Kultur

Wie war’s bei…. der Vernissage von "Fluid Bodies" im E-Werk?

Jennifer Fuchs

Im E-Werk hat gestern die Ausstellung "Fluid Bodies" Vernissage gefeiert. fudder-Autorin Jennifer Fuchs war dort und hat die Darbietung auf sich wirken lassen.

Der erste Eindruck

Kurz vor 19 Uhr beginnt in der Bildhauerhalle des E-Werkes die Performance der Schweizer Künstlerin Nicole Bachmann. Sie eröffnet mit der künstlerischen Aufführung "Or what is" die Ausstellung "Fluid Bodies". Aus Coronagründen dürfen nur rund 30 Besucher mit Mundschutz die Performance live mit erleben. Ich habe Glück und gehöre dazu. Für die restlichen Besucher, die es nicht mehr rechtzeitig geschafft haben, gibt es aber einen Live-Stream. Die Bildhauerhalle wirkt auf mich sehr beeindruckend mit ihren extrem hohen Decken. Im Hintergrund sieht man noch einige plastische Bildhauerarbeiten und diverse Werkzeuge. Die schwarzen Stühle für das Publikum sind alle mit Sicherheitsabständen aufgebaut. Vorne gibt es eine Art Bühne mit weißen Wänden, wo sich die drei Performerinnen befinden. Sie tragen alle das gleiche Outfit, weißes Shirt, schwarze Hose. Eine erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft und das Publikum gibt keinen Ton von sich. Endlich ist es soweit, die Performance beginnt.

Performance "or what is"

Das Thema der Performance verkörpert die menschliche Kommunikation unter Bedingung des neoliberalen Informationskapitalismus. Die drei Frauen fangen an, sich zum Teil experimentell tänzerisch zu bewegen und geben abwechselnd verschiedene Laute und zum Teil auch englische Worte von sich.
Die Performance ist in unterschiedliche Intervallen eingeteilt und es scheint als wären die Frauen von einer unsichtbaren Maschine oder einem fremden Algorithmus gesteuert. Doch immer wieder brechen sie aus dieser roboterhaften Situation aus und kommunizieren mit Hilfe von Körper und Stimme miteinander.

Das Thema von "Fluid Bodies"

In unserer heutigen Zeit entstehen für den menschlichen Körper durch ökonomische Verhältnisse und digitale Medien diverse Spannungsfelder. Die Ausstellung "Fluid Bodies" beschäftigt sich mit diesem Thema und der Frage von körperlicher Selbstbestimmung und Selbstgestaltung.

Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler

Fünf zum Teil internationale Künstler*innen stellen ihre Arbeiten aus: Nicole Bachmann (Schweiz), Natascha Schmitten (Deutschland), Denise Blickhan (Deutschland), JJ Levine (Kanada) und Jake Elwes (Großbritannien). Die gezeigten Werke reichen von abstrakter Malerei, über Fotografien, Performances bis zu verschiedenen Medienkunstinstallationen.

So experimentiert zum Beispiel die Künstlerin Natascha Schmitten in ihren abstrakt gemalten Bildern mit digitalen Motiven. Auf mich wirken die großformatigen Gemälde faszinierend, da die Objekte eine Art Beweglichkeit und Dynamik ausstrahlen. Oder der kanadische Künstler JJ Levine, der in seinen interessanten, fotografischen Arbeiten einen Teil der bunten Queer-Community aus Montreal abbildet. Seine Fotografien hinterfragen die weibliche, wie männliche Geschlechterrolle, indem er zum Beispiel einen schwangeren Mann portraitiert.

Die visuelle Medieninstallation von dem Engländer Jake Elwes beschäftigt sich mit dem Umgang von künstlicher Intelligenz mit genderfluiden Körpern. Seine ausgestellte Arbeit "Zizi" hat das Thema Überwachungs- und Erkennungstechnologie. Es sind dabei immer wieder verschiedene Gesichter zu erkennen, die ineinander verfließen und zum Teil auf mich verstörend und gruselig wirken.

Performance "Medusa"

Die zweite Performance findet im Untergeschoss des E-Werkes statt. Wieder ist die Anzahl des Publikums begrenzt. Vor mir zeigt sich eine multimediale Medieninstallation, die an eine futuristische Bühne erinnert. An der weißen Wand gegenüber wird ein großer Handybildschirm angezeigt. Eine zierliche, dunkelhaarige Frau mit Pelzmantel, pinkfarbener Strumpfhose und viel zu hohen Plateau High Heels verschwindet hinter der leichtdurchsichtigen Plastikwand auf der "Bühne". Es ist die Künstlerin Denise Blickhan, die in ihrer multimedialen Performance stereotype Darstellungen von Frauenkörpern in den sozialen Medien hinterfragt. Mit Live-Musik und Gesang inszeniert sie aktuelle Schönheitsideale und gesellschaftliche Machtstrukturen. Ihre Performance "Medusa" hat mehrere Zyklen, wo sie immer wieder in verschiedene Rollen und verrückte Outfits schlüpft. Unterstützt wird die Anspielung auf die Smartphone-Kultur durch verschiedene Filter, die auf der großen Handyleinwand gezeigt werden. Es ist eine absolut beeindruckende Show, die sie hier abliefert. Total fasziniert, aber ehrlich gesagt auch etwas leicht verstört, lässt sie das Publikum einfach stehen und verschwindet nach dem letzten Song mit einer großen weißen Maske im Gesicht im Nebenraum.

Fazit

Für mich war "Fluid Bodies" eine sehr außergewöhnliche und beeindruckende Ausstellung. Die gezeigten Arbeiten waren alle sehr unterschiedlich, sowohl vom Medium als auch der Bearbeitung, was es für mich als Besucherin spannend machte. Die letzte Performance "Medusa" hat mich zwar leicht verstört, aber gleichzeitig wirkte sie auch sehr fasziniert auf mich, da sie einfach ein sehr aktuelles und wichtiges Thema aufgreift. Die Ausstellung ist einen Besuch wert.