Fahrraddiebstahl

Wie mein Fahrrad zwei Mal gestohlen wurde – und zwei Mal zurückkam

Christian Engel

Bietet man dem Kätzchen einmal ein Leckerli an, kommt es immer wieder zurück. Vielleicht hat Nicole, 38, ihren Drahtesel zu häufig mit Kettenöl verwöhnt, jedenfalls wird sie es nie mehr los – da kann es ihr noch so oft geklaut werden. Die 38-Jährige erzählt ihre Story.

"Mein damaliger Freund schenkte mir vor rund zehn Jahren ein selbst zusammengebautes Single-Speed-Rad. Hellblau. Wunderschön. Ich liebte es auch noch nach der Trennung. Und vermisste es schrecklich, als es mir zum ersten Mal geklaut wurde.

Ich hatte es einer Freundin geliehen, die damit ins Rieselfeld zu Freunden fuhr. Dort wurde es ihr aus einem Hinterhof geklaut. Zum Glück befand ich mich zu jenem Zeitpunkt in Berlin, feierte dort das ganze Wochenende durch und lenkte mich ab. Aber Frust und Trauer waren nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Ich war schon sehr enttäuscht und wütend, als ich daheim war und kein Fahrrad mehr hatte. Der Freundin habe ich verziehen, dem Dieb nicht.
Themenwoche

Fast jeder Freiburger oder jede Freiburgerin kam damit schon in Berührung: ein geklauter Drahtesel. Die Zahlen sinken zwar, doch im vergangenen Jahr wurden noch immer 1661 Fahrräder als gestohlen gemeldet – die Dunkelziffer könnte viel höher sein. Am kommenden Donnerstag ist Tag des Fahrrads. Wir widmen uns in dieser Woche dem Fahrrad, ganz besonders der Situation, wenn es weg ist. Wir haben bei Freiburgerinnen und Freiburgern herumgefragt, welche Anekdoten rund um gestohlene Räder sie zu erzählen haben. Dabei kamen amüsante Geschichten heraus.
Überblick: Alle Texte zur Themenwoche

Zweieinhalb Jahre später, im Jahr 2017, rief mich ein Kumpel an: Er habe mein Rad vor einem Studentenwohnheim in der Kartäuserstraße entdeckt. Ich fuhr sofort hin, mit meinem neuen, alten Klapperrad. Und tatsächlich: Das war unverkennbar mein Fahrrad. Es war noch immer hellblau, trug die vielen Sticker von verschiedenen Clubs auf dem Rahmen. Ich klebte einen Zettel dran, der Besitzer solle sich bitte melden. Tat er aber nicht. Also ging ich am Folgetag zur Polizei, die direkt den Bolzenschneider einpackte und mitkam. Die Polizistin klingelte, ein junger Mann machte auf, sagte, er habe das Rad auf einer Fahrradbörse für 60 Euro gekauft. Ich zeigte ihm Facebook-Aufrufe, die ich gestartet hatte, nachdem mein Rad geklaut worden war. Er sah es ein, die Polizei bestätigte es: Es war eindeutig mein Rad. Der junge Mann gab mir mein Fahrrad zurück. Weil er aber unbedingt eines brauchte, schenkte ich ihm mein Klapperrad.

Unzertrennlich!

Vergangenes Jahr dann wurde mir mein hellblaues Rad erneut gestohlen. Ich half ehrenamtlich bei einem Streaming-Konzert in der Mensa Bar mit – und konnte nach der Schicht nach Hause laufen. Jemand hatte mein Fahrrad mitgenommen, mitsamt Schloss. Drumherum waren hochwertige Räder gestanden, warum ausgerechnet meines, fragte ich mich, lachend und weinend. Dass ich es noch einmal wiederbekommen würde, hatte ich zu jenem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten.
Polizeiobermeisterin Müller: "Diebe wollen unentdeckt bleiben"

So kam es aber: In einer "Verschwunden-Gefunden-Gruppe" postete ein Bahnmitarbeiter, er habe ein dunkelblaues Rad in der Regionalbahn gefunden. Ich erkannte mein Rad sofort, auch wenn es neu lackiert und mit hässlichen Stickern beklebt worden war. Anhand eindeutiger Merkmale konnte ich mir das Rad für fünf Euro erneut zurückholen. Das Rad und ich sind wohl für immer unzertrennlich!"
Nicole, 38, lebt seit 17 Jahren in Freiburg. Die gelernte Veranstaltungskauffrau arbeitet nach vielen Jahren auf Event-Achse mittlerweile im Büromanagement einer IT-Firma. Sie hat übrigens nicht immer nur Glück: Nicole hat auch schon mal einen Schlüsselbund verloren, der nicht wieder zurückkam.
Habt ihr auch mal eine verrückte Fahrraddiebstahl-Geschichte erlebt? Dann teilt sie uns doch mit, per Mail an info@fudder.de.