Foodsharing

Wie geht’s den Freiburger Lebensmittelrettern im Lockdown?

Carlotta Feil

Überschüssiges Essen vor dem Müll retten: Foodsharing ist eine Bewegung, die in Freiburg eifrig betrieben wird. Welche Herausforderung es für die Retter im Lockdown gibt und wie es um das Containern steht, hat fudder herausgefunden.

Momentan ist alles stillgelegt in Freiburg – abgesehen vom Wochenmarkt und den Supermärkten. Allerdings fehlt vielen für einen Einkauf beim Markt besonders jetzt das Geld und so richtig nachhaltig und kostengünstig ist es im Supermarkt auch nicht immer. Welche sind also die aktuellen Möglichkeiten, um sich nachhaltig und preiswert zu ernähren?

Foodsharing zu Corona-Zeiten

Seit mehreren Jahren gibt es überall in Freiburg Essensverteiler zu finden, in Form von Regalen in der Eingangshalle eines Wohnheims, Auslagetischen an einer Hauswand oder auf den Fahrrädern von "foodsharing", die an öffentlichen Plätzen stehen. Das Tolle ist: Jeder kann sich aus dem Verteiler kostenlos Essen nehmen und dafür wird frisches Essen vor dem Müll gerettet. Vicky Mehling, eine Studentin an der Uni Freiburg und Mitglied der foodsharing-Initiative, gibt fudder ein paar Infos darüber, wie das gerade unter den Bedingungen des Lockdowns funktioniert.

"Es gibt auf jeden Fall verstärkte Hygienemaßnahmen und natürlich werden die Kontaktbeschränkungen eingehalten, das heißt man darf eben nur zu zweit Essen abholen, wenn man aus demselben Haushalt kommt", sagt Vicky. Auch an Verteilern müssen immer Masken getragen werden und die Verteiler müssen ständig desinfiziert sein. Wenn man beim Foodsharing mitmachen möchte, ist es außerdem praktisch, wenn man sicherstellen kann, dass man langfristig dabei sein möchte, da die Initiative verlässliche Helfer braucht, die kommen können, wenn mal weniger Helfer zu Stelle stehen.

Denjenigen Lebensmittel bieten, die wenig Geld haben

"Das mit dem Foodsharing ist nämlich auch von der Jahreszeit abhängig", sagt Vicky. In den Übergängen zwischen Sommer und Winter sind viele Studierende, die sonst tatkräftig beim Foodsharing mithelfen, in den Semesterferien. Dadurch gibt es natürlich auch weniger Konsumenten in der Stad, die die Verteiler regelmäßig leeren würden.
Natürlich ist es aber während der Pandemie auch oft am wichtigsten, denjenigen Menschen Lebensmittel zu bieten, die oft zu wenig Geld haben, um sich welche zu besorgen. "Deshalb legt man immer einen Großteil der Lebensmittel, die man abholt, erstmal in den Verteiler und nimmt dann den Rest mit nach Hause oder verteilt ihn an Nachbarn, Freunde und Bekannte", sagt Vicky.
Bundesverfassungsgericht: Containern bleibt Diebstahl

Auch das Containern wird in Freiburg weiterhin betrieben. Dabei werden Lebensmittel aus dem Abfallcontainer eines Supermarkts geholt. Eine Tätigkeit, die wegen Diebstahls bestraft werden kann. Zum Containern sagt ein anonymer Studenten: "Während der Ausgangssperre war es fast unmöglich, weil man ja meistens nach Ladenschluss zum Container geht, um Essen abzuholen. Trotzdem ist es gerade jetzt eine super Möglichkeit, um kostenlos an Nahrungsmittel zu kommen und damit auch noch nachhaltig zu handeln." Jeden Tag wird qualitativ hochwertiges und frisches Essen nach Ladenschluss in den Müll geworfen, weil das bis heute in Deutschland noch Vorschrift ist. Das Containern ist eine Möglichkeit, dieses Essen zu retten und an Lebensmittel zu kommen.

Aber wie läuft Containern eigentlich ab? "Man sollte auf jeden Fall nach Ladenschluss gehen, das bedeutet so abends zwischen 22 und 23 Uhr. Dann nimmt man ein, zwei große Taschen mit oder einen Rucksack und schwingt sich aufs Fahrrad in Richtung Supermarkt", sagt er. Um zu den Containern zu gelangen, müsse man zudem oft über einen Zaun klettern oder eine Tür öffnen, manchmal sind die aber auch nicht abgesperrt.

"Manchmal wird man schon gesehen, aber tatsächlich sind die meisten Mitarbeiter in einer solchen Situation entspannt, schließlich wird das Zeug ja sonst eh weggeschmissen." Die eigentliche Prozedur besteht also darin, das gute Essen aus dem Müll auszusortieren und zuhause dann ordentlich zu putzen, da sonst natürlich Infektionsgefahren bestehen und das Essen aus dem Container eben nicht gerade lecker riecht. "Alles in allem gibt es aber meistens große Mengen an Essen, da hat man sich den wöchentlichen Einkauf oft schon gespart. Gewöhnungsbedürftig sind natürlich der Geruch und eben auch die Gefahr, in die man sich ja jedes Mal ein Stück weit begibt. Während der Ausgangssperre haben wir es deswegen auch gelassen, weil das Risiko dann doppelt so groß gewesen wäre."

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