Klimastreik

Wie war’s bei… der Fridays-for-Future-Demo in Freiburg?

Alexander Schneider

Durch den Regen – für den Regenwald ist an diesem Freitag das Motto von Fridays for Future. Rund 300 Demonstranten kamen am Platz der Alten Synagoge in Freiburg zum Internationalen Regenwaldtag zusammen.

Der erste Eindruck

Kurz vor 12 Uhr sind noch nicht viele Menschen am Platz der Alten Synagoge – an diesem Freitag werden es wohl nicht so viele wie sonst an globalen Streiktagen der Aktivisten. Zwei kleine Zelte sind aufgebaut, unter welchen man vor dem Regen Schutz findet.

Die Demonstranten

Trotz des Regens sind zwischen 250 und 300 Demonstranten gekommen, um für Wälder auf der ganzen Erde zu demonstrieren. So gut wie alle Altersschichten sind abgedeckt: Schülerinnen und Schüler, Studierende, Eltern und Seniorinnen und Senioren sind da.

Stimmen von der Demo

Barbara (44) ist Professorin für Soziale Arbeit und Teil von Scientist for Future. Sie zitiert die repräsentative Shell Jugendstudie von 2019, in welcher fast Dreiviertel der Jugendlichen sich große Sorgen um die Umweltverschmutzung machen – und Barbara gibt ihnen völlig recht. Sie sagt, dass man vieles wahrscheinlich nicht mehr verhindern könne, aber das sei dennoch kein Grund, zu Hause rumzusitzen und nichts zu tun:"Ich will zu meinen Kindern später nicht sagen, ich hab es gewusst, habe aber dennoch nichts getan."

Michael (50) ist an diesem Freitag zusammen mit seinem Sohn Jakob (13) da. Er macht sich nicht nur Sorgen um die Zukunft seiner Kinder, das Problem sei akuter. Er macht sich auch um seine eigene Zukunft sorgen. "Überall brennen die Wälder, das ist eigentlich das Schlimmste, das passieren kann. Sie sind die Lungen der Erde." Michael sagt, wir seien mitverantwortlich, dass die Wälder brennen. Denn wir importieren Rindfleisch und Soja und treiben die Landwirte im Amazonasgebiet dazu, neue Flächen gewinnen zu wollen: "Das alles landet dann auf unserem Teller." Sein Sohn Jakob ist gegen Massentierhaltung und demonstriert für eine gute Zukunft.

Die Themen

Zu Beginn hält Fridays-for-Future-Sprecheirn Anna Castro Kösel eine Rede, die den Anlass der Demo klar macht: Die Lunge der Erde brenne. Auf der ganzen Welt brennen die Wälder. Einzelne Länder und Konzerne beuteten den Amazonas als Wirtschaftsquelle aus. Politiker sollten aufhören, Profit aus den Wäldern ziehen zu wollen. "Our house is on fire!" sagt Anna. Die Demo sei auch dem indigenen Waldschützer Paulo Paulino gewidmet, der am 2. November 2019 durch illegale Holzfäller ermordet wurde. In vielen Ortsgruppen Deutschlands und anderen EU-Ländern wird an diesem Freitag demonstriert.

Die Atmosphäre

Die Temperaturen sind kühl, das Wetter ist nass und das spiegelt sich auch ein bisschen in der Stimmung wider. Zu Beginn stehen alle noch leicht angewurzelt im Regen da. Aber als die Menge gemeinsam losläuft, kippt die Stimmung ins Positive. Die meisten bewegen sich dynamisch zur Musik und singen gemeinsam für den Regenwald und das Klima. Ein paar ziehen sich Perücken auf und tanzen lebhaft zu "Stayin’ Alive" – das zieht die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich.

Die Aktionen

Im Programm stehen modifizierte Weihnachtslieder die an den Ernst der Lage erinnern sollen: "CO2, CO2, wir sind dann mal so frei, Hauptsache, die Wirtschaft wächst, ja was ist denn schon dabei?" heißt es in der angepassten Version von Jingle Bells.

Die Menge braucht ein bisschen, um mit den Liedern warm zu werden, was vielleicht den kalten und nassen Temperaturen zu schulde kommt. Die Organisatoren merken aber schnell, dass die Menschen nicht in Stimmung sind, um zu singen – also beschränkt man sich auf’s Marschieren.

Sie gehen Richtung Mensa an der Rempartstraße und begeben sich dann durch das Martinstor und laufen auf der Kaiser-Joseph-Straße bis zum Europaplatz. Dort geht es Richtung Friedrichstraße bis sie am Rotteckring ankommen und dann begeben sie sich zurück zum Platz der Alten Synagoge und beenden ihre Runde.

Dort angekommen gibt es noch eine Abschlussrede, welche den Konzern "Deutsche Bank" kritisiert, dessen Filiale gerade passiert wurde. Er solle aufhören, ständig an den Profit zu denken und in klimaschädliche Programme zu investieren.

Verantwortliche von Extinction Rebellion koordinierten zum Schluss eine kleine poppige Tanzeinlage. Mit vollem Körpereinsatz tanzten viele zu "Stayin’ Alive" damit die Menschen und die Wälder am Leben bleiben.

Jeder darf sich noch ein Geschenk zu Weihnachten abholen. Es gibt selbstgebaute Samenbomben, die man aber nicht unter den Weihnachtsbaum legen, sondern erst im Frühjahr in der Natur verteilen sollte.

Kommende Aktionen

Nach Silvester will Fridays for Future eine Säuberungs Aktion am 1. Januar 2020 veranstalten. Im Fokus soll der Bereich um den Schönberg stehen, da dieser immer besonders betroffen ist. Der Treffpunkt wird voraussichtlich am Nachmittag an der Straßenbahn-Haltestelle "Vauban-Mitte" sein. Genaueres wird noch online von Fridays for Future Freiburg bekannt gegeben.