Konzert

Wie war’s bei … Clueso im Zirkuszelt auf dem Zelt-Musik-Festival?

Anika Maldacker

Am Freitagabend trat der Erfurter Sänger Clueso vor einem ausverkauften Zirkuszelt beim Freiburger ZMF auf. Ein Abend voller guter Laune und Euphorie – mit einem Musiker, der Generationen vereint.

Der erste Eindruck

Da hat sich etwas aufgestaut in den vergangenen zwei Jahren. So viel Euphorie, so viel Hunger nach Live-Musik. Das Zirkuszelt ist bis über die beiden Eingänge hinaus voll. Auch draußen auf dem Freiburger Zelt-Musik-Festival-Gelände tummelt sich die Menge an diesem Freitagabend. Als der Erfurter Musiker Clueso mit seiner achtköpfigen Band die Bühne betritt, ist das Publikum so sehr dabei in den kommenden zwei Stunden. Und der Musiker erst. In einem Interview hatte er vor zwei Monaten noch prognostiziert, dass die Konzerte nach den Pandemie-Pausen einzigartig würden. Die Bemühung darum, seine eigene Prophezeiung wahr zu machen, merkt man ihm an.

Das Publikum

Clueso-Musik ist so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner der Unter-40-Jährigen der Republik. Die einen sind mit dem Musiker, der seit mehr als zwanzig Jahren Musik macht, groß geworden, sind auf seinen frühen HipHop aufmerksam geworden. Andere kennen ihn seit Auftritten in Stefan-Raab-Shows in den 10er-Jahren. Andere hörten eingängige Radiostücke mit Chartplatzierungen wie "Keinen Zentimeter", "Gewinner" oder "Chicago". Oder sahen ihn in der VOX-Show "Sing meinen Song", die dieses Frühjahr ausgestrahlt wurde. Clueso bietet mit seinem leicht verdaulichen Deutsch-Pop Anknüpfungspunkte für jeden. Diesen jungenhaften 42-Jährigen aus Erfurt kann man einfach nicht nicht mögen. Im Zirkuszelt stehen Schulkinder neben Studentinnen, ein paar wenige Maskenträger neben kuschelnden Pärchen, Rentnerpaare neben 20-Jährigen und Mittvierziger neben jungen Müttern. Und sie sind nicht nur aus der Region. "Wer kommt aus Freiburg?" fragt Clueso in die Menge. Nur die Hälfte des Zelts jubelt.

Die Setliste

Mit "Achterbahn" eröffnet Clueso das rund zweistündige Konzert am Freitag und schließt mit dem Song "Neuanfang" an. Mit dem gleichnamigen Album läutete der Musiker 2016 einen musikalischen Neustart ein – und es ist auch nun eine Art Neuanfang. Zwei festivalfreie Jahre liegen hinter den Menschen. Die aufgestaute Euphorie über wiederstattfindende Konzerte ergreift das ausverkaufte ZMF-Zelt. Es gibt Platz für alle Emotionen. Bei "Tanzen" federt der Holzboden wegen des hüpfenden Publikums, bei "Alles zu seiner Zeit" schwenken melancholisch Arme und leuchtende Handys mit. Bei alten Songs wie "Love the People" von 2004 ist das Unwissen zu spüren – einige Fans waren damals noch nicht geboren.

Die Musik

Mehr als 20 Jahre macht Clueso schon Musik. Der 42-Jährige, der nach seinem Hauptschulabschluss eine Friseurlehre begann, aber nicht abschloss, schöpft mittlerweile aus einem beeindruckenden Repertoire. Vergangenes Jahr veröffentlichte er sein neuntes Studioalbum, das er "Album" nannte – als Statement für die Kunstform Album. Auf "Album" wagt Clueso nochmal einen musikalischen Neuanfang und lenkt seine Musik Richtung urbanem Gute-Laune-Pop. Die Platte wollte er bereits im Februar in Freiburg vorstellen. Pandemiebedingt wurde das Konzert jedoch verschoben.

Das Bühnengebaren

Ein wenig unscheinbar sieht der schlaksige Mann mit weißem Polo und schwarzer Chino-Hose auf der Bühne auf den ersten Blick schon aus. Aber mit seinem Charme reißt der 42-Jährige, der mit gebürtigem Namen Thomas Hübner heißt, das ganze Zirkuszelt mit. 2015 bespielte er das Zirkuszelt zuletzt. Vor allem auf seine vielen Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Republik nimmt er Bezug. Die Musikbranche hat die vergangenen zwei Jahre gelitten, daran will er trotz der Freude erinnern. Viele seiner Songs aus den vergangenen Jahren sind Kollaborationen – von den Fantastischen Vier, dem Musiker-Duo SDP, der Singer-Songwriterin Elif oder dem Rapper Bozza. Einer der den Erfurter Musiker nicht loslässt: der betagte Mann mit der Sonnenbrille und dem Hut. Wenn Clueso drei Anekdoten, die er mit Udo Lindenberger erlebt hat, erzählt und dabei selbst fast am lautesten lacht, merkt man, dass das gemeinsame Remake des Lindenberg-Songs "Cello" eine tiefe Freundschaft losgetreten hat. "Udo, ich liebe dich", sagt Clueso – aber das hätte das Publikum auch ohne den Zusatz gemerkt.

Was in Erinnerung bleibt

Nach knapp zweistündigem Konzert bleibt der Eindruck eines Abends voller Wohlfühlmomente. Mit einem Musiker, der in den vergangenen zwanzig Jahren Deutschlands Musikszene geprägt hat und tatsächlich ein Kompromiss zwischen den Generationen sein – und mit seinem Charme zwei Stunden unterhalten kann. Am Ende gibt es nicht nur stürmischen Applaus, sondern auch zustimmendes Gestampfe. Was für ein schöner, unkomplizierter Abend!