Konzert

Wie war’s bei … Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys auf dem ZMF?

Florian Schmieder

Im schon lange ausverkauften Spiegelzelt lud die Italo-Schlager-Band Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys zur Audienz. Bei mediterranen Temperaturen wurde der Sehnsucht nach Bella Italia gefrönt.

Der erste Eindruck

Der erste Blick auf die Stars des Abends wurde erst einmal planmäßig verschoben. Zu Konzertbeginn begrüßte Vor-Act Mele die wartenden Fans. Mit einer Handvoll Songs aus der noch jungen Künstlerinnengeschichte konnte sie auch die Jünger des Italo-Schlagers überzeugen. Nachdem das Spiegelzelt dann zu "Deine Cousine" das erste Mal ekstatisch wurde und die Sängerin von der Bühne ging, hieß es erst einmal: Warten. Nach gut einer halben Stunde Umbaumaßnahmen war es soweit. Für unwissende Zuhörer war das Intro sicherlich ein Stück weit bizarr. Zu den Klängen der Eurovision-Hymne und "Conquest of Paradise" betraten Roy Bianco und Die Abbrunzati Boys samt Showband die Bühne.

Die Musik

Hier gilt es bereits die erste Tücke bei dieser Band zu überwinden. Denn hinter Die Abbrunzati Boys stehen nicht etwa mehrere Bandmitglieder, sondern der Gitarrist an Frontmann Roy Biancos Seite. Hinzu gesellen sich der Blechkofler an der Trompete, der Bungo an den Drums, der Eisensepp am Bass und Ralph Rubin laut Bianco "an der Tastatur" (Keyboard). Generell sollte man es tunlichst unterlassen, die Geschichten rund um die Band all zu ernst zu nehmen. Folgt man diesen trotzdem, haben sich die Männer, die alle rund um die 30 sind, 1982 am Gardasee gefunden. Nach erfolgreichen Jahren kam dann das Aus, 2016 hat sich die Band scheinbar wiedergegründet.

Der Bezug zu Italien zieht sich durch ihr gesamtes Œuvre. Gewissermaßen haben sie den Italo-Schlager aus der Taufe gehoben. Mit Peter Alexander und Caterina Valente als Vorbildern singen sie zu eingängigen Melodien von himmelblauen Stränden, kalten Getränken und heißer Liebe. Wer sich auf diese abwechslungsreichen und selbstironischen Songs einlässt, den erwartet ein Italien, das es so vielleicht niemals gab.

Das Publikum

Da stellt sich schon die Frage, wer diese komplexe Reise simpler Musik überhaupt mitgeht. Junge Leute, erstaunlich viele junge Leute. Menschen jenseits der 35 musste man ebenso suchen wie solche, die nicht mindestens ein Vintagehemd, eine Strapback, eine Retro-Sonnenbrille oder einen Schnauzer trugen. Es war also auf dem Festplatz klar zu erkennen, wer für Roy Bianco und wer für Johannes Oerding angereist war. Zudem zeigten viele Bandshirts, Trikots der Squadra Azzura oder Shirts, die Pasta oder Aperol Spritz huldigten: Die Zuhörer sind vorbereitet auf ihre Stars. Vielleicht auch aus diesem Grund nennen diese ihr Publikum liebevoll ihre "Tifosi".

Die Setliste

Die selbsternannten Halbgötter des Italo-Schlagers können aktuell aus zwei Alben schöpfen. Und dennoch waren die knapp anderthalb Stunden sehr abwechslungsreich. Ob Gassenhauer wie "Bella Napoli", "Quanto Costa" und der Evergreen "Ponte di Rialto" oder Balladen wie "Capri 82" und "Amore sul mare", ob allegro oder adagio: Leise war es nie. Dazu mischten sich sommerliche Beats bei "Tage am Pool" und "Copacabana".



Das Bühnengebaren

In einem Interview vor zwei Monaten kündigten sie bereits an, was auf einem ihrer Konzerte zu erwarten sei: Große Gefühle, große Gesten, große Geschichten. Und das sollte das ausverkaufte Spiegelzelt auch bekommen. Die rührigsten Texte untermalten die Seidenhemden oder Goldketten tragenden Künstler mit ausladenden Handgesten, gegenseitigen Umarmungen und Wangenküssen. Die Outfits in Kombination mit den zärtlichen Gesten und den sensiblen Songs waren auch ein Spiel mit Maskulinität und den Geschlechterrollen. Untermalt wurden die Ansprachen zwischen den Stücken von launigen Erzählungen und besonders dem jovialen Lachen von Roy Bianco, das einem langjährigen Schlagerstar durchaus würdig ist.

Was wir von Roy Bianco und Die Abbrunzati Boys mitnehmen können

Am besten war der Abend, wenn Roy Bianco in seiner Rolle als Sänger quasi überflüssig wurde und seine Tifosi ihm lauthals den Text diktierten. Besonderes Highlight: Wenn das Konzert wirklich einer Heiligen Messe des Schlagers glich, wie es die Band gerne nennt. So sprach der Frontmann als Intro zu "Vino rosso" jene Worte, die auch ein Pfarrer in der Wandlung spricht, wenn er also den Wein metaphorisch in Blut verwandelt.

Ganz handfest wurde es für viele der Tifosi, als sich die Band mit weißen Rosen zu den Rhythmen von "Boney M. – Gotta Go Home" verabschiedete. Was viele der leerausgegangenen Fans sicherlich mitnahmen – zumindest wenn man ihren glückseligen Blicken vertraut – sind die Worte, die den letzten Song und somit den Abend beendeten: amore.

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