Nachbericht

Wie war’s beim… chinesischen Neujahrsfest an der Uni Freiburg?

Alexander Schneider

Seit 2011 veranstaltet die Uni Freiburg zusammen mit anderen Gruppen ein Fest zum chinesischen Neujahr. Dieses Jahr gab es ein chinesisches Menü in der Mensa und Bühnenauftritte im Paulussaal. fudder-Autor Alexander Schneider war dabei.

Der erste Eindruck

In der Mensa wurden von 17.30 Uhr bis 19 Uhr drei chinesische Menüs angeboten, die von chinesischen Studierenden zusammen mit den Mensaköchen zubereitet worden sind. Um 18 Uhr ging die Schlange vor der Mensa bis zur angrenzenden Straße und man musste 20 Minuten warten, bis man sein Essen bekam.

Das Essen

Es gab drei Gerichte mit jeweils den gleichen Beilagen: Kartoffeln mit Paprika, Reis und chinesische Teigtaschen. Die Menüs unterschieden sich darin, ob man Hühnchen, Schwein oder Tofu dazu mochte. Wie Shaoqi Chen, ein chinesischer Student, vorab sagte: "Beim Essen könnt ihr uns vertrauen." Ja kann man – nichts Extravagantes aber die chinesischstämmigen Geschmacksknospen wurden befriedigt.

Das Fest

Zu Ehren des chinesischen Neujahrsfest veranstaltet das Studierendenwerk seit 2011 in Kooperation mit dem Verband der chinesischen Wissenschaftler und Studenten e.V. (VCWS), dem Internationalen Club des Studierendenwerks Freiburg, dem Konfuzius-Institut an der Universität Freiburg, dem Chinesischen Kulturverein e.V. und dem International Office der Universität Freiburg eine Fete um den chinesischen Studenten und allen anderen ein Stück China nach Freiburg zu bringen.

Die Bühnen-Show

Nach dem Essen in der Mensa fand eine Bühnenshow im Paulussaal statt, in der chinesische und nichtchinesische Künstler auftraten. Es wurde gesungen, getanzt und Comedy gab es auch. Das Ganze wurde von einer deutsch-chinesischen Moderation begleitet, die nicht unbedingt sparsam mit ihren chinesischen Insiderwitzen umgegangen ist. Der Paulussaal war bis auf die oberen Plätze gut gefüllt.

Das Publikum

Auch wenn die Uni Freiburg zu dem Fest geladen hatte: Es waren nicht nur Studierende. Familien mit Kindern mischten sich genau so unter das Publikum wie einige ältere Menschen.

Das Programm

Zu Beginn gab es eine Rede eines Sprechers des Generalkonsulats der Volksrepublik China aus Frankfurt am Main. Dort haben China-Laien erfahren, dass das neue Jahr, das Jahr der Ratte, der Beginn eines neues Tierkreislaufes ist. Dazu fügte die Moderatorin noch hinzu, dass man in seinem Geburtsjahr rote Unterwäsche tragen sollte, da das Glück bringen würde. Daraufhin zog der Moderator rote Socken aus seiner Anzugtasche – seit wann zählen Socken als Unterwäsche?

Dann startete die eigentliche Show mit einer traditionellen chinesischen Oper mit dem Inhalt: Der Sohn eines chinesischen Generals verstieß gegen die Militärdisziplin und seine eigene Mutter bittet nun um Vergebung. Man musste kein Chinesisch können, um das zu verstehen, denn auf einer Leinwand hinter Bühne wurde der Inhalt auf Deutsch übersetzt. Danach gab es verschiedene chinesische Musikstücke zu hören, zum Beispiel eine Performance auf zwei traditionellen Instrumenten "Guzheng" und "Erhu". Auch verschiedene Tanzauftritte gab es, diese reichten von traditionellen Tänzen bis hin zu Streetdance oder auch Kampfchoreographien.

Ein Großteil der Show war der Comedy gewidmet. Zwei Comedians unterhielten sich über alles Mögliche aus ihrem Leben, erzählte Shaoqi Chen im Nachhinein, denn die gesamte Performance war auf Chinesisch. Immer wieder gab es Gelächter, also schien es lustig zu sein. Das ist nur eine Vermutung, denn wer kein Chinesisch kann, konnte nichts verstehen. "Ich finde solche Shows meistens nicht wirklich lustig, aber da bin ich der einzige aus meiner Familie", erzählt Shaoqi.

Danach ging es weiter mit der Verwirrung für nicht chinesischsprachige Zuschauer. Die gleichen Protagonisten lieferten sich noch ein Zungenbrecherduell. Die Sprachkünste waren die ersten fünf Minuten noch beeindruckend, selbst wenn man nichts verstand, aber 20 Minuten waren echt zu viel.

Das Highlight

Die chinesische Menge tobte, als plötzlich jemand auf der Bühne anfing Anime-Openings auf verschiedenen Instrumenten nachzuspielen und dazu zu tanzen.
Anime ist ein Animationsstil, der seinen Ursprung in Japan hat.

Es ist lustig anzusehen, wenn ein massiver Mann zum Opening von "Sailor Moon" tanzt oder auf seiner Flöte das Opening von "Neon Genesis Evangelion"nachspielt. Der Darsteller spielte immer wieder mit den Erwartungen des Publikums und offenbarte zum Beispiel ein Basketball-Trikot unter seiner Jacke, als ein Basketball-Anime gezeigt wurde. Bei alten Klassikern wie "Doraemon" jubelten Alt und Jung aus dem chinesischen Publikum. Auch wenn viele von den gezeigten Serien aus Japan stammen, würden sie zu der Kindheit vieler Chinesen gehören, erzählt Shaoqi Chen. "Dieser Teil war hauptsächlich für die chinesischen Zuschauer, da kommen so viele nostalgische Erinnerungen hoch", sagt er.

Das Fazit

Shaoqi Chen erzählt, wie schwer es ist, viele verschiedene Altersschichten und Kulturen gleichzeitig abzuholen. "Letztes Jahr war ich nicht so zufrieden mit der Show, aber ich finde dieses Jahr haben wir eine gute Balance gefunden, zwischen dem was wir Chinesen sehen wollen, aber was auch gleichzeitig andere Kulturen anspricht, es wird von Jahr zu Jahr besser."

Lu Wang (24) ist die Vorsitzende des Verbands der chinesischen Wissenschaftler und Studenten in Freiburg.Sie findet auch, dass die Show für alle etwas bietet. "Wir haben sehr viel mit Untertiteln gearbeitet, sodass man zum Beispiel verstehen konnte um was es in der Oper geht. Bei der Comedyshow ging das leider nicht und sie war wahrscheinlich auch etwas zu lang für unsere deutschen Zuschauer", sagt sie.

Die Moderatoren haben immer wieder chinesische Symbole und Witze erklärt und alles auf Deutsch übersetzt, was sie auch auf Chinesisch sagten. Es gab Untertitel wenn nötig und den Großteil der Show konnte man ohne Chinesisch-Kenntnisse verstehen. Es war schwer, manchen Auftritten zu folgen, aber im Großen und Ganzen kam die chinesische Kultur gut rüber.