Lesung

Wie war’s bei… Helene Bukowski im Café Pow

David Pister

Am Dienstagabend hat sich das Café Pow in ein WG-Wohnzimmer verwandelt und die erste Zwischenmiete-Lesung im Wintersemester veranstaltet. Die Autorin Helene Bukowski las aus ihrem Debütroman "Milchzähne".

Die Räumlichkeit

Üblicherweise würde man sich für eine Zwischenmiete-Lesung in einer Freiburger WG versammeln und bei Bier und Brötchen den Erstlingswerken von Newcomerautorinnen lauschen. Aufgrund von Corona ist dies nicht möglich und wurde deswegen ins Café Pow verlegt. Hier wurde WG-Atmosphäre durch einen Teppich und darauf stehendem Sofa, inklusive Zimmerpflanzen spürbar. Das Team der Zwischenmiete schaffte es mit Unterstützung des Café Pow trotz Mindestabstand zwischen den Stuhlgruppen ein gemütliches Wohnzimmerambiente zu schaffen.

Das Publikum

Schon vor Beginn der Lesung versammelten sich einige Gäste, um etwas zu trinken. Der hohe Anteil von dampfenden Teetassen erinnerte an den zu Ende gehenden Sommer. Die Lesung sollte bei warmen Temperaturen draußen stattfinden. Umso besser jetzt drinnen zu sein: Tee, warme Lichter, anschwellendes und erwartungsfrohes Gemurmel. Das Publikum besteht zum Großteil aus literaturinteressierten Studentinnen und Studenten, denen die Freude mal wieder eine Kulturveranstaltung zu besuchen, in die rotglühenden Gesichter geschrieben steht.

Der Prolog

Um acht Uhr regt sich etwas. Sophie Jones vom Zwischenmiete-Team und Helene Bukowski nehmen auf dem ockergelben Sofa Platz und warten bis das Gemurmel abebbt. Bevor Helene Bukowski aus ihrem 2019 erschienenen Debütroman "Milchzähne" vorliest, stellt sie sich den Fragen von Sophie Jones. Die 1993 in Berlin geborene Autorin erzählt, dass sie bereits seit Anfang September in Freiburg sei. Sie ist Stipendiatin im Rahmen des Stadtjubiläums "900 Jahr jung. In der Wiehre wurde ihr eine Wohnung zur Verfügung gestellt, um an ihrem zweiten Roman zu arbeiten. Neben ihrer Schreibtätigkeit gehe sie am liebsten über den Wiehremarkt oder spaziere im Wald. Die Wiehre hat es bisher noch nicht in ihren zweiten Roman geschafft. Dafür aber das Feld zum Blumen Selbstschneiden in Günterstal.

Die Lesung

Die erste Textstelle beginnt ohne viel Vorworte der Autorin. Sie wolle, dass man nicht zu viel weiß, bevor man sich in die Geschichte hineinbegibt. "Wer den Prolog hören will, muss sich das Buch wohl kaufen", scherzt sie, bevor sie beginnt. Die Protagonisten des Buchs leben isoliert vom Rest der Welt, um sich vor den Gefahren von außerhalb zu schützen. Ich-Erzählerin Skalde und ihre Mutter Edith werden von den anderen Bewohnern gemieden, da Edith vor mehr als zwei Jahrzehnten plötzlich auftauchte, obwohl ein Fluss den Zugang zu der Welt unmöglich macht. Der Schreibstil ist düster und poetisch. Die Zuhörer lauschen mucksmäuschenstill den Worten von Helene Bukowski, die langsam und bedächtig ihre Geschichte vorliest.

In den Fragerunden, die die Textstellen immer wieder unterbrechen, wird eine Ähnlichkeit zwischen Hauptperson und Autorin deutlich. Wie Skalde versuche auch Helene Bukowski ihre Welt schreibend zu erfassen. Über die persönlichen Themen hinausgehend werden auch größere Probleme aufgefasst. Die Welt im Buch, die zuerst kalt und nebelig war, wärmt sich unaufhaltsam auf. Wie reagiert eine fremdenfeindliche, isolierte Gemeinschaft auf den global wirkenden Klimawandel?
Als wäre das noch nicht genug dramatischer Stoff nimmt Skalde ein rothaariges Mädchen auf, das sie im Wald findet. Es scheint unerklärlich, wie es das Mädchen in die Isolation geschafft hat.

Nach der Lesung wurde eine Fragerunde eröffnet, die nur sehr zögerlich angenommen wurde. Es gab Lob für den Schreibstil und die Frage, warum das rothaarige Mädchen im Roman Kind genannt wird, obwohl es ein Mädchen ist. "Ich spiele mit den Erwartungen. Jeder denkt erstmal es sei ein Junge", antwortet Helene Bukowski. Im Roman sind Frauen die Hauptfiguren. Helene Bukowski nutzt ihr Schreiben, um auch politische Statements zu setzen. Jahrhunderte lang hätten Männer einen großen Raum in der Literatur eingenommen, jetzt sind ihrer Meinung nach, die Frauen an der Reihe.

Der Epilog

Endlich wieder eine Kulturveranstaltung. Die Stimmung im Café Pow war eines gemütlichen Herbstabends würdig. Helene Bukowski hat mit der düsteren Stimmung des Buchs dazu beigetragen. Nach der öffentlichen Fragerunde hatte das Publikum die Chance persönlichere Fragen zu stellen. Der Büchertisch der Jos Fritz Buchhandlung lud dazu ein, ein Exemplar des Buchs zu kaufen und es sich direkt von der Autorin signieren zu lassen. Literatur zum Anfassen.