fudder-Interview

Wie "Health for Future" den Gesundheitsbereich umweltfreundlicher gestalten will

David Pister

Was hat Klimaschutz mit Ärzten und Pflegepersonal zu tun? Eine ganze Menge! In Freiburg engagieren sich um die 50 Menschen für "Health for Future". Wir sprechen mit Johanna Andris und Alex Popp über "Health For Future" und wie die Corona-Pandemie ihre Arbeit verändert hat.

Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, können sich bei "Health For Future" für den Klimaschutz und das Ökosystem einsetzen. Aber was haben Ärzte, Pflegekräfte oder Therapeuten mit der Klimakrise zu tun? Wir sprechen mit Johanna Andris und Alex Popp über "Health For Future" und wie die Corona-Pandemie ihre Arbeit verändert hat.

Wer seid ihr und seit wann seid ihr bei "Health For Future" aktiv?

Johanna Andris: Mein Name ist Johanna. Ich bin in Freiburg geboren und, bis auf einen kurzen Abstecher, auch hiergeblieben. Jetzt studiere ich Medizin und habe das fünfte Semester abgeschlossen. Ich bin seit dem Gründungstreffen vor einem guten Jahr dabei und sehe die Arbeit als eine Art von Prävention, die man durch den Klimaschutz betreibt. Wir wollen Lungenerkrankungen erst gar nicht ausbrechen lassen. Den Menschen also jetzt durch Klimaschutz helfen, sodass sie später nicht zu unseren Patienten werden.
Alex Popp: Ich studiere Physiotherapie im vierten Semester. Ich wohne seit drei Jahren in Freiburg und bin seit letztem Sommer dabei. Mein Job betrifft die Gesundheit der Menschen. Deshalb sehe ich mich in der Verantwortung, auch für den Klimaschutz Einsatz zu zeigen. Die Klimakrise bringt verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen mit sich, die vermeidbar sind.
Wie hat sich "Health For Future" in Freiburg entwickelt?

Johanna: Das Ganze hat vor einem Jahr angefangen. Im Januar hat Eckhart von Hirschhausen einen Vortrag in Freiburg gehalten. Dort hat er verschiedene Projekte angesprochen, unter anderem auch "Health For Future". Zwei junge Frauen haben die Ortsgruppe in Freiburg vorgestellt. Durch seine Reichweite hat er das Projekt ziemlich gepusht. Beim Gründungstreffen waren wir schon 50 bis 60 Leute und haben uns dann nach und nach organisiert.

"Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, welche Auswirkungen die Klimakrise auf die Gesundheit hat." Alex Popp

Was macht "Health For Future"?

Alex: Es gibt verschiedene Aufgabenbereiche. Zum einen versuchen wir, die Arbeit im Gesundheitsbereich umweltfreundlicher zu gestalten. Wir versuchen das Thema "planetary health" schon in das Curriculum einfließen zu lassen. Eine andere wichtige Aufgabe ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, welche Auswirkungen die Klimakrise auf die Gesundheit hat. Gerade jetzt, wenn die Landtagswahl und Bundestagswahl vor der Tür stehen, wollen wir auf unser Thema aufmerksam machen.
Johanna: Konkret haben wir zum Beispiel eine Kooperation mit dem Fuß- und Radentscheid Freiburg gestartet. Außerdem kooperieren wir mit der AG Wissenshunger von der medizinischen Fachschaft. In dieser Arbeitsgruppe wohnen wir virtuell dem Schulunterricht bei und lassen die Kinder Arbeitsblätter und Aufgaben zur Ernährung und Umwelt lösen. Grundsätzlich geht es darum, ein Umweltbewusstsein zu schaffen. Deshalb sind wir auch sehr aktiv in unseren Social-Media-Accounts und geben Tipps, wie man auch durch kleine Schritte klimafreundlicher leben kann.

Warum sollten sich Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind für Umweltschutz einsetzen?

Johanna: Studien beweisen, dass sich die Klimakrise sehr negativ auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Durch Hitzewellen sterben Menschen den Hitzetod oder erfahren psychische Belastungen. Die Luftverschmutzung fördert Lungenkrankheiten, genau wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Infektionszahlen von Krankheiten steigen, vor allem solche, die durch nicht heimische Vektoren übertragen werden. Insgesamt ist das eine große Bandbreite an negativen Veränderungen. Wir wollen die Verbindung zwischen "planetary health" und menschlicher Gesundheit für die Öffentlichkeit sichtbar machen und zur aktiven Teilhabe am Umweltschutz motivieren. Es ist wichtig, als Berufsverband geschlossen aufzutreten.

Wie hat Corona Eure Arbeit verändert?

Alex: Ich bin erst seit letztem Sommer dabei, das bedeutet, dass ich alle Versammlungen online erlebt habe. Viele meiner Mitstreiter habe ich noch nie persönlich kennengelernt. Es ist sehr schade, dass sich unsere Aktionen zurzeit auf den virtuellen Raum beschränken. Gerade Demonstrationen müssen im Moment leider hintenangestellt werden. Aber die Menschen können sich trotzdem informieren und mit dem Thema Umweltschutz auseinandersetzen. Die Gesundheit unseres Planeten hängt direkt mit unserer eigenen Gesundheit zusammen!
Johanna: Ich finde es auch traurig, dass man sich nicht wirklich sieht und dadurch besser kennenlernen könnte. Anfangs hatten wir einige Plenen in Person, aber das hat sich sehr schnell geändert. Ich bin dankbar, dass es überhaupt weitergeht, dass wir immer noch Aktionen durchführen können, aber man ist schon sehr eingeschränkt. Trotzdem verzeichnen wir noch Zuwachs. Vielleicht sogar wegen der Corona-Pandemie, weil die Menschen allgemein mehr Zeit haben. Wir freuen uns wieder darauf, Aktionen zu organisieren – vor allem Demonstrationen.