Coronavirus

Wie Freiburger Studierende mit der UB-Schließung umgehen

Bernhard Amelung & Anika Maldacker

Im Minutentakt laufen Studierende der Freiburger Uni vor die UB und sind verdutzt: Die Unibibliothek ist wegen eines Coronafalls geschlossen. Studierende können keine Bücher mehr ausleihen oder zurückbringen.

Sie fahren mit dem Fahrrad vor, schauen kurz an die Tür zur Universitätsbibliothek und lesen den Aushang. "Liebe Nutzer*Innen, liebe Beschäftigte, die Universitätsbibliothek bleibt vorerst geschlossen", ist da zu lesen. Der Grund: Am Donnerstagabend wurde eine Mitarbeiterin der Universitätsbibliothek positiv auf das Coronavirus getestet.Einige Studierende nicken nur. "Okay, dann ist es halt so", sagt Marlene. Sie ist Anfang 20, studiert Liberal Arts and Sciences auf Bachelor. Sie findet die Maßnahme sinnvoll, um eine weitere Verbreitung des Coronavirus aufzuhalten.


Für Studierende, die an ihre Schließfächer müssen, hat die UB inzwischen eine Lösung: Nutzerinnen und Nutzer können sich über die Telefonnummer 0761/203-3919 beim Wachdienst der UB anmelden. Sie werden dann einzeln über den Eingang Belfortstraße in Begleitung des Wachdienstes ins Gebäude gelassen und können ihre Sachen aus dem Schließfach holen. Das Team der UB arbeite mit Hochdruck daran, eine Lösung für die vordringlichsten Anliegen zu finden – dazu gehört die Frage, wie eine Versorgung mit Literatur weiterhin so gut wie möglich gewährleistet werden kann.

"Beschissen ist das", sagt dagegen ein anderer Student. Er ist Anfang 20. Und Franziska, die Betriebswirtschaftslehre studiert, und von der Schließung erst direkt an den UB-Türen erfahren hat: "Ich muss eine Hausarbeit fertig schreiben, die Deadline rückt näher." Für sie kommt die Schließung völlig überraschend. "Ich erfahre erst jetzt davon", sagt sie. So geht es auch einer weiteren Studentin. "Weiß jemand, wie Inhaber von Dauerschließfächern an ihre Sachen kommen?", fragt sie. Sie schreibt ihre Bachelor-Arbeit und hat alle Arbeitsmaterialien in einem Schließfach verräumt, Bücher, Notizen und Laptop.



So geht es auch Georg H. An diesem Freitagmorgen hat er auf Facebook über die Schließung erfahren. Sein Problem: "Ich habe eine Dauerschließfach in der UB, in dem mein Laptop, meine Lernmaterialien und meine Bücher sind", erklärt er. Wie er da drankommt, war zunächst unklar. Inzwischen hat die Uni jedoch die Telefonnummer des Wachdienstes bekannt gegeben, der den Betroffenen die Türen öffnet, damit sie an die Schließfächer kommen. Der 23-jährige Politikwissenschaftsstudent befindet sich in den letzten Zügen einer Hausarbeit. "In zwei Wochen wollte ich meine Bachelor-Arbeit anmelden. Mal sehen, ob das klappt", sagt er. Er nimmt die Schließung aber mit Humor und will abwarten, was die Uni nun entscheidet. "Ich ärgere mich auch über mich selbst, dass ich nicht vorausschauender geplant habe", sagt Georg. Die Schließung habe man nach den Zugangsbeschränkungen am Mittwoch schon absehen können.

"Gestern habe ich noch überlegt, meine Sachen mitzunehmen." Emilie
Auch seine Kommilitonin Emilie Pfeffer kommt nun nicht mehr an ihren Laptop und ihre Lernmaterialien in ihrem Dauerschließfach. Die 22-jährige war mitten in der Vorbereitung ihrer Bachelorarbeit, die sie am 31. März anmelden will. "Gestern habe ich noch überlegt, meine Sachen mitzunehmen", sagt Emilie. Was sie aber bemängelt: Wieso die Uni nicht vor der Schließung schon Studierende dazu aufforderte, ihre Dauerschließfächer sicherheitshalber zu leeren.

Es gibt auch Studierende, die kaum von der Schließung betroffen sind, wie die Politikwissenschaftsstudentin Valerie Hartmann. Weil sie im Nebenfach Archäologie studiert, hat sie ihre Hausarbeit in der kleineren archäologischen Bibliothek geschrieben, weil sich dort die Bücher befanden, die sie benötigt. "Ich brauche erst ab Ende März Bücher aus der UB", sagt Valerie.
Die Schließung bedeutet laut Uni-Pressestelle im Einzelnen:

  • Es können derzeit keine physischen Medien bestellt, vorgemerkt, entliehen oder zurückgegeben werden
  • Bitte keine Medien mit der Post an die Uni-Bibliothek zurücksenden
  • Alle digitalen Angebote der UB stehen wie gewohnt ortsunabhängig zur Verfügung
  • Für die Dauer der Schließzeit fallen keine neuen Säumnis- und Überziehungsgebühren an
  • Bestehende Vormerkungen auf entliehene Medien bleiben erhalten. Bereitstellungen liegen bis eine Woche nach Wiederaufnahme des Betriebes bereit
  • Neue Vormerkungen sind während der Schließzeit nicht möglich
  • Magazinbestellungen werden ausgesetzt
  • Das UB-Fernleihservice wird eingestellt
  • Alle öffentlichen Veranstaltungen, Schulungen, Workshops, Führungen und Beratungstermine während der Schließzeit entfallen. Das betrifft auch alle Raumbuchungen in diesem Zeitraum

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