American Football

Wie gehen die Freiburg Sacristans mit der Pandemie um?

Niklas Reichenbach

Trainingseinschränkungen, kaum Spielbetrieb und viele Ungewissheiten für die nächste Saison. Jochen Kern, Sprecher der Sacristans, gibt Einblicke in die Lage des Freiburger Teams und wirft auch einen Blick in die USA.

Im März war das Team noch in der Vorbereitung zur Saison, dann wurde durch den Lockdown und Corona vorerst alles gestoppt. Die Pandemie hatte auch den American Football, sowohl in Deutschland als auch im Rest der Welt, komplett lahmgelegt.


Doch während in den USA, dem Vaterland dieses Sports, wieder gespielt wird, steht der Spielbetrieb in Deutschland noch größtenteils still. Die German Football League (GFL), die höchste deutsche Spielklasse, hat ihre Saison sogar komplett abgesagt.

Nur ein Testspiel in dieser Saison

Jochen Kern, Pressesprecher der Freiburger Sacristans, erklärt, dass ihr Herrenteam bereits für eine verkürzte Saison in der Regionalliga gemeldet war, allerdings aufgrund der unklaren Situation die Anmeldung wieder zurückzog. Die Jugendmannschaften konnten nach den Sommerferien den Spielbetrieb wieder aufnehmen, jedoch wurden auch hier mit Beginn der zweiten Corona-Welle, die Mannschaften Mitte Oktober zurückgezogen.

Die Herrenmannschaft hatte lediglich ein Freundschaftsspiel ausgetragen, das aber für Jochen Kern auch einen großen Wert hatte. "Die Spiele waren auch insofern wichtig, dass wir mal testen konnten, wie Spiele unter Pandemie-Bedingungen ablaufen können", so Kern.

Unter Pandemie-Bedingungen fand bisweilen auch das Training statt. In Gruppen von höchstens 20 Personen darf gleichzeitig trainiert werden. Die Trainingsplanung wird dadurch erheblich schwieriger, da wie im Fußball auch, im American Football mit elf gegen elf gespielt wird. Gelöst wurde das Problem, indem die Trainingsgruppen in die Bereiche Lauf- und Passangriff unterteilt wurden und so die Anzahl der Spieler und Trainer eingegrenzt werden konnte. Aufgrund dieser Trainingsstrategie kam es bei den Spielen hin und wieder jedoch auch zu Abstimmungsschwierigkeiten auf dem Feld.

Pandemie erschwert die Suche nach neuen Sponsoren

Finanziell hatten die Sacristans Glück im Unglück. Als Teil der Freiburger Turnerschaft bekommen sie einen jährlichen Etat zur Verfügung gestellt. Durch die ausgefallenen Spiele sind dadurch auch weniger Kosten entstanden, was den Verein natürlich sehr entlastet hat. Die Pandemie erschwert allerdings die Suche nach neuen Sponsoren erheblich. Auch deshalb hofft man bei den Sacristans natürlich auf eine, den Umständen entsprechend, normale Saison im Frühjahr 2021. Einen konkreten Zeitplan gibt es noch nicht, aber Jochen Kern ist zuversichtlich: "Wir planen jetzt erstmal ganz normal, gehen allerdings davon aus, dass die Saison vier bis acht Wochen später beginnt als sonst."

Begonnen hat die Saison in Nordamerika bereits vor einigen Wochen. Die NFL, die größte Footballliga der Welt, hat trotz der seit Monaten hohen Infektionszahlen in den USA den Saisonstart wie geplant über die Bühne gebracht. Anders als zwei der anderen großen amerikanischen Sportligen, die NBA und die NHL, hat sich die Ligaspitze gegen eine sogenannte "Bubble" entschieden.

Die Spieler befinden sich also nicht alle an einem Ort, abgeschottet von der Öffentlichkeit, wodurch das Risiko eines Corona-Ausbruchs nahezu eliminiert ist. Stattdessen werden die Spieler und Trainer täglich getestet, und die Spieler haben zusätzlich die Option erhalten, die Saison auszusetzen, sollten sie sich in der Situation nicht wohl fühlen, oder zur Risikogruppe gehören. Jochen Kern erachtet diese Option als gutes Signal der Liga.

Größere Ausbrüche gab es im Team

Zur Folge hatte diese Strategie ohne "Bubble" dennoch, dass es bereits nach wenigen Wochen zu größeren Infektionsausbrüchen unter den Spielern und den Betreuern kam und mehrere Spiele verlegt wurden, sowie Trainingseinheiten ausfallen mussten. Ein Saisonabbruch steht dennoch noch lange nicht im Raum, und die Ligaführung möchte die Saison wie geplant am 7. Februar mit dem Super Bowl LV in Tampa zu Ende bringen. Auch Jochen Kern glaubt nicht an einen Saisonabbruch, denn "am Ende des Tages geht es, wie im Fußball ja auch, um viel Geld und da wird im Zweifel der Einzelne dem Ganzen untergeordnet."

Für die Sacristans heißt es nun, die Augen auf die kommende Saison zu richten. Für Anfang November waren die Tryouts geplant, diese müssen aufgrund des neuerlichen Teil-Lockdowns jetzt allerdings verschoben werden. Gedacht sind diese Tryouts für interessierte Neueinsteiger, die den Sport kennen lernen und spielen möchten. Die Anzahl dieser jungen Leute steigt durch die größer werdende Popularität der Sportart in Deutschland immer mehr, auch dadurch, da die Chance, dass deutsche Spieler den Durchbruch in den USA schaffen, von Jahr zu Jahr wächst. Der gebürtige Freiburger Tobias Braun hat dieses Jahr als erster ehemaliger Sacristan ein Football-Stipendium an der University of Mississippi erhalten.