Wie war’s bei… Gisbert zu Knyphausen im Bürgerhaus Zähringen?

Carolin Buchheim & Florian Forsbach

Es hätte alles anders sein sollen. 2012 zogen die Musiker Gisbert zu Knyphausen und Nils Koppruch Anzüge an, gründeten die Band "Kid Kopphausen" und nahmen ein spektakuläres Album auf. Dann starb Koppruch, plötzlich, unerwartet. Zu Knyphausen tourt jetzt mit der Kid-Kopphausen-Band. Am Donnerstag war er im ausverkauften Bürgerhaus Zähringen. Wie's war:



Der erste Eindruck

Er ist noch immer der Meister der Melancholie, ja, singt immer noch Lieder über die immergleiche Losung "Die Welt ist grässlich und wunderschön", aber trotzdem ist alles anders als vor fünf Jahren, als zu Knyphausen zuletzt in Freiburg war.

Augenschmaus

Die Bühne ist schlicht wie das Bürgerhaus. Instrumente, bisschen blaues Licht, ein paar schicke Glühbirnen, fertig.

Set-List

Viel vom "Kid Kopphausen"- Album "I", der Kollaboration von zu Knyphausen mit Nils Koppruch. Der Hamburger Ausnahmemusiker, der sowohl Solo als auch mit seiner Band Fink spektakulär gute Musik machte, die unverdienterweise außerhalb der Hansestadt viel zu wenig Aufmerksamkeit bekam, starb 2012 kurz nach der gemeinsamen Album-Veröffentlichung und bevor die Tour zum Album so richtig losging. Aus dem Solo-Programm aus der Zeit davor gibt's die Hits, ungefähr die Hälfte so, wie sie am besten klingen: einfach nur mit der Akustik-Gitarre.

Die Musik

Zu Knyphausens Kollaboration mit Koppruch wirkt nach. Sein Sound hat jetzt einen Twang, der an Finks legendären Deutsch-Americana erinnert, ist weltgewandter geworden. Weniger Nabelschau, mehr Wumms, definitiv mehr ausladende E-Gitarren-Soli. Das merkt man selbst den Liedern seines Debütalbums angenehm an, bei denen zu Knyphausen und Band Niedlichkeit und Süße heruntergedreht haben. Gemeinsam drängeln sie durch die Hits "Flugangst", "Erwischt" und "Sommertag", mal mit beinahe flacher Stimme, mal mit Easy-Listening-Lakonie. Das ist erfrischend und fühlt sich absolut richtig an. Und doch ist es auch irgendwie ein Arbeitsgig, zu Knyphausen bemüht sich sehr, die Magie zu kreieren, kommt aber mit jedem Song mehr im Moment an.

Die Band

Marcus Schneider an der Gitarre, Felix Weig am Bass und Alexander Jedzinsky an den Drums sind gemeinsam mehr als nur Hintergrund oder Begleitung, sie geben zu Knyphausen Halt und treiben ihn voran.

Das Experiment

"Das nächste Lied ist auf Englisch, nehmt es mir nicht krumm", sagt zu Knyphausen vor einem Song, in dem sich "life to live" auf "love to give" reimt.

Der Song des Abends

Ist absolut Un-Gisbert, klingt - kein Witz! - nach H-Blockx und ist - Zitat zu Knyphausen: "Ein Rumpelstilzchen-Song für einen Kindersampler". Die Lyrics "Immer muss ich alles sollen, dabei will ich doch nur mal wollen" beschreiben das Elend des Kleinkind-Seins, zu Knyphausen spuckt sie ins Mikro, springt zum Crossover-Sound der Band absolut ungewohnt über die Bühne. Er wirft gar aus Versehen einen Mikrofonständer um. Steht ihm gut, der Krawall!

Was in Erinnerung bleibt

Nur einmal sagt zu Knyphausen - der noch nie besonders gerne zwischen Songs geredet hat - Nils Koppruch Namen: bevor er als zweites Lied dessen Song "Staub & Gold" singt. Aber auch ohne Gerede - und was genau sollte er auch sagen? - ist die Leerstelle nicht zu kaschieren, und vielleicht wollen zu Knyphausen und Band das auch gar nicht: Nils Koppruch müsste auch auf dieser Bühne stehen. Wie unfair es ist, dass er es nicht tut, welch’ immer noch unfassbar großer Verlust!

Bewertung

Gisbert zu Knyphausen ist einer der Besten. Wehe, es dauert wieder fünf Jahre.

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Foto-Galerie: Florian Forsbach


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