15 Jahre fudder

Wie fudder einmal das komplette VAG-Liniennetz umbenannte

Marc Esslinger

Einer, der vom ersten Tag an bei fudder dabei war, ist Marketingchef Marc Esslinger. Hier schreibt er über einen Marketingcoup mit der VAG, dem Start-Up-Geist der frühen Jahre – und von dem Tag, an dem ein Kollege einen Schluck Fischwasser im Mund hatte.

"Wir machen Mitmach-Internet", erzählte ich im Sommer 2006 einer Bekannten, als sie mich fragte, was "dieses fudder" denn überhaupt sei. Ihr macht was? Ich klickte unter ihrer Beobachtung durch den "Hund am Supermarkt", den "Wo-rockts?"-Kalender und schließlich auf das Video mit dem Titel "Milch - wie kommt sie von der Kuh ins Glas?".


So richtig überzeugt war meine Bekannte ehrlich gesagt nicht. "fudder schreibt über all das, was man sich im Treppenhaus, in der Kneipe oder im Freibad erzählt. Geschichten aus unserer Stadt eben. Und lokale Firmen können dort schon bald ihre Werbung schalten.", fügte ich an.

In der Außenwahrnehmung galten wir einerseits als cooles Start-up, wurden jedoch gleichzeitig kritisch von der Konkurrenz beäugt – als Ableger der etablierten Badischen Zeitung. Die Arbeit in unserem Büro in der Bertoldstraße war geprägt von großer Begeisterung für das Internet, viel Energie und noch mehr Ideen. Dabei verschwammen zuweilen auch die Grenzen in der Arbeit von Redaktion, Vermarktung und Marketing.

Was macht fudder so besonders?

Wer in diesen Tagen auf eine glockenklar-detaillierte Stellenbeschreibung bestanden hätte, wäre bereits bei der ersten Mittagspause frustriert nach Hause gegangen. Eine dieser Tätigkeiten – freilich fernab der Publizistik und deren Refinanzierung – war die wöchentliche Reinigung unseres Aquariums. Und es kam der Tag, an dem Kollege Marc Schätzle – - zwischen Videoschnitt und Schnipseleinbau irgendeines neuen Monitoring-Werkzeugs - aus Versehen einen Schluck Fischwasser im Mund hatte.

Er hatte quer über den Raum hinweg versucht, mit einem Schlauch das Wasser anzusaugen, um es in der Toilette abzulassen. Nach eigener Aussage hatte der Marc noch zwei Wochen später einen "faden Geschmack" im Mund. Danach wurde erwogen, ob wir zukünftig nicht lieber Plastikfische vor die Webcam legen sollten. Abgelehnt.

"Was macht fudder.de denn so besonders?", fragte uns Stefan Vomstein, Chef der Freiburger Agentur kultwerk, als es darum ging, unsere erste Werbekampagne zu konzipieren. "Das Coole ist, dass man bei uns die Artikel kommentieren kann", sagte fudder-Chef Markus Hofmann. Ich nickte. Das war damals tatsächlich neu. Mit "Du bist gefragt" war wenig später der Claim geboren, der neben dem Goldfisch viele Jahre zum Markenzeichen unserer Webseite werden sollte. Eine Anspielung auf das Produktmerkmal Kommentierfunktion und gleichzeitig ein eingängiges Kompliment an die eigene Leserschaft.
Du bist gefragt: fudder macht Werbung

Wie bei jeder Webseite ging es auch bei fudder zu Beginn zunächst darum, unsere Bekanntheit sowie die Reichweite zu steigern. Es kam die Idee auf, die User aufzurufen, im Kommentarfeld Anagramme aus den Haltestellen der VAG zu bilden. So wurde aus Bertoldsbrunnen "Nur blond sterben". Aus Siegesdenkmal "Geile SMS, danke" und aus Friedrich-Ebert-Platz "Zar bleicht Reitpferd". Die Sache ging ordentlich ab – steigende Reichweite und einige neue User – das VAG-Liniennetz war schon bald komplett und stand zum Download zur Verfügung.

"Dringend Marketingleiterin VAG zurückrufen!" stand zwei Tage später auf einem Post-It, das an meinem Rechner klebte. Das roch nach Ärger. Sollte ich mir eine Entschuldigung zurechtlegen? Oder den Austausch mit der hausinternen juristischen Fachabteilung suchen? Doch dann klingelte schon das Telefon. Auf der anderen Seite und bestens gelaunt: die Marketingleiterin der VAG: "Super Idee mit den Anagrammen! Wir haben das die letzten Tage auf Eurer Seite mit Freude verfolgt. Kommen Sie doch unbedingt bei uns auf einen Kaffee vorbei".

Tatsächlich wurde dann die VAG einer der allerersten Kooperations- und Werbepartner von fudder. Mit dem offiziellen Straßenbahnsprecher – und diesmal mit der ausdrücklichen Erlaubnis der VAG - produzierten wir dann noch ein Soundfile: "Nächster Halt: Nur blond sterben – zur fudder-Redaktion bitte aussteigen".



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