Wie war's... bei Sóley im Jazzhaus Freiburg?

Laura Maria Drzymalla

Wie eine Zauberin steht sie vor ihrem Mischpult, schreibt fudder-Autorin Laura Maria Drzymalla: Die Musikerin Sóley trat am Montagabend im Jazzhaus auf. Jeden Moment hätte sie dabei einen isländischen Geist beschwören können:



Wenn Sóley Stefánsdóttir ein alkoholisches Getränk wäre, dann wohl ein schwerer und dunkler Rotwein, den man trinken möchte, während man eine selbstgedrehte Zigarette raucht. Vielleicht auch ein Glas Absynth, das man zum ersten Mal probiert.

Die ausgebildete Komponistin ist nun seit 2011 mit ihrer elfenhaften Stimme solo zu hören. Nach ihrem Album We sink kam dann dieses Jahr Ask the deep. Ein Album, das uns Melancholie schenkt, in der wir uns gerne Hals über Kopf versenken.

Was die Band CocoRosie mit Kinderspielzeug-Geräuschen schaffen muss, schafft Sóley nur mit ihrer Stimme – die nimmt uns an die Hand und zeigt uns eine kleine surreale Welt. Sie erzählt von Traum, Angst, Erinnerungen, großen Gefühlen in kleinen Dingen.

Jetzt steht sie direkt vor uns. Sie trägt ein schweres Kleid aus schwarzem Samt, es ist ihr um ein Wesentliches zu groß, ihre schmale Figur verliert sich im Rollkragen und in den weiten langen Ärmeln. Ihre Füße stecken in schwarzen DocMartens, den kurzen Pony so akkurat geschnitten, wie ihre restliche Frisur völlig zufällig hochgewurschtelt aussieht. Sie ist hip. Aber irgendwie hip aus Versehen. Unanstrengend. So schreit das auch ihre enorm zu große dunkelrote Hornbrille, die ihr ein so wunderbar exzentrisches Aussehen verleiht.

Das Publikum

Mädchen! Schöne Mädchen, stylische Mädchen, gerührte Mädchen, kichernde Mädchen.
Mädchen, die ihren Boyfriend mit Dutt mitgenommen haben. Die sind dann meist auch sehr schön, sehr stylisch, sehr gerührt und halten ihre Mädchen im Arm.

Eigentlich würden alle gerne auf einem Matratzenlager mit schönen Kissen sitzen und einfach Sóleys Stimme hören, während draußen Schnee auf die Dachfenster fällt.

Die Show

Wie eine Zauberin steht sie vor ihrem Mischpult, das mit einem schwarzen Tuch umhüllt ist. Das glänzende schwarze Piano hinter ihr spiegelt die Lichter der Bühne im hochgeklappten Deckel wider. Die Augen hat sie meist geschlossen, ihre Hände spielen in der Luft ein imaginäres Miniatur-Klavier während sie singt. Niemanden würde es wundern, wenn sie gleich ein Kaninchen aus einem Hut ziehen würde oder sogar einen isländischen Geist auf der Bühne beschwört.

„Die is´doch total durch!“, sagt ein Mädchen neben mir und schüttelt den Kopf. Es steckt trotzdem eine gewisse Anerkennung in der Tonlage und wenn man sich umsieht, bemerkt man, dass die Durchheit der Künstlerin auf das Publikum inspirierend wirkt.

Viele haben die Augen zu, wippen wie meditierend nach rechts und links, begleiten mit den Händen über dem Kopf schwingend Sóley auf ihrem Luftpiano.

Was Sóley außer Musik gut kann

Stand-Up Comedy und Freiburg-Liebe!



Warum wir Sóley lieben

Irgendwie ist sie eine von uns. Sie kommt mit einer Tasse Tee auf die Bühne. Kräutertee, erzählt sie später. Gut gegen Nervosität.

Nach dem Konzert trinkt sie Bier, man darf sich zu ihr stellen, Platten signieren lassen und Fotos machen. Es scheint, als könne man mit ihr auch über seinen Tag reden, wenn man mag. Sie lacht viel, erzählt von ihrem eigenen Tag und wirkt so hart tiefenentspannt, dass man vielleicht doch auf Gras tippt.

Ach ja. Und ihr Akzent! Hach!

[Text & Video: Laura Maria Drzymalla]

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Fotos: Laura Maria Drzymalla

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