Konzertbericht

Wie war’s bei … Jamaram und Jahcoustix im Jazzhaus?

David Pister

Jamaram und Jahcoustix haben am Freitagabend ein Konzert im Jazzhaus gespielt. Die Musiker holten ihr Konzert von 2020 nach und ließen dabei ihr Publikum im Schleudergang tanzen. David Pister war dabei.

Die Stage

Verheißungsvoll stehen unzählige verschiedene Instrumente auf der noch leeren Bühne des Jazzhaus. Abwechselnd in rotes, blaues oder grünes Licht getaucht, versprechen sie einen Abend mit Live-Musik vom feinsten. Jamaram kommen auf die Bühne und als sie ihren ersten Song beginnen, weiß man nicht, wo man zuerst hinschauen soll: Auf Samuel Hopf, der seine schöne braune E-Gitarre virtuos bespielt? Auf Giovanni Pecorini, den Saxofonisten, der das Publikum mit eleganten Bewegungen und Tönen aus seinem Holzbläser bezirzt? Oder doch auf Keyboarder Lionel Wharton, der verschmitzt in die Menge grinst und nebenbei Adlibs in sein Mikrofon ruft. Bass und Beat setzen ein – Entscheidung getroffen: Die Blickrichtung ist unwichtig. Jetzt wird getanzt.

Der Sound

Jamaram stehen an diesem Abend nicht allein auf der Bühne. Sie haben ihren langjährigen Wegbegleiter und besten Freund Jahcoustix mitgebracht. Der Reggae-Künstler fügt sich in den Sound und die Stimmung der Band ein, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Neben den Kultliedern von Jamaram performen die Musiker auch Songs von Jahcoustix.

Jamaram lassen sich nicht in eine Schublade stecken oder eindeutig beschreiben. Die Mischung aus Reggae, Hip-Hop, Dancehall, Funk und Ska macht Laune. In jedem Lied werden die Ohren außerdem mit Soli der Instrumente verwöhnt. Ob Saxofon, Trompete, Gitarre oder Piano: Ohrgasmus garantiert.

Egal in welchem Genre sich Jamaram bewegen, Offbeat ist meist essenziell. Das führt dazu, die Beine in die Luft zu werfen, die Hände gleich dazu und über beide Ohren zu grinsen. Tanzbare und schnelle Songs, die oft mit Rock-Elementen garniert werden, gesellen sich zu langsamer Schunkelmusik. Man ist versucht, ein Feuerzeug aus der Hosentasche zu kramen und im Takt zu bewegen.

Die Crowd

Ein bunt gemischter Haufen, der sich da am gestrigen Freitagabend im Jazzhaus einfindet. Ein Schnitt durch die Gesellschaft. Die Gemeinsamkeit: Alle tragen, mit Ausnahme zum Biertrinken, Maske und sind tanzwütig. Und Jamaram und Jahcoustix lassen die Crowd mit diesem Wunsch nicht im Stich.
Giovanni Pecorini, Saxofonist der Band, wird spontan zum Choreografen gekürt. Er stellt eine eigens in der Lockdown-Zeit erdachte Tanzperformance vor. Das Publikum macht selbstverständlich mit: nach links, nach rechts, Drehung und Arme hoch. Jamaram und Jahcoustix treffen im Jazzhaus auf ein dankbares Publikum.

Das Highlight

Wie viel Publikumsinteraktion darf es sein? Antwort: Ja! Sänger und Gitarrist Samuel Hopf fordert eine Frau aus dem Publikum auf, die Trommel der Waschmaschine zu sein. Auf ein Kommando dreht sich das ganze Jazzhaus im Schleudergang um den Mittelpunkt. Hüpfend, johlend und schwitzend tanzt das Publikum zu dem Funk, der auf der Bühne abgeht. Natürlich dürfen Reggae-Klischees auf solch einem Konzert nicht fehlen. "Wo sind meine Ganjaraucher, Freiburg?"

Die Message

"We are one" wird teilweise mantrahaft im Jazzhaus in Richtung Bühne gerufen. Auch das nach oben gereckte Peace-Zeichen ist bedingungsloser Bestandteil einer Reggae-Performance. Jahcoustix fasst die Botschaft der Musiker gegen Ende der Veranstaltung treffend zusammen: Im Leben gehe es um ein friedliches Miteinander und harmonisches Zusammenleben. Aber viel wichtiger sei, andere Meinungen auszuhalten und gewaltfrei kommunizieren zu können. Diese Take-Home-Message kann man so stehenlassen.

Resümee

Ein musikalisch abwechslungsreich gestalteter Abend, der Lust auf mehr Live-Musik macht. Schade, dass es schon vorbei ist. Jamaram und Jahcoustix haben das Jazzhaus zum Tanzen gebracht. Und hätten die Musiker noch mehr mit dem Publikum interagiert, dann stünden sie selbst auf der Tanzfläche.

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