emanuel Taffertshofer und Gustaf Nilsson trafen für die Hessen zweimal in kurzer Zeit Aluminium. Aber auch die jungen Freiburger sorgten immer wieder für Gefahr. Insbesondere der eingewechselte Raphael Assibey-Mensah stellte mit seiner Schnelligkeit und seiner technischen Finesse die Wehener Verteidiger immer wieder vor Probleme und kam zu mehreren Abschlüssen. Von denen war aber keiner zwingend genug, um Florian Stirtzel im Tor der Gäste zu überwinden. So blieb es nach 90 Minuten bei einem 0:0, was im ersten Spiel den ersten Punkt des Freiburger Abenteuers in der dritten Liga bedeutete. Das Publikum würdigte dies mit Standing Ovation.

Dieses Abenteuer geht für die Freiburger nächsten Samstag um 14 Uhr in Magdeburg weiter, die in ihrem ersten Spiel Waldhof Mannheim auswärts mit 0:2 besiegt haben, ehe dann am 13. August mit Borussia Dortmund II die andere Zweitvertretung der dritten Liga im Dreisamstadion zu Gast ist. Gut möglich, dass sich wieder 4.000 Freiburger finden werden, die sich dieses Spiel anschauen wollen. Das Spiel gestern lieferte hierfür mehr als genug gute Gründe.

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