Artik

Wie war’s bei... 900 Minuten zwischen Stillstand und Aufbruch?

Martha Martin-Humpert

Kunst und funky Tunes: Am Samstag haben Nachwuchskünstler ihre Werke im Kulturpark von Artik und Kubus ausgestellt. Das Konzept: Kunstschaffenden zeigen ihre Kunst – Performance-Künstler reagieren. Das L'Imunsystem hat im Anschluss den Postlockdownbodys den nötigen Schwung verpasst.

Der Ort

Der Kulturpark (wahrscheinlich allen besser bekannt als "der Hof von da wo mal Schmitz Katze war, wo jetzt das Artik ist") strahlt immer einen gewissen urbanen Charme aus. Hier sammeln sich mit Kubus, Südufer, Artik und Mohrentopf kreative Köpfe aus ganz verschiedenen Bereichen. Auf Palettenmöbeln und unter der Pergola kann man es sich bequem machen, viel hat sich seit Pandemiebeginn nicht geändert, in dem Fall ist das einfach gut so.

Die Kunst

Die Performance-Künstler am Mittag hat man leider verpasst, doch noch kann man in der Kubus-Halle und im Hof verschiedene Werke bestaunen. Insgesamt zwölf Personen waren an dem Projekt beteiligt, im Spektrum zwischen Bildhauerei und Videokunst. Holzfiguren schauen ins Weite, ein riesiges hellrosa Kissen thront an der Wand, in Filmcollagen räkelt sich ein Wesen in Mullbinden.
Besonders schön: eine Soundinstallation, bestehend aus einem gummiartigen, hellbeigen Latex, mit vielen kleinen Nippelchen das über eine Tonne gespannt ist. Es bläht sich auf, scheint fast zu atmen. Berührt man nun dieses hautartige Etwas, werden die Töne über einen Lautsprecher übertragen. Gemeinsam trommelt und zupft man eine unstete Melodie. Daraus entsteht ein scharrender, klopfender Klangteppich, der einen meditativ einsaugt.

Die Leute

Hach, was sind die alle fesch hier. Man kommt sich vor wie in einer dieser alten Aperol-Sprizz-Werbungen, bei der wunderschöne und gutangezogene Menschen gemeinsam feiern. Die 90er sind zurück, flared Pants, a lot of Leoparden Look, Trainingsjacken und kleine Bauchtaschen bestimmen das Bild. Einfach nur dasitzen und all diese wunderbaren Gestalten bei Kunstbetrachtung und Tanz zu begutachten ist Balsam. Anfangs sind es nur einige wenige, die sich hier tummeln, doch irgendwann machen sich bestimmt 150 Personen im Hof breit. Die Stimmung ist ausgelassen, alle haben offensichtlich Hunger auf Bewegung und Austausch mit fremden Personen.

Der Sound

Let’s have a Funk Soul Party. Ab sechs Uhr legt das L'imunsystem auf. Die drei Jungs ziehen einen tanzbaren Hit nach dem nächsten aus dem Plattenkoffer. "I like to party, everybody does! Make love and listen to the music." – Der zeitlose Banger wird zwar erst zum Ende gespielt, steht aber für die funky Vibes allgemein: Denn es liegt Liebe in der Luft, Hüften kreisen, Arme werden in die Höhe geworfen und so manch einer kommt sich doch näher als die vorgeschriebenen 1,5 Meter Abstand. Jede Ader scheint zu vibrieren. Der sommerlichen Klangkulissen kann auch der immer wieder einsetzende Regen nichts anhaben. Zwischendurch bläst die Nebelmaschine dicke Schwaden süßen Qualms unter das tanzende Volk. Wenn er sich langsam verzieht, tauchen glückliche Gesichter zurück in die Klarheit zurück.

Das Ende

Doch alas my love: Zu früh, zu früh muss alles enden. Um 10 Uhr abends sind die Schotten dicht. Als wäre man wieder 15 und müsse aufpassen, jetzt ja bloß nicht zu betrunken zu Hause aufzuschlagen. Doch das Gefühl hält nur kurz vor, leise munkelt es von nächtlichen Tanzgelegenheiten im Umland. Und so zerbricht die Menge in kleine Grüppchen, die in die Nacht verschwinden, auf der Suche nach dem nächsten Endorphinschub.