Finanzen

Wie Studierende aus Freiburg mit der Inflation umgehen

Greta Zieger

Die Finanzberatungen vom Freiburger Studierendenwerk werden seit Monaten stark in Anspruch genommen: Auch Studierende mit schmalen Budget sind von der Inflation betroffen. Wie verhalten sie sich angesichts steigender Kosten?

Sei es im Supermarkt, in der Mensa oder im Restaurant: Die Inflation treibt die Lebensmittelpreise immer weiter in die Höhe. Das trifft vor allem Menschen mit kleinem Geldbeutel, die die steigenden Kosten nicht auffangen können – insbesondere Studierende.

Anna Koroleva ist 23 Jahre alt, studiert Sport und Biologie und hat nach der Kurzarbeit während der Pandemie nun wieder einen vollen Nebenjob. Die steigenden Kosten beeinträchtigten sie nicht sehr stark, sagt die Studentin. Trotzdem habe sie die höheren Preise bemerkt: "Es läppert sich, vor allem als Studentin, die nicht zu teuer essen kann und möchte." Zukunftsängste habe sie aber nicht.

"Es läppert sich, vor allem als Studentin, die nicht zu teuer essen kann und möchte" Anna Koroleva
Sie geht davon aus, dass die Veränderungen nach der Pandemie und mit dem Krieg der natürliche Lauf der Wirtschaft sind und sich schon wieder ausbalancieren werden. Dennoch, sagt sie, seien viele Studierende nach der Corona-Zeit vorbelastet: "Corona hat Einschränkungen gebracht. Viele konnten lange Zeit nicht arbeiten, vor allem wer einen Job in der Gastronomie hatte. Und auch wenn man es jetzt wieder könnte, ist es schwierig, Studium und Arbeit unter einen Hut zu bekommen."

Das SWFR versucht allen zu helfen

Schon seit zwei Jahren herrscht eine Ausnahmesituation. Das bestätigt Claudia Sedelmeier, Pressesprecherin des Studierendenwerk Freiburg (SWFR). Dadurch steige die finanzielle Belastung für Studierende an. Die vom SWFR angebotenen, persönlichen Finanzberatungen würden seit Monaten stark in Anspruch genommen. Um die steigende Arbeit zu bewältigen, sei personell aufgestockt worden: "Wir helfen allen, nicht nur denen, die unter irgendeine Grenze fallen", sagt Sedelmeier. Und viele brauchen Hilfe, eine "normale" wirtschaftliche Situation läge schließlich schon drei Jahre zurück.

"Wir helfen allen, nicht nur denen, die unter irgendeine Grenze fallen" Claudia Sedelmeier
Gleichzeitig nehmen Studierende immer seltener Bafög in Anspruch. Mit der Erhöhung von Freibeträgen und Schonvermögen, sowie der Steigerung der Bafög-Sätze ist die staatliche Unterstützung am 23. Juni zwar in den medialen Fokus gerückt, doch viele Studierende wissen gar nicht, ob sie Anspruch darauf haben, wollen sich nicht verschulden oder haben Angst vor der Bürokratie. Außerdem seien die Reformen zu spät gekommen, so das SWFR. Die Hürden müssten weiter runtergesetzt werden, sodass Studierende mit finanziellen Schwierigkeiten leichter an die Unterstützung kommen würden. Für Studierende, die kein BAföG erhalten und in finanzielle Not geraten, gäbe es aber noch weitere Optionen: Sedelmeier zählt unter anderem Darlehen, Zuschüsse, Not- und Überbrückungshilfen auf.

Wer nicht studiert, hat es oft noch schwerer

All diese Hilfen erreichen den 27-jährigen Hanza Kalai nicht. Er ist studierter Zahnarzt aus Tunesien und absolviert gerade an der Universität einen Gleichwertigkeitstest, um in Deutschland arbeiten zu können. Auch er merkt die angestiegenen Preise, vor allem bei den Lebensmitteln. Sorgen macht ihm der Anstieg schon: "Die Situation wird schwerer und schwerer. Mit dem Geld, was ich zur Verfügung habe, kann ich hier bald nicht mehr leben." Um zu sparen, werde er demnächst in ein billigeres Zimmer ziehen. Doch das gestaltet sich gar nicht so leicht: Da er bis zum Bestehen des Tests nicht als Student gilt, sondern als selbstständig, darf er nicht in ein Studentenwohnheim ziehen. Ähnliches berichtet Siyuan Zhang, eine Germanistik Studentin aus China, die als Doktorandin ebenfalls keinen Platz in einem günstigeren Wohnheim bekommt. Die Miete auf dem freien Wohnungsmarkt frisst viel Geld, das in Zeiten wie diesen ohnehin sehr knapp ist. Kalai hat kein Verständnis: "Deutschland hilft so vielen, aber studierten Leuten nicht."

"Mit dem Geld, was ich zur Verfügung habe, kann ich hier bald nicht mehr leben." Hanza Kalai
Unabhängig von seiner Situation begrüßt Kalai mehr Unterstützung für Studierende, schließlich würden sich die Preissteigerungen weiterhin verschlimmern: "Es sollen nicht nur die eigenen Familien helfen, sondern auch der Staat." Viele in seinem Umfeld würden auf Nebenjobbasis arbeiten, um finanziell auszukommen – "aber gleichzeitig zu studieren und zu arbeiten ist hart." Claudia Sedelmeier empfiehlt, in Fällen der finanziellen Not eine Beratung wahrzunehmen. Diese könne entweder nach Terminvergabe oder in Form einer offenen Kurzberatung täglich zwischen neun und 17 Uhr wahrgenommen werden. Hier könne man eine erste Einschätzung erhalten, welche Hilfen möglich seien.

Bedarfsgerechte Hilfen als Lösung?

Dass diese Hilfen aber nicht allen zugänglich sind, findet Louis Friedrich gerecht. Der 19-jährige Politikwissenschaft-Student hält eine starke Bedarfsprüfung und klare Grenzen für wichtig, damit nicht solche unterstützt werden, die finanzielle Hilfen gar nicht bräuchten. Dazu zählt er sich selbst: mit seinem Stipendium, seinem Job beim Studierendenwerk und der Unterstützung seiner Eltern brauche er sich keine Sorgen zu machen, sagt er. Dennoch findet er es notwendig, Unterstützungen näher an die Leute zu bringen, die es benötigen. Man solle "die Leute besser ansprechen und die Kriterien für den Anspruch auf Hilfen klarmachen."

Wie die Sorge um gesteigerte Lebensmittelpreise in den Medien präsentiert wird, findet Louis allerdings übertrieben. "Ich kenne niemanden, der davon schon so wirklich betroffen ist", sagt er. Er selbst habe zwar die 25 Cent mehr in der Mensa bemerkt, fände das aber in der aktuellen Situation gerechtfertigt. Schlimmer würden Anstiege in der Technik- oder Baubranche auf den Geldbeutel schlagen: "Vor allem im Bereich der Miete und beim Wohnen machen Preissteigerungen einen großen Unterscheid, und es wird schwierig, das Geld aufzubringen."

"Die Leute werden sich fragen: Wie kann ich Rechnungen bezahlen und einkaufen gehen?" Samira Merenz
Samira Merenz, 24 Jahre und ebenfalls Politikwissenschaftsstudentin geht es ähnlich: Sie sei finanziell gut aufgestellt, auch wenn sie nun öfter zu Penny gehe als zu Edeka, denn da sei es billiger, sagt sie. Trotzdem mache sie sich Sorgen, vor allem um die Gesundheit der Ärmeren: "Leute, die an der Armutsgrenze leben, werden Abstriche machen müssen, und ich befürchte, dass sie das bei der Ernährung tun müssen." Denn Obst und Gemüse sei teuer, im Gegensatz zu vielem ungesunden Essen. Doch so werde die Entscheidung wohl fallen, meint Merenz. "Die Leute werden sich fragen: Wie kann ich Rechnungen bezahlen und einkaufen gehen?"

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