Instagram-Hype

Wie fünf Fotografen die Vermüllung im Schwarzwald angehen

Gina Kutkat

Der Schwarzwald ist beliebter denn je – besonders zu Corona-Zeiten. Fünf Fotografen rufen mit ihrem Kollektiv "Schwarzwälder Jungs" zu mehr Achtung vor der Natur auf. Auch mit Instagram.

Der Feldsee mit untergehender Sonne, Nebel, der in den Baumkronen hängt, ein Skilift im goldenen Sonnenlicht. Sie zeigen den Schwarzwald von seiner schönsten Seite: Fotografen aus der Region, die ihre Bilder auf Instagram hochladen und ihre Follower mit sehnsuchtserweckenden Orten versorgen. Dominik Sturm, Johannes Nickel, Philip Carneiro, Michael Corona und Milan Öhler sind zwischen 22 und 36 Jahre alt und Naturfotografen, die sich auf den Schwarzwald spezialisiert haben. Und die das Kollektiv "Schwarzwälder Jungs" gründeten, um eben diesen zu schützen.



Der Schwarzwald als Ersatzdestination

"Vor allem seit Corona hat der Tourismus im Schwarzwald extrem zugenommen", sagt Milan Öhler. Weil die Menschen nicht mehr verreisen können, waren deutsche Orte in den letzten Monaten die erste Wahl – auch der Schwarzwald wurde zur Ersatzdestination. "Das haben wir einmal an unseren Interaktionen auf Instagram bemerkt", sagt Michael Corona aus Todtnau – er heißt wirklich so. "Zum anderen hat man auf dem Feldberg und auch an abgelegenen Orten viel mehr Menschen als sonst getroffen."

Zahlen der Hochschwarzwald Tourismus GmbH bestätigen diese These. Nach einem Einknick beim Frühjahres-Lockdown, stiegen die Übernachtungszahlen zumindest bei den Mitgliedsbetrieben im August noch über den Rekordwert von vergangenem Jahr. Wohl auch dank der Kampagne "Dein Heimatsommer".

Wie seine Fotografen-Kollegen ist Michael Corona fast jeden Tag in der Natur unterwegs und zeigt auf seinem Instagramprofil die schönen und mystischen Seiten des Schwarzwalds. Seine Bilder strahlen Ruhe und Abenteuerlust aus. Über 17.000 Abonnenten hat der Todtnauer, der seine Fotos mit englischen Untertiteln und Hashtags versieht: #blackforest #adventuretime #treesofinstagram. Am liebsten ist Michael Corona mit seiner Kamera unterwegs, wenn andere drinnen bleiben. Doch in den letzten Monaten war er seltener alleine als zuvor, weil campende Gruppen und Ausflügler den Schwarzwald für sich entdeckt haben. "Es ist schön, dass die Leute mehr rausgehen als sonst. Aber Müll liegenlassen, das geht nicht."

Ob Wanderer, Wildcamper, Familien oder feiernde Jugendliche – auch die anderen Fotografen haben bemerkt, dass der Schwarzwald zusehends vermüllt wird. Und dass wenig auf Naturschutzgebiete und die Tierwelt geachtet wird. "Abseits der Wege ist es für viele spannender", sagt Johannes Nickel. "Die Flucht in die Natur ist eine Abwechslung zum belastenden Alltag. Das hat Schattenseiten. "

Die Schwarzwälder Jungs treten für einen bewussteren Umgang mit der Natur ein, in dem sie über ihre Kanäle aufklären. Sie organisieren Müllsammelaktionen, zeigen den Wildcampern legale Alternativen auf und empfehlen bestehende Wanderrouten. Bei einer Aktion im Oktober sammelten sie Plastikflaschen, Hundekotbeutel, Windeln, Zigarettenkippen und Masken ein.

Wegen der Corona-Ansteckungsgefahr wird die nächste Aktion nur im kleinen Kreis stattfinden. Solange wird über Instagram aufgeklärt – dort haben die fünf Fotografen ein gemeinsames Profil. "Wir wollen nicht bestrafen oder verbieten, sondern ein Bewusstsein schaffen", sagt Milan Öhler. "Damit auch die nachfolgenden Generationen noch etwas von der schönen Natur des Schwarzwaldes genießen können." Ihre Reichweite soll ihnen dabei helfen, die richtigen Leute zu erreichen.

Das weiß auch der Feldbergranger Achim Laber zu schätzen, der bei den Fotografen Unterstützung anfragte. "Er sowie die Hochschwarzwald Tourismus GmbH waren bei den Müllsammelaktionen Partner", sagt Johannes Nickel. Angedacht sind in Zukunft auch Workshops und die Zusammenarbeit mit regionalen Verbänden.

Instagram als Urlaubsplanung

Inspiration "made in" Schwarzwald: Viele Menschen nutzen Instagram heute zur Urlaubs- oder Ausflugsplanung – und stoßen dabei nicht selten auf die Bilder der Schwarzwälder Jungs. Denn nicht nur ihre Profile haben eine große Reichweite, auch Tourismusorganisationen haben Instagram für sich entdeckt und teilen Bilder der Schwarzwaldfotografen, für die das Fotografieren Hobby oder Nebenerwerb ist. Eine Win-Win-Situation? Nicht ganz. Dass sie mit ihren schönen Fotos die Lust auf eine Auszeit in der Natur befeuern, ist den Fotografen bewusst. "Es ist ein schmaler Grat", sagt Milan Öhler. Einerseits möchten sie mit Bildern von stillen Seen und dunklen Wäldern Werbung für den Schwarzwald machen, andererseits locken sie damit Menschen an, die abseits der Pfade in Naturschutzgebieten herumtrampeln.

"Es gilt, diese sensiblen Orte zu schützen", sagt Michael Corona. Denn Instagram kann auch zur Kulisse für die Selbstdarstellung werden, vor allem, wenn bekannte Influencer mit mehr als 100.000 Followern auftauchen. Das sei in der Corona-Zeit vermehrt passiert, sagt der Fotograf. Damit seine geliebten Orte nicht zu Instagram-Hotspots werden, gibt er bei Instagram keine genauen Ortsmarken oder Standpunkte an. "Ich antworte nur, wenn ich merke, dass sich jemand wirklich für den Ort interessiert", so Corona. Allen anderen bleibt solange der Hashtag #schwarzwald mit 1.166.348 Beiträgen.
Schwarzwälder Jungs

Das Kollektiv setzt sich gemeinsam für den Schwarzwald ein. Die fünf Fotografen treten nicht nur bei Instagram gemeinsam auf, sondern organisieren Fototrips in die Natur. Mit dabei sind Michael Corona, Milan Öhler, Philip Carneiro, Dominik Sturm und Johannes Nickel.

Instagram: @schwarzwaelderjungs

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