Erfahrungsbericht

Wie ich Homeoffice, Kleinkindbetreuung und Lockdown wuppte – oder auch nicht

Charlotte Göhring

Mittlerweile kann sie darüber lachen, dabei war die Zeit der Ausgangsbeschränkung für die junge Mutter und fudder-Autorin Charlotte Göhring alles andere als leicht. Wie sie das Tohuwabohu überstand, hat sie aufgeschrieben.

Charlotte Göhring ist 32 Jahre alt, momentan SprachKita-Fachkraft und Mama einer zweieinhalbjährigen Tochter. Es geht zügig auf die Kitaferien zu und sie hat nun, an diesen langen Sommerabenden, etwas Zeit, um die chaotische Phase während des Lockdowns Revue passieren zu lassen.

Ich möchte hier meine komplexen Gedanken zu Homeoffice mit paralleler Kleinkindbetreuung, sowie größtenteils innenliegender Alltagsgestaltung und Beachtung der psychischen Gesundheit von allen Beteiligten, inklusive des Haushalts, vorsichtig in einem Wort zusammenfassen: Nein.

To-Do-Liste mit schlechtem Gewissen

In der Praxis sah das in etwa so aus: Nach dem üblichen Morgenroutine-Drama mit der Zweijährigen (Zähneputzen = "will nicht!", Haare kämmen ="aua!", Anziehen = "lass mich!") und Frühstück richten, sowie dann nochmal ein zweites Frühstück richten, während ich das erste Frühstück vom Boden aufsammelte, da ich mich erdreistet hatte, das Marmeladenbrot ungefragt durchzuschneiden, wagte ich es, den Laptop anzuschalten und mich an den mit Krimskrams überladenen Wohnzimmertisch zu setzen.

Das Kind war mittlerweile für diesen Arbeitsschritt so sensibilisiert, dass sie mein Tun mit "Mama Arbeit! Mama Ruhe!" kommentierte. Soweit so gut, dachte ich mir und tat so, als ob ich nicht gesehen hätte, dass besagtes Kleinkind inklusive eines grünen Stempels Richtung Kinderzimmer verschwand.

Ich hingegen saß an unserem mit typischen Familienkrimskrams vollbeladenen Esstisch im Wohnzimmer und hatte durchgehend ein schlechtes Gewissen, da ich nie allen Aufgaben gleichzeitig gerecht werden konnte. Im Hintergrund zeigte mir die Küche ihr unaufgeräumtes Grinsen, die Wäsche kroch mittlerweile fast selber ins Bad, meine Arbeitsmaterialien versymbiotisierten sich mit der Unordnung aus Tüchern, Stiften, Kerzen und Kinderspielzeugteilen auf dem Tisch, aus dem Kinderzimmer brüllte es; die Spielzeugkasse aus dem Kaufladen war ihr auf den Fuß gefallen.

Videokonferenz mit Kleinkind im Hintergrund

Ich sah es also ein. Die Wohnung brauchte einen Großputz und der Lendensproß eine überwachte Beschäftigung. Zudem wollte sie nun unbedingt auf meinem Schoß sitzen und meine Hand halten, während ich den verzweifelten Versuch unternahm, mit der anderen Hand meine Arbeitsemails zu verfassen und mich dabei nicht aus Versehen mit "Mit freundlichen Grüßen, Ihr dicker Tanzbär" zu verabschieden. Letzteren Ohrwurm war dem Medley aus den in Dauerschleife laufenden Kinderliedern geschuldet, die sich bis in die Grundpfeiler meines Hirns eingebrannt hatten.

Das Kind half mir ungemein beim konzentrierten Arbeiten, in dem sie fröhlich auf der Tastatur herumpatschte und mir feuchte Küsse auf die Backe drückte. Es war sehr spannend, unter diesen Umständen einer wichtigen Videokonferenz beizuwohnen. Ich versuchte, seriös mit den Kolleginnen und Kollegen zu fachsimpeln, als im Hintergrund das Kind erschien und begann, sich langsam und mit bierernstem Gesichtsausdruck das Gesicht mithilfe eines roten Farbstifts anzumalen.

Lachen nicht vergessen

Dazu schleckte die, im Hintergrund meiner Kameraausrichtung gut sichtbare Katze des Hauses, geräuschvoll ihren grade entleerten Allerwertesten. Die Gesamtsumme der bei mir zuhause passierenden Ereignisse, ließ die weiteren Teilnehmer der Videokonferenz überaus erheitern. Bis heute sorgt unsere kunstfilmähnliche Teilnahme an der Videokonferenz für Gesprächsstoff bei allen.

Zumindest konnten wir während dieser schwierigen Zeit mit unserem nervlich herausfordernden Tohuwabohu andere zum Lachen bringen. Und das Lachen sollte man grade in diesen Zeiten nicht verlieren. In diesem Sinne: schöne Ferien, starke Nerven und bleibt gesund!

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