Premiere

Wie war’s bei … der Performance "LoveArchive" im E-Werk?

Gina Kutkat

In intimer Atmosphäre ein Stück über die Liebe erleben und Teil der Installation werden: Das ist bei der Performance "LoveArchive" von Karolin Stächele im E-Werk möglich. fudder-Redakteurin Gina Kutkat war bei der Premiere dabei.

Der erste Eindruck

Wo soll ich hingehen? Wo ist die Bühne? Wo sitzt das Publikum? In der Galerie 2 im E-Werk ist sich jeder am Anfang erst einmal unsicher, wo er oder sie hingehört. Also macht man erstmal das, was logisch erscheint: Sich langsam durch den Gewölbekeller bewegen, vorbei an den Säulen, den weißen Kisten, die auch Sitzmöbel sein könnten.

Soll ich mich setzen oder nicht? Was machen die anderen? Unsicherheit begleitet die ersten Minuten. Also erstmal weiter über den roten Teppich, der von den Deckenstrahlern angeleuchtet wird bis ins Eckchen, in dem man sich verstecken kann. Einige Zuschauer sind entspannter, machen es sich gleich in der Sitzecke bequem – und warten erst einmal ab.

Die Bühne und das Bühnengebaren

Die sechs Performerinnen und Performer sind bereits da: Sie schlendern durch den Raum, stehen hinter Säulen und bewegen sich unauffällig, sodass gar nicht auszumachen ist, wer zum Publikum und wer zur Performance gehört. Die Freiburger Tänzerin Karolin Stächele hat das Projekt gestartet und beginnt die Performance nach ein paar Minuten mit einer Begrüßung. Für die performative Installation hat sie sich Unterstützung ihrer Dagada Dance Company und von The Progressive Wave aus Berlin geholt. Zusammen arbeiten sie künstlerisch auf, was Stächele in zehn Monaten Forschungsarbeit über die Liebe herausgefunden hat.

Das Publikum

25 Menschen sind Teil der Perfomance, auch wenn in der Galerie 2 Platz für mehr wäre. Tänzerin Karolin Stächele möchte, dass die Erfahrung intim bleibt und das Publikum eintauchen kann. Nach einer kurzen Begrüßung verteilen sich die Besucherinnen und Besucher im Raum und gehen auf Entdeckungstour. Es gibt verschiedene Stationen, die Ergebnisse von Stächeles Forschungsprojekt präsentieren. Zehn Monate lang hat sie sich mit der Frage "Wie liebst Du?" beschäftigt und Menschen zum Thema Liebe und Beziehungen befragt.

So sitzen einige Zuschauer mit Kopfhörer an einer Videostation, andere lesen, was Menschen über die Liebe aufgeschrieben haben oder stöbern in einer Art Bibliothek. Die Möglichkeit, sich selbstständig durch den Raum zu bewegen, führt dazu, dass sich anfängliche Grüppchen schnell aufteilen und jeder sich alleine beschäftigt.

Das Forschungsprojekt

"Wie liebst Du?" Die Frage, welche Formen der Liebe wir heutzutage leben, hat die Freiburger Tänzerin und Choreografin Karolin Stächele in den vergangenen zehn Monaten sehr beschäftigt. Sie hat sie überall mit hingenommen und den unterschiedlichsten Menschen gestellt. Ihre Recherche hat sie auf ihrem Blog LoveArchive tagebuchartig dokumentiert. Zu finden sind dort Liebesbriefe, Videointerviews, Fotogalerien und Textschnipsel, die versuchen, die Liebe in all ihren Formen einzufangen. Ein zweiter Schritt ist der Perfomance-Abend im E-Werk: Roh und unbearbeitet teilt Stächele ihre persönlichen Erlebnisse aus den letzten Monaten. Dabei geht es ihr nicht um eine Evaluation des Projekts, sondern um ihr persönliches Empfinden.

Tanz & Performance

Sie schmiegen sich an Säulen, kriechen über den Boden, lehnen versunken an der Wand. Während das Publikum sich noch zurechtfindet, sind die sechs Performerinnen und Performer schon mitten drin in der Aktion. Erst bewegen sie sich verteilt im Raum und finden sich später zur Hauptperformance auf dem roten Teppich in der Mitte ein. Dort nähern sie sich an, stoßen sich ab, berühren sich, erst schüchtern, dann fordernd, um sich schließlich in einem menschlichen Knäuel wiederzufinden.

In diesem arbeiten sie sich vom Boden in Richtung Säule, an der sie sich dann zum großen Finale einfinden: Hier wird dann kräftig geatmet und gestöhnt. Die Grenzen zwischen Performern und Publikum verschwimmen, als einige aus dem Publikum von den Performern zum Tanzen aufgefordert werden.

Meine 15 Sekunden Ruhm

Es gibt einen Extraraum, den man nur einzeln betreten darf. "Bitte erst im Vorraum warten, bis Ihr Vorgänger rauskommt", werde ich instruiert. Also sitze ich, umgeben von Primeln und künstlichen Blumen, auf Treppenstufen und warte. Dann betrete ich den Raum, in dem sich nur ein anderer Mensch befindet. Er ist nackt und starrt mich an. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wie ich reagieren soll. Was erwartet er von mir? Die Unsicherheit, mit der ich den Abend begonnne habe, überkommt mich ein zweites Mal. Dazu gesellt sich noch eine Prise Scham, obwohl ich die angezogene Person im Raum bin. Die fünf Minuten fühlen sich wie eine halbe Ewigkeit an. Als ich mich noch frage, wie ich diese Situation souverän überstehe, geht das Licht aus und ich mache Platz für den nächsten.

Pauschalurteil

Wer Lust hat, sich auf eine spezielle Erfahrung einzulassen und lernen möchte, wie andere Menschen Liebe leben, sollte sich ins "LoveArchive" begeben.



Was: LoveArchive
Wann: Di, 28. Januar, Mi, 29. Januar, Do, 30. Januar, Fr, 31. Januar und Sa, 1. Februar, jeweils um 17.30 und 19.30 Uhr
Wo: E-Werk, Galerie 2, Eschholzstraße 77
Eintritt: 12 Euro, 9 Euro ermäßigt