Wie geht's weiter mit Kommando Rhino? Fünf Zukunftsszenarien für die Vauban-Wagenburg

Fabienne Hurst

Am Montag ist der 1. August - und für das Kommando Rhino vielleicht Umzugs-Tag, denn dann soll auf dem Gelände am Eingang zur Vauban der Bau eines integrativen Hotels durch die Freiburger Stadtbau GmbH beginnen. So ernst war es für das Besetzer-Kollektiv noch nie. Fünf Szenarien, was in den kommenden Tagen passieren könnte:

 

Entspannter Umzug bis zum Sonntag

Das Szenario: Die Rhinos akzeptieren, dass ihr Traum vom Raum für ein alternatives Lebenskonzept im Vauban geplatzt ist. Austausch, Kulturkino, Gemüsebeete und Selbstbestimmung müssen dann woanders stattfinden. Nur wo? Das Kollektiv könnte ein Angebot von FDP-Stadtrat Nikolaus von Gayling (69) annehmen, der ihnen mehrere Privatgrundstücke im Osten Freiburgs und im Dreisamtal zur Pacht angeboten hat.

Die Rhinos hatten sich für Gaylings Grundstück „Sieben Jauchert“ in Kappel interessiert. „Doch die Stadt hat am Dienstag gleich alle Gründe vorgebracht, warum auf dem Geländeplatz keine Bauwägen stehen dürfen,“ sagt Nikolaus von Gayling. Das Gelände ist als Landschaftsschutz-Gebiet und Siedlungszäsur (Freifläche) eingetragen. Für die Wagenburgler müsste es umgeschrieben werden als "Fläche für experimentelles Wohnen“ - was die Stadt ablehnt.

„Die Rhinos wollen in der Stadt bleiben“, sagt Kollektiv-Mitglied Anna (20). Es sei unvorstellbar, nicht mehr in der Stadt zu wohnen, schließlich hätten die Besetzer hier ihren Arbeits- oder Studienplatz in Freiburg und ihren Freundeskreis. "Man kann nicht von uns verlangen, dass ein Studierender in Umkirch wohnt und drei Stunden früher aufstehen muss als die anderen," sagt ein Rhino-Sprecher.

Gayling sieht trotzdem Möglichkeiten: „Ich habe dem Kollektiv über 20 Plätze angeboten. Sie müssen sich davon verabschieden, in der Innenstadt bleiben zu können und aufhören, Forderungen zu stellen.“ Auch am Donnerstag trifft er eine Gruppe von Rhinos zu Verhandlungen. Für Gayling sind die Wagenburgler potentielle Pächter wie jeder andere. „Es ist doch kein Unterschied, ob jemand auf einem Grundstück Bienen züchtet, Windräder aufstellt, Mais anbaut oder eben dort lebt“, sagt Gayling. „Ich bin von der Stadt enttäuscht.“

Last-Minute-Umzug um Mitternacht

Das Szenario: Wie gekommen, so zerronnen. So wie die ersten Aktivisten Anfang Mai 2009 das Gelände über Nacht besetzten, ziehen sie auch wieder ab. Damit sparen sie sich nicht nur den Stress mit der Polizei, sondern auch eventuelle Kosten, die durch die Pfändung der Wägen entstehen könnten. Es steigt eine große Party und das Kollektiv löst sich in Luft auf. Manche ziehen auf bestehende Wagenplätze, andere auf Parkplätze und Gehsteige.


"Rhino bleibt in Freiburg!“ verkündet das Kollektiv per Pressemitteilung. Eine Auflösung kommt für sie nicht in Frage. Auch wenn ihre Wägen am Montag konfiziert werden, suchen sie weiter nach einer Möglichkeit, zusammen in der Stadt zu wohnen. Bobby Glatz, Architekt und Mitglied im Stadtteilverein Vauban, bedauert den bevorstehenden Weggang der Wagenburgler, die er am liebsten in seinem Viertel behalten möchte. Er will nicht, dass sich das Kommando in Luft auflöst. "Mit den 35 Rhinos geht ein Stück Kultur aus der Vauban," findet er. Er hat zusammen mit dem "Runden Tisch", der sich für das Bestehen der Wagenburg einsetzt, zum gemeinsamen Transparente-Malen aufgerufen.

Verschieben der Räumung

Das Szenario: Die Rhinos denken gar nicht daran, das Areal zu räumen. Immerhin hat die Stadt für sie noch keine geeignete Alternative gefunden. Dass sie Meister im Heraus-Schieben und Dazwischen-Funken sind, haben die Wagenburgler schon oft genug bewiesen. Warum sollte sich das nun ändern? Sie berufen sich weiterin auf das "Recht auf einen Platz zum Leben."

Die Stadt hat keine Lust mehr auf Verhandlungen. Bei der Gemeinderatsitzung am Dienstag wurde nicht nur Gaylings Grundstück, sondern auch der Kappeler Knoten als Übergangs-Gelände abgelehnt. Das Thema Rhino wurde im letzten Tagesordnungspunkt unter „Sonstiges“ abgehandelt. "Eine weitere Duldung ist nicht möglich", kündigt die Stadtverwaltung an. Jeder weitere Tag, an dem das Areal besetzt bleibt, kostet die Eigentümerin Stadtbau GmbH Zinsen.

Polizeiliche Räumung in der Nacht zum Montag

Das Szenario: Die Wagenburgler bleiben und lassen sich am Montagmorgen von Polizisten davontragen. Dabei werden ihre Wägen beschlagnahmt - und die Bewohner obdachlos.

Das Kommando Rhino bereitet sich auf die Zwangsräumung vor. "Dann tragen wir den Prozess aber erst recht in die Stadt," sagt ein Sprecher der Rhinos. "Wir sollten doch eigentlich aus dem Zeitalter heraus sein, in dem man Leute brachial vertrieben hat."

Ulrich Brecht, Sprecher der Polizeidirektion Freiburg: "Für die Polizei ist das Kommando Rhino nur ein Thema, wenn eine Ordnungsstörung oder eine Straftat vorliegt. Die Besetzer sind dazu aufgefordert, das Areal bis zum 31. Juli zu verlassen. Tun sie dies nicht, muss die Polizei dafür sorgen, dass der Eigentümer seine Fläche auch nutzen kann."

Rhino bleibt für immer

Das Szenario: Die Stadtbau GmbH verzichtet in letzter Minute darauf, das integrative Hotel zu bauen. Alles bleibt, wie es ist. Kommando Rhino wird solange auf dem M1-Gelände bleiben, bis die Wohnwägen verrosten und zusammenfallen.

"Da müsste schon ein Wunder geschehen", sagt einer der Anwohner. Auch die Rhinos werden nicht weiter kämpfen. "Wir werden es der Polizei gewiss nicht leicht machen," so einer der Wagenburgler, "aber Gewalt lehnen wir ab."  

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