Theater Freiburg

Wie war’s bei … der Theaterperformance "Global Belly"?

Annika Vogelbacher

Ein schwieriges Thema, das in Form eines Parcours erarbeitet wird: Das Theater Freiburg lädt zur Perfomance "Global Belly" ein. Annika Vogelbacher war für fudder dabei und berichtet von ihren Erfahrungen.

Der unerfüllte Kinderwunsch treibt Paare aus Deutschland und der Schweiz ins Ausland. In Indien, den USA und der Ukraine beauftragen sie Leihmütter, ein Kind für sie auszutragen. Flinn Works hat in allen fünf Ländern recherchiert, um der transnationalen Leihmutterschaft auf den Grund zu gehen. Bis Sonntag ist die als Parcours angelegte Aufführung im Kleinen Haus zu sehen.


Die (Corona-)Atmosphäre

Vorbei an gesellig zusammensitzenden, Wein trinkenden Theater-Bar-Gästen gelangt man zum Eingang des Kleinen Hauses. Fast hätte man Corona vergessen und fühlt sich wie damals, als man bei einem Theaterbesuch als letztes an Keime, Viren und Bakterien gedacht hätte. Bis eine Frau hinter einem Holztisch mit Desinfektionsmittel und einer durchsichtigen Plastikscheibe mit "Theater Freiburg"-Aufschrift vor ihrem Gesicht daran erinnert, dass bis zum Vorstellungsbeginn die Masken aufgesetzt bleiben sollen. Drinnen sind die wenigen Stühle mit genügend Abstand aufgestellt. Auf ihnen sitzen überwiegend junge, lässig gekleidete Frauen.

An der Beleuchtung erahnt man: Hier stehen auch die Besucherinnen und Besucher im Rampenlicht. Spätestens beim Beginn des Kanons, den die drei Schauspielerinnen und der Schauspieler im Dunkeln anstimmen, und dem Absetzen der Maske hat man Corona vergessen und wird in den Bann der harmonischen Stimmen und dem, was sie auf Deutsch und Englisch sagen, gezogen.

Das Bühnenbild

Eine Bühne im klassischen Sinn gibt es nicht. Auf der gleichen Höhe zu den im Kreis aufgestellten Besucherstühlen stehen in der Mitte zwei Flachbildfernseher zwischen Orchideen. Das Bild erinnert an ein charakterloses Wartezimmer. Zwischen den Stühlen für die Zuschauerinnen und Zuschauer stehen große Banner. Eins zeigt den Bauch einer schwangeren Frau, die ein schimmernd weißes Leinenkleid in der Natur bei schönem Wetter trägt. Auf allen Bannern ist ein Logo mit drei Strichmännchen, einem Pärchen und einer etwas entfernt stehenden schwangeren Frau zu sehen. Hinter den Plakaten sind einzelne Zimmer aufgebaut, die man später durchläuft.

Die "als Parcours angelegte Aufführung"

Die vier Zimmer, die man nach und nach betritt, stellen den Parcours dar. In jedem Raum bekommt man eine Rolle zugeschrieben. Etwa ist man das Ehepaar, das in die USA fliegt, um ihre potentielle Leihmutter kennenzulernen. Oder das Paar, das in der ukrainischen Botschaft feststeckt, um die Elternschaft für ihr genetisches Kind übertragen zu bekommen. Oder die Mutter eines schwulen Mannes, der sich riesig freut, weil er endlich ein Kind bekommt. Oder aber eine indische Leihmutter, die gerade fern von ihrer Familie in einem Heim für Leihmütter eine Fehlgeburt hatte und Medikamente verabreicht bekommt, die sie nicht kennt.

Es gibt wohl kein besseres Konzept für dieses Stück, denn in jedem Raum nimmt man eine andere Rolle und damit eine andere Sichtweise ein. Man versetzt sich in die Personen, die man darstellt oder dargestellt bekommt und versteht ihre Beweggründe. Angst vor Impro-Theater-Auftritten und peinlicher Verlegenheit muss man nicht haben: Es reicht, bei jeder gestellten Frage, mit ja oder nein zu antworten. Wenn gewollt, kann man aber das tun, was man sich sonst im Theater oft nur wünscht: Die Charaktere nach ihren Gefühlen, Hintergründen und Intensionen fragen.

Die Message

Was dieses Stück mit am stärksten macht, ist, dass keine eindeutige Message vermittelt wird. Alle in das Thema Leihmutterschaft involvierte Personen, bis auf die so zur Welt gekommenen Kinder, kommen zu Wort und niemals wird die Meinung der Regie oder Schauspielerinnen und Schauspieler deutlich. Das Bild, das man vor diesem Stück auf das Thema Leihmutterschaft hatte, wird aufgerüttelt und wird einen noch einige Tage in Unsicherheit lassen, bevor sich die eigene Einstellung langsam, aber fundierter und umgreifender wieder (anders) zusammenfügt.
Was: Global Belly
Wann: Dienstag, 23. Juni, 20 Uhr, Mittwoch, 24. Juni, 20 Uhr, Donnerstag, 25. Juni, 30 Uhr, Freitag, 26. Juni, Samstag, 27. Juni, Sonntag, 28. Juni (19 Uhr)
Wo: Theater Freiburg, Kleines Haus

Eintritt: 16 Euro, 8 Euro ermäßigt

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