Selbstversuch

Wie ich im Freiburger Rollbrett-Retreat zum Skaten ermutigt wurde

Anna Castro Kösel

Im Rollbrett Retreat in Freiburg können junge Mädchen und Frauen Skaten neu lernen oder ihre Skills verbessern. fudder-Autorin Anna Castro Kösel hat sich Knieschützer angezogen und sich aufs Brett begeben.

Als ich am Skatepark Dietenbachpark ankomme, fühle ich mich eingeschüchtert. Die Rampen sehen gefährlich und unüberwindbar aus. Das ist das erste Mal, dass ich mich in dem Freiburger Skatepark nähere, geschweige denn, mich dort auf ein Brett stelle.

Dass die Skater, fast alle Jungs, ihre waghalsigen Kunststücke vollführen, verstärkt mein mulmiges Gefühl. Doch schon bald finde ich heraus: Ich bin nicht die Einzige, der es so geht. "Es schüchtert einen als Anfängerin sehr ein, wenn man die krassen Skater sieht. Oft kommt man dann nicht mehr", sagt Larissa Mayer, Leiterin der Rollbrett-Retreats. Nach ihrem Studium der internationalen Arbeit fing sie vor eineinhalb Jahren mit dem Skaten an.

Durch die Rollbrett-Retreats werde der Mädchenanteil auf dem Freiburger Skatepark deutlich angehoben. Sophie Friedel, Gründerin der Freiburger Skateboard-Schule "Rollbrett Workshop", hat das Projekt der Rollbrett-Retreats ins Leben gerufen und wird von der NGO Women Win gefördert. "Ziel ist es, Mädchen aufs Brett zu bringen. Wir haben auch eine Whatsapp-Gruppe, in der wir regelmäßigen versuchen, uns zum Skaten zu verabreden. Wenn man zusammen in den Skatepark geht, ist die Hemmschwelle geringer", sagt Sophie.

Ein größeres Bewusstsein und mehr Projekte seien wichtig, so Leiterin Larissa Mayer, um mehr Mädchen und alle, die sich als weiblich identifizieren, zum Skaten zu ermutigen. Das Rollbrett-Retreat ist eines davon: Trotz Regenschauern sind 17 Mädchen und Frauen in der Altersspanne von zwölf bis 31 gekommen. Viele waren schon einmal dabei und haben gute Erfahrungen gemacht, erzählen sie.



Challenge des Tages: Über den eigenen Schatten springen

Die Mädchen setzen sich zum Ziel: Neues lernen und über den eigenen Schatten springen. Gleich am Anfang, nach Vorstellungsrunde und Aufwärmen, kommt die erste Überwindungsaufgabe, die schwerer erscheint als sie ist: Aufs Brett springen und balancieren. Die Angst, dass das Brett wegrollen und man auf dem Allerwertesten landen könnte, macht sich breit. Zum Glück sind Larissa und Assistentin Jana da und leisten Hilfestellung.

Hinter dem Skatepark, auf einer geteerten Fläche rollen wir, die Anfängergruppe, hin und her. Wir lernen, wie wir geradeaus fahren, bremsen und das Gewicht in den Kurven zu verlagern. Aufmunternde Worte und Lob der Leiterinnen helfen dabei, nicht aufzugeben und es weiter zu versuchen. Die anfängliche Skepsis fällt langsam ab, es macht überraschenderweise Spaß. Nachdem wir uns eingefahren haben, wird es ernst: Wir wechseln von dem weniger angstmachenden Teerplatz zum bedrohlichen Skatepark.
"Wir haben alle das Kopfkino voller Unsicherheiten. Deswegen ist es umso schöner, dass man sich beim Retreat gegenseitig stärkt und hilft." Teilnehmerin Karma
Die nächste Challenge: Mit Schwung auf eine Rampe fahren und wieder runterrollen. Ich habe ein bisschen Angst und stoppe immer, bevor ich ganz oben auf der Rampe angekommen bin. Beim Runterfahren habe ich wiederum zu viel Schwung. Ich lerne: Das macht das Skaten lernen aus: Es braucht Zeit und Geduld, um die richtige Portion aus Schwung, Koordination und Gleichgewicht zu finden.

Zusammen mit Mädchen skaten – ein Projekttag mit vielen Highlights

Die 22-jährige Caro, Umweltnaturwissenschafts-Studentin, Schülerin Lisa-Marie, 17 Jahre und die 31-jährige Arbeitsagogin Karma waren schon einmal bei einem Retreat dabei. Die drei freuen sich, dass so viele gekommen sind. "Wir ticken alle gleich", sagt Karma. "Wir haben alle das Kopfkino voller Unsicherheiten. Deswegen ist es umso schöner, dass man sich beim Retreat gegenseitig stärkt und hilft." Man sei selbstbewusster und offener, wenn man zusammen mit Mädchen zusammen skatet, sagt auch Lisa-Marie.

"Ich finde es angenehm, dass aus jedem Level jemand dabei ist, Leute da sind, die schon länger skaten und einem Dinge zeigen, ohne Druck", sagt Caro. "Jede kann einfach so herkommen, wie sie ist." Es mache einfach Spaß, in einem geschützten Raum voneinander zu lernen, mit einer niedrigeren Hemmschwelle. Alle drei möchten gerne mit dem Skaten weitermachen. "Man muss dranbleiben. Beim Skaten passiert nie etwas von jetzt auf gleich", meint Karma. In der Abschlussrunde ist von vielen Highlights die Rede, die gute Atmosphäre und das füreinander Dasein hat den Teilnehmerinnen besonders gefallen. Nach dieser Erfahrung erwäge auch ich, mir ein Skateboard anzuschaffen und der Whatsapp-Gruppe beizutreten.
Was: Rollbrett Retreats der Skateboardschule Rollbrett
Kontakt: Telefonische Erreichbarkeit mittwochs & Donnerstag von 11.30 bis 12.30 Uhr
unter der +49 157 82116554

Mehr zum Thema: