Erfahrungsberichte

Wie Rettungssanitäter und Krankenpfleger die Corona-Impfung erlebt haben

Anika Maldacker

Seit mehr als drei Wochen werden am Freiburger Impfzentrum Menschen der Gruppe 1 gegen Covid-19 geimpft. Wir haben bei Mitarbeitern von Intensivstationen und Rettungsdiensten gefragt, wie die Impfung bei ihnen lief.

Seit dem 27. Januar werden im Freiburger Impfzentrum über 80-Jährige und Personal aus Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdiensten geimpft. Besonders bei Mitarbeitern aus der Pflege sorgte eine Skepsis gegenüber der Impfung für Diskussionen. Wir haben Personal von Rettungsdiensten und Kliniken gefragt, das schon geimpft wurde, wie die Impfung bei ihnen lief.

Marlon Wendel, 28 Jahre, aus Freiburg, Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Emmendingen:



"Die Kreisgeschäftsführung des DRK hat uns einen Link geschickt, über den wir uns für die Corona-Impfung anmelden konnten. Ich bekam einen Termin am 7. Januar am Impfzentrum in Freiburg. Zunächst hat das DRK Emmendingen versucht, einen gemeinsamen Termin für das Team zu organisieren. Aber das hat nicht geklappt. Zum Impftermin musste ich eine Bescheinigung vom Arbeitgeber mitbringen, um zu zeigen, dass ich zur Impfung berechtigt bin. Den Termin hatte ich um 9.45 Uhr. Am Eingang musste ich meinen Vermittlungscode vorzeigen, dann wurde Fieber gemessen und ich musste angeben, ob ich in den vergangenen zwei Wochen positiv getestete Personen getroffen habe. Dann wurde ich nach Allergien gefragt und musste eine Einwilligung unterschreiben. Aufgefallen ist mir im Impfzentrum, dass dort laut Baden.fm läuft. Die Impfung ging schnell. Ich habe keine Nebenwirkungen gespürt. Nach der Grippeimpfung hatte ich mehr Schmerzen. Die Impfung ist mir wichtig, weil ich mich nicht anstecken will. Im Rettungsdienst gibt es immer wieder Situationen, in den unklar ist, ob jemand mit Covid infiziert ist."

Pia Otto, 27 Jahre, aus Freiburg, Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Anästhesiologischen Intensivstation der Uniklinik Freiburg:



"Im Impfzentrum lief alles reibungslos ab. Es gab ein kurzes Anamnesegespräch – und die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Da wir allerdings auf der Station Kurzfortbildungen zur Impfung gehabt, fühlte ich mich gut aufgeklärt. In der Kabine wurde ich noch einmal gefragt, ob ich Fragen habe, und bekam dann die Spritze: ein kurzer Pieks, sonst habe ich nichts gespürt. Im Anschluss ging es für 15 Minuten weiter in den Wartebereich, falls es zu Impfreaktionen kommen sollte. Da dies bei mir nicht der Fall war, durfte ich bald gehen. Ich hatte für etwa zwei Tage leichte Schmerzen an der Einstichstelle, wie ich es auch nach anderen Impfungen kenne. Mittlerweile spüre ich nichts mehr. Zum einen bin ich dankbar, dass ich durch die Impfung besser vor einer möglichen Infektion geschützt bin. Denn in meinem Arbeitsalltag sehe ich immer wieder, wie dramatisch sich die Erkrankung entwickeln kann. Auf meiner Station behandeln wir Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Obwohl wir ausreichend Schutzkleidung tragen, besteht immer ein Restrisiko, sich anzustecken. Außerdem will ich auch die Menschen zu Hause schützen und langfristig meinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten."

Sebastian Müller, 38 Jahre, aus Freiburg, Rettungsassistent bei den Maltesern in Freiburg:



"Mir wurde am 30. Dezember kurzfristig per SMS ein Termin zur Impfung angeboten. Ich wusste, dass wir Rettungsdienstler auch spontan in die Terminvergabe reingeschoben wurden. Mein Eindruck vom Impfzentrum: Es ist sehr gut organisiert, das Personal ist freundlich. Der Arzthelfer, der mich impfte, sagte, dass er schon reich wäre, wenn er für jedes Impf-Selfie fünf Euro bekäme. Die einzige Nebenwirkung waren bei mir Schmerzen um die Einstichstelle. Aber schon drei Tage nach der Impfung habe ich wieder normal Sport getrieben. Für mich ist es selbstverständlich, sich impfen zu lassen. Ich würde ja auch nicht Auto fahren ohne angeschnallt zu sein. Ich habe meine Impfung in sozialen Medien dokumentiert, um den Leuten zu zeigen, wie unkompliziert sie läuft. Mein Eindruck war, dass es viele Fragen zum Ablauf gibt. Die Rückmeldungen dazu waren auf Twitter überwiegend positiv, auf Facebook im Netzwerk Freiburg zur Hälfte negativ."

Deniz Dumlu, 21 Jahre, aus Bollschweil, Rettungssanitäter bei den Maltesern in Freiburg:



"Das mit dem Impftermin ging überraschend schnell. Schon am 1. Weihnachtsfeiertag habe ich eine Mail bekommen, mit der ich mich hätte anmelden können – aber die rund 90 Termine waren in nicht mal einer Stunde weg. Mir wurde aber schon am 30. Dezember ein neuer Termin am Tag drauf angeboten. Im Freiburger Impfzentrum lief alles reibungslos ab. Ich finde es wichtig, dass wir vom Rettungsdienst als gutes Beispiel vorangehen. Die Impfung ist die einzige Chance im Moment, wieder etwas mehr Normalität in unsere Leben zu bringen. Ich sehe es als Bürgerpflicht, sich impfen zu lassen. In meinem Umfeld gibt es Menschen, die der Impfung skeptisch gegenüberstehen oder Verschwörungsmythen nicht abgeneigt sind. Das irritiert mich und ich weiß nicht, wie ich mich dieses Leuten gegenüber verhalten soll."

Corinna Lehming, 40 Jahre, aus Freiburg, Gesundheits- und Krankenpflegerin im St. Josefskrankenhaus:



"Den Termin bekam ich durch meinen Arbeitgeber. Jeder, der Interesse an der Impfung hatte, konnte sich melden und bekam dann einen Termin zugeteilt. Die Impfung lief im Grunde wie jede andere auch ab – mit einem kleinen Picks in den Arm. Durch einen glücklichen Zufall wurde ich von einer ärztlichen Kollegin geimpft. Ich hatte keine Nebenwirkungen. Ich habe mich für die Impfung entschieden, weil ich Impfen generell für wichtig und richtig halte. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mich impfen lassen werde, sobald es einen Impfstoff gibt."

Jani Gruler, 25 Jahre, Auszubildender als Notfallsanitäter im 3. Lehrjahr, aus Freiburg



"Mein Arbeitgeber, das Rote Kreuz, hat sich bemüht, für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schnellstmöglich einen Impftermin zu bekommen. Ich hatte Glück, denn ich bekam spontan einen Termin, weil jemand krank wurde. Ich sollte innerhalb einer Stunde am Impfzentrum sein, hieß es. Für mich war das eine Erleichterung. In der Impfkabine vor Ort hat sich der Arzt vorgestellt und gefragt, wie es mir geht, die Injektionsstelle desinfiziert und die Impfung verabreicht. Im Wartebereich musste ich 15 Minuten warten, ob Nebenwirkungen auftreten. Der Arzt wies mich darauf hin, dass es in Freiburg bisher keinen Fall mit akuten oder direkten Nebenwirkungen nach der Impfung gegeben hätte. Zunächst habe ich gar nichts gemerkt. Zwei Tage nach der Impfung hat mein Oberarm etwas geschmerzt, vergleichbar mit einem Muskelkater. Das war aber schnell weg. Meine Ausbildung bringt es mit sich, dass ich in Kontakt mit Covid-19-Patienten komme, manchmal ohne es zu wissen. Dazu kommt, dass ich aufgrund meines Asthmas sehr großen Respekt vor dem Virus habe."

Joschua Borovsky, 24 Jahre, Notfallsanitäter in Ausbildung beim DRK Freiburg, aus Kirchzarten:



"Ich habe mich bei meinem Arbeitgeber gleich als einer der Ersten gemeldet, die geimpft werden wollten. Ich habe gleich am 27. Dezember einen Impftermin bekommen. An der Messe war alles sehr gut organisiert. Der Abstand konnte überall eingehalten werden, die Wartezeiten waren nicht zu lange. Die Impfung habe ich kaum gespürt. Die ganze Prozedur hat nicht länger als drei Minuten gedauert. Im Wartebereich habe ich mit ein paar Klassenkameraden aus meinem Lehrjahr gesprochen. Beim Gehen wurde ich nochmal gefragt, ob es mir gut geht. Alles zusammen hat knapp 40 Minuten gedauert. Die zweite Impfung am Sonntag lief genauso reibungslos ab – ich war nach 30 Minuten wieder daheim. Bis auf ein wenig Schmerz an der Einstichstelle hatte ich keine Nebenwirkungen. Auch nach der zweiten Injektion war alles wunderbar, bis auf ein wenig Schmerzen an der Einstichstelle und leichte Kopfschmerzen."

Lukas Scheld, 21 Jahre, Notfallsanitäter in Ausbildung beim DRK, aus Oberried:



"Beim DRK lief die Terminfindung reibungslos. Wer sich impfen lassen wollte, bekam einen Terminvorschlag. Ich war erstaunt, wie koordiniert und geregelt alles im Impfzentrum ablief. Nach der Impfung bekam ich die Bestätigung für mein Impfbuch in Form eines Ersatzformulars, wo auch mein zweiter Termin draufstand. Bis auf Muskelkater und eine leichte Müdigkeit an dem Impftag hatte ich keine Nebenwirkungen. Mir war es wichtig, mich impfen zu lassen, weil die Impfung ein großer Schritt in der Bekämpfung der Pandemie ist. Außerdem sind wir im Rettungsdienst einem sehr hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, da will man sich selbst natürlich schützen. Interessant war, dass ich am Impfzentrum viele Bekannte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis getroffen habe."