Wie war's bei... Tom Odell im Zirkuszelt?

Gina Kutkat

Mit einer überzeugenden Band im Rücken spielt er sich frei vom Image des Schmusesängers: Tom Odell hat auf dem Freiburger ZMF gezeigt, dass er nicht nur emotionale Klavierballaden kann.



Der erste Eindruck

Und was kommt jetzt? Tom Odell und seine Band haben gerade zwei Songs gespielt, da fühlt es sich schon wie Finale an: Lang und ausgiebig kosten sie die einzelnen Töne aus, schaukeln sich gegenseitig hoch, bis das Ganze in einem dramatischen Trommelwirbel untergeht. Von reduzierter Instrumentierung und Schmuseballaden erstmal keine Spur.

Odell sitzt an seinem Flügel, in großen Buchstaben leuchtet sein Name am Bühnenhintergrund. Es wirkt, als würde ein unsichtbarer Faden ihn immer wieder von seinem Instrument weg ziehen wollen – doch Tom ohne Klavier, das gibt es nicht. Und natürlich kommen sie auch noch, die Klavierballaden, die der Singer-Songwriter Anfang 20 schrieb und die ihn Ende 2012 so bekannt gemacht haben.

Die Setlist

Der britische Singer/Songwriter spielt fast alle Songs seines Debütalbums "Long Way Down", ein John-Lennon-Cover und auch ein paar neue Songs. Mit den emotionalen "I Know" und "Another Love" ist er bekannt geworden, aber es sind die beschwingteren Nummern, bei denen sich die Musiker voll austoben. Wenn bei "I Can’t Pretend" der Rhythmus mehrmals wechselt, wenn bei "Hold Me" dramatische Klänge auf Gospel-Einlagen treffen und wenn Tom Odell seine eigene virtuose Version von "Für Elise" spielt und die anderen improvisieren, dann zeigt sich die Stärke der sechsköpfigen Band

Die Stimme

Manchmal strengt sich Tom Odell beim singen so an, dass seine Halsschlagader auch in 20 Metern Entfernung zu sehen ist. Er erhebt sich dann von seinem Klavierhocker, verzerrt das Gesicht, schließt die Augen und singt von der Liebe und vom Älterwerden. Das ist zwar irgendwie cheasy, erinnert aber auch an eine junge Version von Elton John. Er singt mit diesem gewissen Wimmern, das seiner Stimme eine ganz eigene Färbung gibt. Sie ist sein wichtigstes Instrument – und lässt einen manchmal vergessen, was für ein verdammt guter Pianist Odell eigentlich ist.

Die Stimmung

Der 25-jährige, blonde Brite muss nicht viel tun, um die ersten Reihen zum Kreischen zu bringen. "Isch liebe eusch" flüstert er ins Mikrofon. Hier weiß jemand, wie man mit Worten Wirkung erzielt. Ansonsten geht es eher gediegen zu im nicht mal halb ausverkauften Zirkuszelt. Es wird ein bisschen geschunkelt bei den Balladen und geklatscht bei den Up-Tempo-Nummern.

Die Band

Tom Odell hat sich und seiner Musik mit dieser Band einen riesen Gefallen getan. Sie rettet das Konzert an den Stellen, an denen es droht, in der Belanglosigkeit der Klavierballaden zu versenken. Drummer Andy Burrows, der früher bei Razorlight spielte, treibt die Songs oft nach vorne und ist stets mit Tom Odell in Interaktion. Bleibt zu hoffen, dass es diese musikalische Abwechslung auch bis aufs nächste Album schafft.

Aufheiterle

Nach dem Auftritt wirft ein Fan aus den ersten Reihen einen Brief auf die Bühne. Tom Odell öffnet ihn und zeigt dem Publikum den Inhalt: Ein selbst gemaltes Porträt von ihm. Er springt in den Bühnengraben und bedankt sich. Kreisch!

Der letzte Eindruck

Und was kommt jetzt? Das Konzert endet, so wie es angefangen hat: Mit einem großen, dramatischen Finale. Mit einem Sänger, der sein Mikrofon umschmeißt und seinen Klavierhocker hinwirft, um dann auf seinen Flügel zu steigen und sich mit einer großen Geste von seinem Publikum zu verabschieden. Dann nimmt er noch einen Schluck von seinem Apfelsaft, nein Whiskey, und weg ist er.

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Foto-Galerie: Florian Forsbach

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