Fahrraddiebstahl

Wie ich mein geklautes Fahrrad unabgeschlossen wiederfand

Christian Engel

Dustin Simone hatte vor drei Jahren ein mehr als verkorkstes Sommerwochenende, an dem er nicht nur ein Toten-Hosen-Konzert verpasste, sondern sein Rad weg war. Der 28-jährige Doktorand erzählt seine kuriose Fahrraddiebstahl-Story selbst.

"Im Sommer 2018 ließ ich mein Fahrrad generalüberholen: die Bremsen austauschen, neue Mäntel aufziehen. Anschließend war ich eine Woche im Urlaub in Spanien. Der Rückflug von Girona nach Baden-Baden entfiel spontan, mit Müh und Not konnten wir für den nächsten Tag einen Ersatzflug von einem anderen Flughafen (Barcelona) zu einem anderen Zielflughafen (Basel) buchen. Am Folgetag wurde uns am Flughafen gesagt, der Flug sei überbucht, wir könnten nicht mitfliegen. Damit war auch unsere letzte Chance dahin, das Open-Air-Konzert der Toten Hosen in Freiburg mitzuerleben, das noch am selben Abend stattfand. So Begann jenes Wochenende – und es sollte noch schlimmer kommen.
Themenwoche

Fast jeder Freiburger oder jede Freiburgerin kam damit schon in Berührung: ein geklauter Drahtesel. Die Zahlen sinken zwar, doch im vergangenen Jahr wurden noch immer 1661 Fahrräder als gestohlen gemeldet – die Dunkelziffer könnte viel höher sein. Am kommenden Donnerstag ist Tag des Fahrrads. Wir widmen uns in dieser Woche dem Fahrrad, ganz besonders der Situation, wenn es weg ist. Wir haben bei Freiburgerinnen und Freiburgern herumgefragt, welche Anekdoten rund um gestohlene Räder sie zu erzählen haben. Dabei kamen amüsante Geschichten heraus.
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Wir bekamen einen Flug nach München. Nach der fünfstündigen Busfahrt nach Freiburg wurde ich in meiner WG mit den Worten empfangen: "Sag mal, hast du dein Fahrrad eigentlich an der Uni geparkt? Es steht nicht vorm Haus." Einmal nachgeschaut und tatsächlich: Fahrrad geklaut. Am Montag bin ich direkt zur Polizei. Da mein Rad zu dem Zeitpunkt schon zehn Jahre alt war und neu circa 300 Euro gekostet hatte, war der Verlust eher emotionaler als wirtschaftlicher Natur. Da ich nie ein Foto von meinem Rad gemacht, weder die Rahmennummer notiert noch den Kaufbeleg aufbewahrt hatte, konnte die Polizei mein Rad nur in die Statistik aufnehmen.

Angetrieben von Trotz und dem Willen, an einem Wochenende nicht noch mehr Pech zu haben, klapperte ich alle großen Fahrradstellplätze ab, die mir einfielen: Mensa, Institutsviertel, UB, KG I und alle anderen, Hauptbahnhof. Dort, gegenüber der DB- Fahrradständer, sah ich die bekannten, viel zu kleinen Hörner und den schepp montierten Gepäckträger, der kein Gepäck tragen konnte.

Fahrradpass nicht vergessen!

Mein Fahrrad stand da: unabgeschlossen, verlassen.
Ich rief die Polizei an und erklärte dem Sachbearbeiter, ich hätte mein Rad gefunden, es sei nicht abgeschlossen, ob ich es mitnehmen könne. Der Polizist bat mich, noch mal mit dem Rad auf der Polizeiwache vorbeizuschauen. Dort bestätigte er mir, dass das Fahrrad sehr genau meiner Beschreibung entsprach. Als nächstes drückte er mir einen Fahrradpass in die Hand und bat mich, ihn auszufüllen, falls es noch mal zu einem Diebstahl kommen sollte.

Das Fahrrad fährt heute übrigens noch tadellos. Nur ein quietschendes Pedal zeugt von den möglichen Abenteuern, die es ohne mich erlebt hat.

Die Moral von der Geschicht': Vergesst das Erfassen der elementaren Fahrraddaten nicht! Und lieber noch mal schauen, ob es nicht an einem Fahrradständer, im Tennenbach oder einer Hecke liegt."
Dustin Simone zog vor zehn Jahren von Villingen-Schwenningen nach Freiburg. Er hat Chemie studiert, mittlerweile promoviert er. Den Fahrradpass hat der 28-Jährige damals übrigens tatsächlich ausgefüllt. Er hängt in seiner WG an der Pinnwand, damit er ihn nie verliert.
Habt ihr auch mal eine verrückte Fahrraddiebstahl-Geschichte erlebt? Dann teilt sie uns doch mit, per Mail an info@fudder.de.