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Wie Medizinstudierende ihren freiwilligen Corona-Einsatz erleben

Anika Maldacker

Mitte März rief das Wissenschaftsministerium Medizinstudierende dazu auf, in der Corona-Krise zu helfen. fudder hatte damals Freiburger Freiwillige und ihre Motivation vorgestellt. Nun haben wir zwei von ihnen gefragt, wie der Einsatz für sie ist.

Tobias Dick, 29, aus Freiburg, studiert Medizin im 6. Semester und arbeitet seit Ende März auf der Intensivstation im Josefskrankenhaus in Freiburg

Wie sah dein Einsatz bisher aus?

Als ich am 28. März im Josefskrankenhaus in Freiburg begonnen habe, hat die Klinik die nächste Eskalationsstufe erreicht. Man stellte von einem Drei-Schichten auf ein Zwei-Schichten-System um. Eine Schicht dauerte dann nicht mehr acht, sondern 12 Stunden. Die ganze Intensivstation war mit Covid-19-Patienten belegt, obwohl die befürchtete große Patientenwelle am Josefskrankenhaus ausgeblieben ist. Wir waren circa acht freiwillige Medizinstudierende auf der Intensivstation. Jeder von uns hatte zuvor eine Ausbildung im medizinischen Bereich absolviert, ich habe eine zum Rettungsassistenten gemacht. Wir arbeiteten immer in Tandems mit einem examinierten Pfleger oder Pflegerin zusammen. Die Beatmung von Patienten ist nicht trivial. Es braucht nicht nur hochspezialisierte Ärzte, sondern auch hochspezialisiertes Pflegepersonal. Wir trugen immer einen Mund- und Nasenschutz, Schutzbrille, FFP2-Maske und einen Kittel. Ich habe Patienten gelagert, gedreht, dabei geholfen, wenn in die Bauchlage gedreht wurde, Blutgasanalysen gemacht oder Körperpflege. Bisher habe ich Vollzeit gearbeitet, seit dem Semesterbeginn vor einer Woche arbeite ich nur noch 50 Prozent. Das machen die meisten anderen Freiwilligen auch so.

Wie hast du deinen Einsatz bisher erlebt?

Am Anfang hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl, weil ja auch einige jungen Menschen schwere Verläufe hatten. Aber das hat sich bald gelegt. Durch meine Arbeit als Rettungssanitäter bin ich schon oft mit schlimmen Situationen in Berührung gekommen. Nach meinem ersten Dienst hatte ich einen psychosomatischen Husten. Das hat sich aber gleich wieder gelegt. Mir hat die Arbeit auch gut getan, weil sie für mich ein wenig Normalität war. Im Privatleben gibt es das ja derzeit nicht.

Hattest du viel Kontakt mit den Patienten?

Ja, man redet selbst dann mit Patienten, wenn sie ohne Bewusstsein scheinen. Bevor man sie berührt, kündigt man an, was man tut. Die Menschen sollen sich wie Menschen behandelt fühlen. Je wacher die Patienten waren, desto mehr Kontakt gab es. Schöne Momente gab es, wenn Patienten kurz vor der Entlassung standen. Die Patienten waren sich ja darüber im Klaren, was sie durchgemacht haben. Was ich schwierig fand: Wegen den Gesichtsmasken hat die Kommunikation über Gestik und Mimik gefehlt.

Wie denkst du darüber, dass die Maßnahmen nun wieder gelockert wurden?

Ich finde das sehr schwer zu beurteilen. Ich sehe die Schulschließungen sehr kritisch, weil dadurch die Schere zwischen privilegierten und nicht so privilegierten Kindern in Deutschland noch mehr auseinander geht. Auch, dass es für Kinder derzeit schwer ist, Kontakt zu Gleichaltrigen zu haben, sehe ich kritisch. Ich persönlich nehme das ambivalent wahr. Mir gehen die Ausgangsbeschränkungen auf die Nerven, der Kontakt fehlt mir, aber ich sehe, dass es begründet ist.

Was hat dir der Einsatz für deine spätere Arbeit bisher gebracht?

Auf der Intensivstation habe ich sehr viel über Beatmung gelernt. Das Pflegepersonal ist super ausgebildet. Da konnte ich viel lernen. Hinter den Covid-19-Fällen stecken natürlich viele menschliche Dramen, aber für Medizinstudierende ist das natürlich sehr interessant und aufschlussreich, auch die verschiedenen Verläufe bei den Patienten mitzuerleben.
Kim Angélique Goldstein, 22, aus Freiburg, studiert Medizin im 3. Semester und arbeitet in der Patienten-Logistik der Freiburger Uniklinik

Wie sah dein Einsatz bisher aus?

Ich arbeite in der Patienten-Logistik der Freiburger Uniklinik. Meine Aufgabe ist es, Patienten abzuholen und sie in verschiedene Bereiche zu bringen, wie zum Ultraschall. Weil die Patienten gerade keinen Besuch empfangen dürfen, bringe ich ihnen oft auch Sachen, die an der Rezeption für sie abgegeben werden. Manche bringen Kuchen für ihre Angehörigen vorbei, das ist wirklich süß. Bis zum Semesterstart habe ich Vollzeit gearbeitet, seit dem Beginn des Sommersemesters arbeite ich nur noch 50 Prozent. Mein Arbeitsalltag sieht so aus, dass ich zunächst meine Arbeitskleidung anziehe und die technischen Geräte zu mir nehme. Ich brauche ein Gerät, auf dem ich meine Aufträge bekomme und einen Transponder. Man merkt schon, dass weniger los ist als sonst, da viele Operationen verschoben werden. Ich laufe oft zehn bis elf Kilometer am Tag. Meine Kollegen meinten aber, dass sie im Normalfall oft 20 Kilometer am Tag laufen. Nun merkt man aber, dass die Klinik ihren Betrieb wieder hochfährt und ich bin letztens eher 15 Kilometer gelaufen. Über die Geräte wird mir von der Disposition mitgeteilt, wen ich abholen soll und wohin ich ihn oder sie bringen soll. Ich habe Covid-19- und andere Patienten zu ihren Untersuchungen und Terminen gebracht und anschließend wieder in ihre Zimmer. Bei Covid-19-Patienten sind die Schutzmaßnahmen natürlich sehr hoch – für mich selbst und die Patienten.

Wie hast du deinen Einsatz bisher erlebt?

Mir macht die Arbeit unheimlich viel Spaß und es ist eine Bereicherung für mich, das zu machen. Ich finde es schön, den Menschen was zurückzugeben. Die Patienten dürfen nun keinen Besuch bekommen und es tut gut, sie aufzumuntern. Meine Kollegen sind auch super lieb und hilfreich. Das einzige was mich etwas stört, ist das Problem mit der Schutzkleidung. Man merkt, dass sie knapp ist und das ist sehr schade.

Was hat dir der Einsatz für deine spätere Arbeit bisher gebracht?

Mir ist wieder bewusst geworden, dass ich in meinem Studium richtig bin und mir diese Arbeit so viel Spaß macht. An meinem Spezialisierungswunsch hat sich nicht so viel geändert. Ich will weiterhin in die Onkologie gehen, am liebsten in die Kinderonkologie.