Kultur

Wie war’s bei… der "Fluxuriös Poetry Jam" im Fluxus?

Charlotte Wagner

Zum ersten Mal ging es gestern "Fluxuriös" zu beim Poetry Jam im Fluxus. Die Hütte war voll und es explodierte ein Feuerwerk an künstlerischer Vielfalt. Fortsetzung folgt.

Fluxuriös und Poetry Jam, wie passt das zusammen? Fluxus wurde als Kunstbewegung in den 1960er Jahren bekannt und beschreibt den fließenden Übergang zwischen Kunst und Leben beziehungsweise der Einheit von Kunst und Leben. Außerdem handelte es sich bei besagter Bewegung um den Aufschrei von Künstlern gegen die elitäre Hochkunst. Da lässt sich anknüpfen: Auch an diesem Donnerstagabend im Fluxus, dem gemütlichen "Hausrestaurant" des E-Werk, treten Lebenskünstler auf, die das Publikum nicht belehren, sondern vielmehr zum Lachen, Nachdenken und Mitwippen bringen möchten: Vier Poeten, ein Musiker-Duo sowie zwei weitere Solokünstler bieten dem Publikum ein buntes Programm.


Am Anfang gibt’s von den Moderatoren "einen drauf" an altbekannten Stadt-Stereotypen: In ihrer Widmung "Freiburg" lassen sich Cäcilia Bosch und Ansgar Hufnagel über die grüne Ökostadt aus, die mehr Bordelle als Diskotheken böte, unzählige Yoga-Studios und Waldkindergärten. Und das wilde Treiben der Raudis werde durch die Säule der Toleranz reguliert. Das Publikum scheint zu Beginn noch etwas verhalten zu sein – oder es ist die deutsche Angepasstheit, die aber schon bald vom Tisch gefegt wird. Denn der Abend bietet Abwechslung pur - von satirischen Texten über visionäre Geburtenkontrollen durch Intelligenz- und Erziehungtests, polarisierenden Feminismusdebatten über Bettgeschichten, die an Roches’ Feuchtgebiete erinnern lassen, Nachdenklichem über die Hanau-Anschläge und die bedrohliche "braune Brühe" sowie Reflektionen über die Generation Y oder skurrile Alltagsabenteuer mit Haustierkämpfen.

Und nicht nur das gesprochene Wort erfreut das voll besetzte Haus: Musikalische Einbindung kommt durch Singer-Songwriter-Acts und ein Musiker-Duo - mit sentimentalen und erheiternden Texten, aber auch zu Reggae, Pop und Soul kann mitgewippt werden.

Die bunte Mischung - das ist es auch, was die Moderatoren und Veranstalter des Abends Cäcilia und Ansgar vom Bühnenduo "Einfach so" mehr als einmal betonen: "Jeder ist auf der Bühne willkommen, bei unserem Poetry Jam – die Betonung liegt auf Jam – geht es um einen wettbewerbsfreien Raum", so Ansgar gegen Ende der Veranstaltung.

Im Gegensatz zu einem Slam wird hier kein künstlerischer Beitrag bewertet, der Fokus liegt auf regionalen (Hobby-) Jammern und auch den Genres und Altersgruppen sind keine Grenzen gesetzt: Ob Poetry, Stand Up, Musik oder Comedy – beim Jam hat alles Platz, was sich den Weg zum Publikum bahnen und geteilt werden möchte.

Wer also Interesse hat, kann sich über www.einfachsoeinfach.de informieren.
  • Was: Fluxuriös – der Poetry Jam
  • Wann: Nächste Termine: 23. April, 23. Juni, 10. September, 8. Oktober, 19. November
  • Wo: Restaurant Fluxus (im E-Werk), Eschholzstraße 77
  • Eintritt: 8/5 Euro