Kino

Wie war’s bei … der Filmvorführung von "Be Wild" im Koki?

Alexander Schneider

Ihr Anspruch war es einen emissionsfreien Film zu drehen: Nun wurde der Film der Offenburger Studierenden "Be Wild" im vollen Kommunalen Kino Freiburg gezeigt – und danach lebhaft darüber diskutiert.

Das Filmteam

Die jungen Filmemacher/innen Bonina, Sebastian und Chris waren anwesend. Das vierte Mitglied, Matthis, konnte leider nicht kommen. Auf die Frage ob sie alle mit dem Fahrrad von Offenburg gekommen seien, antwortet Chris lachend, dass es eine Überlegung war, eine riesige Fahrradtour von Vorführung zu Vorführung zu machen. Diesmal entschieden sie sich aber für den Zug. Das Team wirkte sehr routiniert und war kaum aufgeregt. Sie hätten ja schon einige Vorstellungen hinter sich, sagt Sebastian.

Das Publikum

Bei den Themen Klimawandel und Aktivismus hätte man nicht erwartet, dass so viele verschiedene Altersgruppen auftauchen. Für Sebastian ist das nicht überraschend, denn schon bei der ersten Vorstellung lag laut ihm der Altersdurchschnitt bei 40 Jahren. Es waren viele junge Aktivistinnen und Aktivisten da, sowie Franziska (25) und Jonas (28), die durch die Extinction-Rebellion-Telegrammgruppe auf den Film aufmerksam wurden. Aber auch Beate (59) ist Teil von Extinction Rebellion und der Anti-Atomgruppe-Freiburg und setzt sich aktiv ein. Andere kamen spontan, weil sie durch das Kinoprogramm oder den Trailer den Film entdeckten.

Die Atmosphäre

Vor und nach dem Film kamen viele ins Gespräch und jeder war sehr positiv. Alle Anwesenden waren sehr offen und herzlich. Der Film selbst, obwohl er schwere Themen anschneidet, versprühte eine positive und beruhigende Stimmung. Mit ungefähr 90 Besuchern war der Kinosaal im Koki voll.

Der Film

Der Film startet damit, dass eine befahrene Straße gezeigt wird. Die Szene wird mit Musik unterlegt, die Normalität suggeriert. Kurz darauf fahren drei der Filmemacher mit dem Fahrrad auf dem Fahrradweg in die entgegen gesetzte Richtung ins Bild und die Stimmung schwenkt und stellt die drei als Sonderlinge da. Das ist auch die Message des Films laut Chris: Wir haben uns so an unseren Lebensstil gewöhnt und finden eine vollbefahrene Straße normaler, als drei Jungs die sich für die Umwelt einsetzen.

Die Menschen der verschiedenen Klimabewegungen werden als radikal bezeichnet, obwohl sie nur das Mindeste fordern, um den Planeten zu erhalten. Doch unsere radikale Lebensweise, die den Planeten zerstört, wird als "normal" betrachtet: "Die Normalität ist radikal" heißt der Untertitel des Films. Mit 45 Minuten ist der Film relativ kurz.

Die Diskussion

Es wurden viele Themen angesprochen: Wie kriegt man die Politik dazu auf die Menschen zu hören? Brauchen wir einen Systemwandel? Woraus ziehen die Aktivisten und Aktivistinnen ihre Kraft weiterzumachen? Wie sollte man mit Kritik umgehen? Und viele mehr. Das Filmteam Chris, Bonina, Sebastian und die Aktivisten von Extinction Rebellion Margarethe Radetzki und Martin Krahl, sowie Anna Castro Kösel und Jesko Treiber von Fridays for Future stellten sich der Diskussion. Nicht auf alle Fragen fand die Runde eine Antwort und manchmal sprang das Publikum auch von Thema zu Thema, ohne, dass auf das vorherige ausführlich eingegangen wurde.

Lob und Kritik

Besucher Cornelius (27) mochte die positive Stimmung des Films und fand diesen sehr inspirierend. Der Film hätte das Potential Menschen für die angesprochenen Thematiken zu interessieren. Der Anspruch der Filmemacher sei, sagt Cornelius, es nicht gewesen, eine dystopische Atmosphäre zu präsentieren, sondern Menschen zu ermutigen.

Luciano (47) ist selbst Filmemacher und fand den Film ganz nett. Ihm sei die Intention des Filmes bewusst, doch für ihn sei er zu oberflächlich und ihm habe der Fokus gefehlt. Man setze sehr viel Hintergrundwissen voraus und er fragt sich, an welche Zielgruppe der Film gerichtet sei. Dennoch schätzte er die Bemühungen der jungen Filmemacher.