Hochkultur

Wie war’s bei... Don Giovanni von der Jungen Oper im Konzerthaus?

Sarah Rondot

Das erste landesweite junge Opernprojekt Junge Oper Baden-Württemberg hat am Donnerstag Don Giovanni im Konzerthaus gespielt. fudder war bei der Aufführung dabei.

Vor dem Konzerthaus stehen die Menschen Schlange. Man sieht Anzug, Hemd und Highheels, aber auch Doc Martens und den Freiburger alternativen Schick. Dafür, dass im Konzerthaus eine Oper aufgeführt wird, stehen viele junge Menschen an. Das liegt wahrscheinlich daran, dass auf der Bühne nur Studierende spielen. Der Freiburger Gustav Kollmann, der Gründer und Dirigent des Projekts "Junge Oper Baden-Württemberg", hat das erste landesweite, ausschließlich von jungen Menschen organisierte Opernprojekt auf die Beine gestellt.

Anspannung und Vorfreude schweben in der Luft, als sich die Zuhörenden auf ihre Plätze begeben. Eine andächtige Stille legt sich über den Saal, während das Orchester stimmt. Die 23-Jährige Salome Niedecken, Tourmanagerin der Jungen Oper betritt die Bühne. "Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass unsere Donna Anna, Sopranistin Carina Schmieger, erkrankt ist. Ganz kurzfristig eingesprungen vom Freiburger Theater ist Sarah Traubel, dafür sind wir sehr dankbar." Das Publikum applaudiert, doch es geht noch weiter: "Leider fällt auch Leporello, Edgars Skarbulis, wegen Krankheit heute aus." Sie erklärt, dass der Sänger des Masettos, Malte Kebschull, nun zwei Rollen singt: Masetto und Leporello. "Das ist natürlich, gerade bei einem Sextett keine leichte Angelegenheit."

Man kann sich richtig vorstellen, wie viel Spontanität die Krankheitsfälle dem gesamten Projekt abverlangt haben. Doch als die ersten Takte erklingen, ist das alles vergessen. Das Publikum lässt sich mitreißen in diese Geschichte voller Liebe, Verführung, Betrug und Eifersucht, die dabei sehr aktuell wirkt. Im Konzerthaus Freiburg war kein Bühnenbild möglich, dennoch schaffen es die Darstellenden das Setting und die Gefühle rüberzubringen. Wird Donna Elvira es schaffen, Verführer Don Giovanni nicht erneut zu verfallen? Wird Donna Anna ihren Vater rächen? Zerlina ihrem frisch getrauten Ehemann treu bleiben? Besonders beeindruckend ist die tiefe Stimme des Komturs Gabriel Klitzing. Außerdem sorgt die Stelle für Lacher, in denen Malte Kebschul als Leporello aufzählt, in wie vielen Ländern Don Giovanni wie viele Frauen verführt hat, er singt das komplett frei, obwohl es ja gar nicht seine eigene Rolle ist: "In Spanien sind es 1003…".

Es wird dramatischer

In der Pause sieht man viele in den Programmheften blättern, in dem auch Teile der Inszenierung, abgebildet sind. Die achtzehnjährige Josephine Oess, jüngstes Mitglied und Regieassistentin des Projekts, verkauft die Programmhefte und schwärmt: "Das ist so cool und so berührend, wenn man die Leute kennt, die da auf der Bühne stehen. Ich bin so stolz auf Malte, der macht das mit seinen zwei Rollen heute richtig gut. Vom Balkon des Konzerthauses sieht man die blaue Brücke und die Herz-Jesu Kirche im Dunkeln leuchten. Im zweiten Akt gewinnt die Stimmung an Dramatik "Mega beeindruckend, man ist richtig drin in der Geschichte!", sagt eine junge Freiburgerin.

Im zweiten Akt gewinnt die Geschichte nochmal an Dramatik, die Musik geht unter die Haut. Nachdem Don Giovanni stirbt, müssen sich Sängerinnen und Sänger sowie das Orchester mehrmals verbeugen. Die Junge Oper Baden-Württemberg bekommt in der Heimatstadt des Dirigenten und vieler der Musizierenden Standing Ovations. Das Projekt ist geglückt, eine Oper, nur von jungen Menschen.