Theater Freiburg

Wie war’s bei … der Performance "Social Distance Break"?

Jennifer Fuchs

Der Konzeptkünstler Florian Mehnert aus dem Markgräflerland packt Menschen in eine Blase und fotografiert sie. Er setzt sich mit Abstand und Nähe auseinander – brandaktuelle Themen. Am Freitag waren Darsteller des Theater Freiburg dran.

Der erste Eindruck

So leer hat man das Theater Freiburg bei einer künstlerischen Inszenierung noch nie erlebt. Die Publikumsplätze sind coronabedingt komplett unbesetzt. Doch auf jeder zweiten Reihe sind bunte Hemden auf den Sitzplätzen aufgestellt. Es wirkt seltsam, fast wie ein Geisterpublikum.

Auf der Bühne befindet sich eine Art riesige, dunkle Wurzel. Außer dem Künstler Florian Mehnert, seinem Team, der Presse und einige wenige Mitarbeiter vom Theater ist niemand anwesend. Gerade befindet sich noch alles in der Vorbereitungsphase für das Fotoshooting. Die fünf Schauspielerinnen und Musiker befinden sich noch im Kostüm und in der Maske. Konzentriert probiert der Künstler in der Zwischenzeit verschiedene Kamera- und Lichttechnikeinstellungen.

Der Künstler und sein Projekt

Florian Mehnert ist ein deutscher Konzeptkünstler und lebt im Markgräflerland. Für sein fotografisches und partizipativ-performatives Kunstprojekt "Social Distance Stacks" setzt er Menschen aus unterschiedlichen Bereichen in eine Blase. So gab es in der Fotoserie unteranderem Bilder mit den Musikern der Stuttgarter Philharmonie, einer einsamen alten Dame oder Jugendlichen in der Öffentlichkeit.

In den ausdrucksstarken Bildern ist jede sichtbare Person in seiner eigenen Blase. Mehnert setzt sich in dieser Arbeit mit den aktuellen Fragen auseinander wie zum Beispiel: Wie wirkt sich der coronabedingte Abstand auf die menschliche Psyche aus? Wie wichtig ist die soziale Nähe? Gibt es durch die soziale Distanz auch die Möglichkeit innere Ruhe zu finden? Welche soziale Veränderungen wird es geben?

Die Schauspielerinnen und die Musiker

Für das künstlerische Fotoshooting wurde ein Querschnitt der darstellenden Künstlerinnen und Künstler vom Theater Freiburg ausgewählt, die eigentlich sonst vor realem Publikum auf der Bühne stehen. Diese sind die Darstellerin Stefanie Mrachacz und ihr Kollege Victor Calero aus dem Theaterstück "Electra" in ihren futuristischen Kostümen, der Schauspieler Graham Smith, der in dem Kindertheaterstück "Pippi Langstrumpf" den stärksten Mann der Welt spielt, die Musikerin Friederike Hess-Gagnon mit ihrer E-Geige von der Aufführung "Das kalte Herz" und der Sänger Jin Seok Lee aus dem Stück "Die Hochzeit des Figaro".

Das Kunstprojekt im Theater

Die Fotoserie im Theater zeigt fünf Protagonisten in ihren Original Kostümen von der letzten Aufführung vor dem Lockdown. Alle fünf Personen steigen in eine große Plastikkugel. Zuvor wurde diese mit Luft aufgeblasen. Die riesigen schwarzen Wurzeln auf der Bühne sind noch das Szenenbild von dem Stück "Das kalte Herz", das coronabedingt nur zweimal aufgeführt wurde.

Der verantwortliche Künstler Mehnert gibt den Darstellern präzise Anweisungen, wie sie sich am besten für die Fotos positionieren sollen. Viel Zeit für die Fotos hat er nämlich nicht. Maximal 20 bis 30 Minuten geht das Shooting, danach beschlägt die Blase wegen der Atemluft und auch die Luftversorgung ist nicht mehr optimal gewährleistet.

Das Shooting

Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind voll in ihrem Element. Sie dürfen während des Shootings immer wieder kurze Szenen in der Blase spielen, die ihre letzte Theaterrolle verkörpert. Es wird wild gestikuliert, emotional die Texte gesprochen und "der stärkste Mann der Welt" zeigt in seinem rot-weiß gestreiften Kostüm seine tätowierten Muskeln.

Friederike Hess-Gagnon spielt dazu auf ihrer E-Geige und Jin Seok Lee singt verschiedene Liedtexte. Es herrscht eine herrliche Atmosphäre und man spürt, wie glücklich die Darsteller sind, endlich wieder auf der Bühne zu stehen – wenn auch ohne echtes Publikum und nur für kurze Zeit. Auch der Fotograf Mehnert ist zufrieden. Nach nur 15 Minuten hat er genug gute Bilder geschossen, die das Bühnenspektakel wieder spiegeln.

Das Fazit

Während des Shootings wird bewusst, wie sehr die Kultur fehlt. Die Performance der Darsteller war packend, oft musste man unter der Maske schmunzeln. Es hat so viel Spaß gemacht, den Schauspielerinnen und Schauspielern zuzusehen, wie sie voll in ihrem Element waren. Es ist beeindruckend, wie viel Arbeit es ist, eine inszenierte Fotoreihe zu schießen.